Der Tower der DFS am BER ist mit 72 Meter aktuell der zweith © FBB /Alexander Obst / Marion Schmieding
Die Planer des Hauptstadtflughafens sind frühzeitig dagegen angegangen, dass die Anwohner von der Notwendigkeit abknickender Flugrouten erfahren. Das belegt ein Papier, das die Bürgerinitiative Kleinmachnow in Beständen der Flughafengesellschaft fand. Das Protokoll berichtet über ein Treffen der Planer mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) im Sommer 1998.
Die DFS wollte demnach die schnurgeraden Routen im Planfeststellungsantrag des Großprojekts durch abknickende Routen ersetzen, weil diese für Betriebsabläufe wie beim Hauptstadtflughafen vorgeschrieben sind. Aber die Flugsicherung konnte sich nicht durchsetzen, deshalb erfuhren tausende Anwohner erst 2010, dass ihre Häuser überflogen werden sollten.
Das Protokoll vom 5. Oktober 1998 ist nicht das erste Dokument, das belegt, wie die Flughafengesellschaft darum kämpfte, dass erst einmal an Geradeausstarts festgehalten werden. Auf Wunsch des damaligen Flughafen-Chefs Götz Herberg drängte wenig später auch das Bundesverkehrsministerium die ihm unterstellte DFS, klein bei zu geben - mit Erfolg. Auch das ist in Briefen und E-Mails nachzulesen.
Herberg wollte damals Zusatzkosten und mehrere Monate Zeitverzug verhindern, die die Antragsänderung gebracht hätte. Festgelegt wurden die Flugrouten durch den Planfeststellungsbeschluss auf Landesebene ohnehin nicht. Das Verfahren dazu lief bis zum Januar dieses Jahres gesondert auf Bundesebene.
Viele Anwohner und Bauherren verließen sich aber jahrelang auf den Planfeststellungsbeschluss. Sie fielen aus allen Wolken, als schließlich ganz andere Flugrouten kamen. «So wurde Hunderttausenden weisgemacht, dass sie vom Lärm und den Abgasen des neuen Hauptstadtflughafens nicht betroffen seien», kritisierte die Kleinmachnower Bürgerinitiative am Donnerstag. Sie hatte sich die Akteneinsicht gerichtlich erkämpft.
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