BER-Eröffnung droht weitere Verschiebung

10.05.2019 - 20:14 0 Kommentare

Am BER gibt es offenbar weiter Probleme mit der Bandschutzanlage. Hinzu kommen unsachgemäß verbauten Dübel. Der bereits wackelige Eröffnungstermin gerate dadurch noch mehr in Gefahr. Jetzt soll die "Orat"-Phase schon vor der Freigabe starten.

Bauarbeiter am BER.  - © © dpa - Patrick Pleul

Bauarbeiter am BER. © dpa /Patrick Pleul

Am geplanten Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen im nächsten Jahr werden neue Zweifel laut. "Spiegel Online" zitierte am Freitag Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup aus einer internen Unterlage: "Die ursprüngliche Sicherheit des Eröffnungstermins im Oktober 2020 kann heute nicht mehr uneingeschränkt garantiert werden."

Öffentlich bleibt der BER-Chef aber weiter beim 2017 festgelegten Termin. Am Freitagnachmittag sagte Lütke Daldrup im RBB-Inforadio: "Der BER wird im Oktober 2020 eröffnet. Wir wussten, dass wir Puffer brauchen, und wir wussten, dass das eine oder andere Problem noch auf uns zukommen würde."

Die Verlässlichkeit und Belastbarkeit des Eröffnungstermins gelte weiterhin, ergänzte Die Flughafengesellschaft in einem Statement, "allerdings unter der Voraussetzung, dass die beauftragten Unternehmen ihr Leistungsversprechen erfüllen und die Sachverständigen sowie die Bauaufsichtsbehörden die Freigaben erteilen", schreibt die Flughafengesellschaft in einem Statement.

Inzwischen gibt es sogar Überlegungen, mit dem "Orat"-Probebetrieb schon vor der endgültigen Nutzungsfreigabe für das Terminal zu beginnen. Sollte sich der für den Sommer geplante Verbundtest aller technischen Anlagen in dem Gebäude verzögern, wäre die Eröffnung Ende Oktober 2020 ansonsten nicht mehr möglich.

Eröffnungsrelevante Dübel

Die Gefahr, den Eröffnungstermin erneut verschieben zu müssen, scheint damit wieder sehr realistisch, denn vor allem an der für die Freigabe wichtigen Brandmeldeanlage und der Verkabelung wird noch immer gearbeitet - siebeneinhalb Jahre nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin.

Seit einigen Wochen gibt es zudem Berichte, nach denen der Eröffnungstermin bedroht wäre, wenn es für bestimmte Dübel im Terminal keine Einzelfallzulassung gebe. Die Flughafengesellschaft betonte, grundsätzlich seien Metalldübel verbaut worden. Sie bestätigte aber, dass für Befestigungslösungen zum Teil noch Zulassungen fehlten.

Der für die Bauaufsicht und damit die Sondergenehmigungen zuständige Landrat Stephan Loge äußerte sich im ARD-Magazin "Kontraste" allerdings skeptisch. Der SPD-Politiker erinnerte an frühere geplatzte Eröffnungstermine: "Ich habe Magengrummeln. Wir haben da so ein bisschen Déjà-vus." Loge sagte: "Auch an einem Plastikdübel oder mehren tausend Plastikdübeln, wie mutmaßlich in diesem Fall, kann die Inbetriebnahme scheitern." Er schloss aus, "ein Auge zuzudrücken".

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: Der Tüv nimmt die BER-Entrauchungsanlage ab

Dübel waren schon einmal ein Problem auf der Baustelle. 2012 fiel auf, dass für Wandverkleidungen von Aufzügen keine brandsicheren Dübel benutzt worden waren. Die Betreiber widersprachen der "Kontraste"-Darstellung, dass im zentralen Kabelkanal im Terminal aufwendige Rückbauten notwendig seien. "Richtig ist, dass eine Kabelpritsche verbreitert werden muss. Hier sind auf circa 40 Meter Länge Arbeiten am Tragsystem erforderlich." Diese sollten Ende Mai abgeschlossen sein.

Terminal 2 soll wohl rechtzeitig fertig werden

Nach Informationen von "Spiegel Online" drohen auch Verzögerungen beim Terminal 2, das seit dem Herbst gebaut wird. Es werde möglicherweise erst Anfang 2021 fertig. Ein Flughafensprecher sprach von Schwierigkeiten in der Anfangsphase des Projekts, blieb aber beim geplanten Fertigstellungstermin im Oktober 2020.

© dpa, Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: So verteilen sich die Airlines am BER

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Freitag, sicher werde die Finanzverwaltung mit dem Flughafen über die Situation sprechen. "Die Verantwortlichen sind in der Geschäftsführung und ich muss mich auf deren Informationen verlassen." FDP und CDU im Abgeordnetenhaus forderten eine Regierungserklärung. Der Grünen-Fraktionschchef im Bundestag, Anton Hofreiter, warf Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor wegzusehen.

Von: dh mit dpa
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