Ein Radfahrer kommt am 24.03.2012 nahe dem Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) in Schönefeld mit seinem Plakat zu einer Demonstration gegen Fluglärm. © dpa /Soeren Stache
Der Betriebsstart des Hauptstadtflughafens am 3. Juni wird von Protesten begleitet. Am Nachmittag des ersten Flugtags wollen tausende Anwohner die Zufahrt zum Neubau in Schönefeld säumen, wie die Bürgerinitiativen ankündigten. Die Menschenketten sollen nach den Plänen von der Ausfahrt der Autobahn 113 bis zum Terminal reichen.
Schon in der Nacht zum 3. Juni wollen die Flughafen-Kritiker Flagge zeigen. Dann rollt auf der nach Süden gesperrten Stadtautobahn ein gewaltiger Umzugskonvoi von Tegel zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER) nach Schönefeld.
Sitzblockaden sind wegen der starken Polizeipräsenz kaum möglich. Die Initiatoren hoffen aber, dass sie auf den Brücken über der Autobahn friedlich demonstrieren können. Darüber liefen Gespräche mit der Polizei, sagte Markus Sprißler von der Bürgerinitiative Großbeeren. Für die offizielle Eröffnungsfeier mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 24. Mai ist eine «Mahnwache» geplant.
Anwohnerinitiativen kritisieren den stadtnahen Standort des Flughafens und seine Größe. Viele haben gegen die Baugenehmigung und die Flugrouten geklagt. Sie fordern auch ein Flugverbot von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr statt - wie genehmigt - von Mitternacht bis 5.00 Uhr.
«Wir wollen, dass dieser Flughafen nicht wächst», sagte Christian Selch von der Bürgerinitiative Zeuthen. «BER an die Kette», lautet deshalb das Motto der Menschenkette am 3. Juni. Sie soll eine Stunde stehen, dann folgt eine Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz vor der Abfertigungshalle.
Die Initiatoren hoffen, dass sich auch Umweltschützer und Taxifahrer dem Protest am ersten Flugtag anschließen. Die Berliner Taxi-Innung und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland haben nach eigenen Angaben aber noch keine Pläne. «Wir beraten noch», hieß es bei der Taxi-Innung. Die Fahrer sind empört über unterschiedliche Tarife für Flughafen-Fahrten und eine Service-Pauschale.
Am Umzugswochenende wollen die Anwohner eine neue Protestwelle einläuten. Jeden Montagabend sollen einige hundert Demonstranten durch das Abfertigungsgebäude ziehen - wie am Flughafen Frankfurt, sagte Matthias Schubert, Sprecher des Aktionsbündnisses für ein lebenswertes Berlin-Brandenburg. Auch am Münchner Flughafen seien solche Aktionen in Vorbereitung. «Wir wollen versuchen, im Gleichklang mehr zu erreichen.»
Dabei sollen auch Erfahrungen von Flughafen-Kritikern aus London helfen. Im September treffen sich in Köln Initiativen aus Berlin/Brandenburg, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Leipzig und München mit dem Briten John Stewart. Seine Bürgerinitiative hatte Front gegen eine dritte Start- und Landebahn in Heathrow gemacht, bis die britische Regierung die Ausbaupläne vor zwei Jahren stoppte. Schubert sagte, im Herbst solle es dann wieder bundesweit koordinierte Fluglärm-Protestaktionen wie zuletzt im März geben.
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