BER-Chef: "Es geht um die Reputation Deutschlands"

11.01.2016 - 12:24 0 Kommentare

Der neue Hauptstadtflughafen BER öffnet mit sechs Jahren Verspätung - aber nur, wenn jetzt alles gut geht. Airportchef Mühlenfeld packt deshalb die Baufirmen bei der Ehre, darunter angesehene Weltkonzerne.

Karsten Mühlenfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin-Brandenburg Gesellschaft (FBB)  - © © dpa - Klaus-Dietmar Gabbert

Karsten Mühlenfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin-Brandenburg Gesellschaft (FBB) © dpa /Klaus-Dietmar Gabbert

Die Baugenehmigung noch nicht durch und sein Aufsichtsratschef im Wahlkampf: Für Airportchef Karsten Mühlenfeld wird 2016 ein entscheidendes Jahr auf der Baustelle für den neuen Hauptstadtflughafen. Im Interview nimmt er auch die Baufirmen in die Pflicht: Imtech, Siemens, Caverion, Bosch, T-Systems.

Vier Eröffnungstermine für den neuen Flughafen sind seit 2011 geplatzt, auch der nächste 2017 ist alles andere als sicher. Das Bauende ist vom Frühjahr 2016 in den Sommer verschoben. Wo stehen Sie jetzt?
Karsten Mühlenfeld: Um den Bau bis Mitte des Jahres 2016 fertigstellen zu können, mussten wir den 5. und 6. Nachtrag zur Baugenehmigung im vergangenen Jahr einreichen und diese werden zurzeit plangeprüft und danach hoffentlich vom Bauordnungsamt genehmigt. Kern dieser Nachträge ist die Korrektur der Entrauchungsanlage, die aufgrund ihrer Komplexität einer anspruchsvollen Steuerung bedarf. Diese wird von der Firma Siemens gebaut.

Nach positivem Abschluss der Planprüfung gehen wir davon aus, dass die Entrauchung den Anforderungen entspricht und funktionieren wird. Aber "proof of the pudding" werden natürlich erst die Heißgasrauchversuche sein, wenn die Entrauchung im Realfall getestet wird.

Die Entscheidung des Bauordnungsamts darüber wird für die Zeit um Ostern erwartet. Was passiert, wenn die Behörde den Daumen senkt?
Mühlenfeld: Im Gegensatz zu der geplanten Eröffnung im Jahr 2012 ist das Bauordnungsamt jetzt gut informiert und hat regelmäßigen Zugang zur Baustelle. Außerdem pflegen wir einen offenen Dialog mit allen Ämtern und dem zuständigen Ministerium. Das ist mir sehr wichtig. Wenn es große Konfliktthemen gäbe, hätte uns eine der Institutionen sicherlich schon darauf hingewiesen.

In der Branche hört man zwei mögliche Eröffnungstermine: den Oktober 2017 und den März 2018.
Mühlenfeld: Wir haben drei Monate unseres Puffers verbraucht, der ursprünglich sechs Monate betrug. Wir haben also noch drei Monate gut. Die meisten Leute meinen, dass wir spätestens zum Winterflugplan eröffnen müssten, sonst würde es erst wieder zum Sommerflugplan möglich sein. Für diese Annahme gibt es aber keinen sachlichen Grund, außer wir haben eine Periode mit der Notwendigkeit der Enteisung der Flugzeuge. Dies ist ein logistisch sehr anspruchsvolles Unterfangen und deshalb nicht geeignet für eine potenzielle Eröffnung, aber in Berlin tritt dies eher zum Jahreswechsel auf. Noch mal: Unser Ziel ist die Inbetriebnahme in der zweiten Jahreshälfte 2017.

Wenn das Amt doch noch Einwände hat, die Sie zwingen, das Ziel 2017 aufzugeben, hätten Sie Ihrem Aufsichtsratschef, Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD), den Wahlkampf zum Abgeordnetenhaus im September verdorben.
Mühlenfeld: Wahlkämpfe sind eine hitzige Zeit. Ich glaube aber nicht, dass der Wahlkampf sich um Entrauchung drehen wird. Wir hoffen nach der Baugenehmigung durch das Bauordnungsamt um Ostern unser genaues Restbausoll zu kennen und damit faktenbasiert einen sauberen Terminplan für die Baufertigstellung zu liefern. Wenn dieses Restbausoll unseren heutigen Erwartungen entspricht, dann können wir den Terminplan halten.

Ihre Vorgänger haben beklagt, dass sie nicht frei von politischem Druck arbeiten können. Wie ist es bei Ihnen?
Mühlenfeld: Ich finde diese Aussage immer ein bisschen unfair. Was ist frei arbeiten? Glauben Sie, dass man in großen Unternehmen ohne Druck ein Projekt abarbeiten kann? Das ist dann zwar kein politischer Druck, aber Kosten und Zeitpläne müssen dort auch eingehalten werden. Der Unterschied ist eher, dass Verzögerungen und Kosten nicht so in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Ich finde Druck nicht unbedingt so schlimm.

Natürlich spürt man, dass in Berlin Wahlkampf ist, aber das beeinflusst nicht unsere Entscheidungen. Es fordert von uns allerdings sehr klare und eindeutige Kommunikation. Ich denke, wir sind deutlich transparenter hinsichtlich des Baustatus geworden und haben unsere Kommunikation verbessert und das werden wir auch weiter tun.

Ein Teil des Drucks soll nun bei einer Konferenz im Roten Rathaus auf die Baufirmen weitergegeben werden.
Mühlenfeld: Was wir wollen ist, dass wir mit den Firmen ein gemeinsames Team bilden, welches an einen Strang zieht, um den BER fertig zu bekommen - nach dem Prinzip "Einer für alle und alle für einen".

Ist das vier Jahre nach dem ersten abgesagten Eröffnungstermin tatsächlich noch nötig?
Mühlenfeld: Ich glaube, es ist schon allen klar. Aber sie müssen auch sehen, dass in der Presse primär die Verantwortung dem Flughafen zugeschrieben wird. Ich hab noch nichts gelesen über die großen Baufirmen, die wir da haben: Imtech, Siemens, Caverion, Bosch, T-Systems. Wir wollen nach außen klarer darstellen, dass die Verantwortung auch bei den Firmen liegt, nicht alleine beim Flughafen. Es geht hier in gewissem Maße auch um die Reputation Deutschlands.

Das müsste international aktiven Baufirmen doch klar sein.
Mühlenfeld: Jeder weiß, was er zu tun hat und was von ihm erwartet wird. Und dieses Bewusstsein zu Jahresbeginn aufzufrischen, kann sicher nicht schaden.

Von: Burkhard Fraune, dpa, gk

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