Die Born-Ansage (8) ( Gastautor werden )

Der BER macht mich immer "fertiger und fertiger"

28.05.2015 - 12:02 0 Kommentare

Kolumnist Karl Born ist am Ende. Der neue Hauptstadtflughafen BER macht ihn immer "fertiger und fertiger". Von wem er diese Formulierung geliehen hat und was das mit Karl Borns Frau und dem Heiligen Geist zu tun hat.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Bevor der geneigte Leser dieser Kolumne über einen bissigen Kommentar zu meiner Sprachschöpfung nachdenkt: Ich habe mir diese Formulierung geliehen, und zwar von einem der großen BER-Macher der vergangenen Jahre: Hartmut Mehdorn. Exakt das waren seine Worte zum Abschied: "Der BER wird immer fertiger und fertiger."

Selbst ein sehr intensives Studium des Dudens ergab keinen Hinweis auf die sprachliche Korrektheit des Wortes "fertiger". Etwas ist entweder nicht fertig - dann ist es "unfertig"- oder, wenn etwas fertig sein soll, dann muss es fertig sein. "Noch fertiger als fertig" erinnert eher an die sozialistischen Sprechblasen von "Übererfüllung". Oder man denkt an die ebenso häufigen Sprechblasen der Fußballtrainer, die im Abstiegskampf forderten, ihre Spieler müssten jetzt 120 Prozent ihres Leistungsvermögens bringen.

Achtung! Terminband ist in Gefahr

Umso mehr verwundert die neueste BER-Nachricht, dass der Arbeitsrückstand sich mal wieder vergrößert habe. Also doch wieder "weniger fertiger"? Damit gerät natürlich auch das Terminband für die Eröffnung in Gefahr. "Terminband" ist übrigens auch eine grandiose Sprachleistung als Ersatz für: Wir wollen uns nicht festlegen, wann immer fertiger dann fertig ist. Heißt der neue Arbeitsrückstand also plus sechs Monate? Was soll's. Längst hat sich Fatalismus in dieser Frage breit gemacht. Oder anders ausgedrückt: Wenn sich niemand mehr dafür interessiert, können wir auch einfach so weiterwurschteln.

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: Mehr Geld für den neuen Hauptstadtflughafen BER

Immer wenn ich denke, unsinnige Formulierungen lassen sich nicht mehr steigern, dann werde ich wieder aufs Neue überrascht. Nachdem der BER wieder nach zusätzlichem Geld rief, erlaubte sich ein Volksvertreter die Frage zu stellen, wo denn nun die Obergrenze sei. Offizielle Antwort im Namen der Bundesregierung: "Die Festlegung einer Kostenobergrenze wäre kontraproduktiv für die gemeinsame Zielsetzung aller Organe der FBB, den BER betriebs- und leitungsfähig zu realisieren."

Schlauer als die Bundesregierung

Einfach wieder mal genial. Spätestens jetzt müssen wohl alle Lehrbücher über Budgets und Controlling umgeschrieben werden. Und sollte meine Ehefrau diesen Satz lesen, würden alle Diskussionen über eine "eventuelle finanzielle Begrenzung der geplanten Shopping-Tour" mit genau diesem Argument vom Tisch gefegt werden: "Das ist kontraproduktiv, angesichts der geplanten Erfüllung meiner Wünsche. Oder willst du schlauer sein als unsere Bundesregierung?"

Eine ebenso kleinkarierte Frage an den Regierenden Berliner Bürgermeister, Michael Müller, ob eigentlich seine "Arbeitsgruppe BER" bereits seine Arbeit aufgenommen hätte, wurde wie folgt beantwortet: "Noch nicht." Klar, hat ja auch alles Zeit. Überliefert ist leider nicht, wie oder was die Nicht-Aufnahme begründet. Böse Zungen behaupten, man hätte das Pfingstfest und eine eventuelle Befruchtung durch den Heiligen Geist abwarten wollen. Leider kam der Heilige Geist, wie immer in den vergangenen Jahren, nicht nach Berlin.

Aus kirchlichen Kreisen verlautet, der Heilige Geist habe zwar einen Dienstreise-Antrag bei seinem Chef eingereicht, aber angesichts des voraussichtlichen Umfangs der offenstehenden geistlichen/geistigen Befruchtung und der damit verbundenen Dauer wurde erstmals im Himmel ein "Arbeitskreis Berlin - Besuch des Heiligen Geistes" eingerichtet. Und wie das so ist bei Arbeitskreisen, das kann dauern.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, TUI-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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