BER geht laut Gutachten womöglich erst 2019 in Betrieb

09.03.2017 - 10:09 0 Kommentare

Es drohen weitere Verzögerungen am neuen Hauptstadtflughafen. Ein Gutachten legt wohl nahe, dass sich die Eröffnung zum wiederholten Male länger hinzieht als gedacht. In dem Papier wird auch begründet, warum.

Bauarbeiter am BER.  - © © dpa - Patrick Pleul

Bauarbeiter am BER. © dpa /Patrick Pleul

Der neue Berliner Flughafen BER kann einem neuen Gutachten zufolge womöglich erst 2019 statt wie zuletzt geplant 2018 in Betrieb gehen. "Ohne weitere Maßnahmen kann sich eine Eröffnung des BER bis 2019 verzögern", heißt es nach Angaben des Berliner "Tagesspiegels" in einer Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger. Die "Projektorganisation" und diverse Prozesse müssten verbessert werden, zitiert die Zeitung aus der ihr vorliegenden Expertise.

Das Gutachten sei im Auftrag der Flughafengesellschaft FBB erstellt und dem neuen Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup übergeben worden, sagte ein FBB-Sprecher. Es werde von den Fachleuten der FBB ausgewertet und im Anschluss daran in den Gremien diskutiert. Zum Inhalt sagte der Sprecher nichts.

Gutachten nennt mehrere Schwachstellen

Laut "Tagesspiegel" schätzt die Beratungsfirma die Wahrscheinlichkeit einer BER-Eröffnung im Juni 2018 mit drei Prozent als sehr gering ein. Erst im Dezember 2018 wird demnach eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit ermittelt, die eine Eröffnung auch tatsächlich realistisch erscheinen lässt. Allerdings wird darauf verwiesen, dass dies in den Wintermonaten bis einschließlich Februar 2019 kaum umzusetzen sei.

© dpa - Bildfunk, Bernd Settnik Lesen Sie auch: Fahrplan für BER-Fertigstellung soll bis zum Sommer stehen

Als "Schwachstellen" werden den Angaben zufolge folgende Punkte genannt: "fehlender Planungsabschluss", "keine vollständige Transparenz über technische Risiken", "mangelnde Koordination Bauleistungen", "unzureichende Kapazität und Qualitätsmängel der Firmen" sowie "unzureichende Koordination der Sachverständigen". Dies alles liefere eine plausible Begründung dafür, warum der vor kurzem entlassene Flughafenchef Karsten Mühlenfeld den Bauleiter Jörg Marks freigestellt habe, sagte Berlins CDU-Generalsekretär Stefan Evers in der RBB-"Abendschau".

Flugsicherung spricht von 2020

Der Flughafen ist ein gemeinsames Milliardenprojekt von Berlin, Brandenburg und dem Bund. Die ursprünglich für 2012 geplante Eröffnung wurde schon mehrfach verschoben. Der Präsident der Deutschen Flugsicherung (DFS), Klaus-Dieter Scheurle, brachte jetzt sogar das Jahr 2020 ins Spiel, sollte der Airport auch 2018 nicht öffnen. Unter anderem müssten dann erst neue Fluglotsen ausgebildet werden.

Lütke Daldrup war in dieser Woche vom Aufsichtsrat einstimmig zum Nachfolger des bisherigen Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld bestellt worden. Erst vor einigen Wochen hatte Mühlenfeld einräumen müssen, dass wegen diverser technischer Probleme auch 2017 keine Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens möglich ist. Nach der eigenmächtigen Freistellung von Marks wurde Mühlenfeld selbst geschasst, Marks nahm seine Tätigkeit wieder auf.

© dpa, Rainer Jensen Lesen Sie auch: So fallen die Reaktionen zum neuen BER-Chef aus

Außerdem kündigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat an. Die komplizierte Personalstruktur macht das nötig. Dazu kommt: Lütke Daldrup war in der Senatskanzlei als Staatssekretär Müllers rechte Hand. Eine direkte Überwachung Lütke Daldrups in seiner neuen Funktion sei da nicht sachgerecht, so Müller. Neuer Chefkontrolleur könnte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider werden.

Von: ch, dpa
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