Interview

"Brussels macht nicht nur Langstrecke"

01.08.2018 - 07:20 0 Kommentare

In ihrem ersten Interview mit einem deutschsprachigen Medium erklärt Brussels-Airlines-Chefin Christina Foerster, wie es um den Tarifkonflikt mit ihren Piloten steht und wie das Modell der Kompetenzzentren die Eurowings-Airlines noch mehr zusammenschweißt.

Christina Förster

Christina Förster "Wir machen das, was legal richtig und wichtig ist." © Star Alliance

Wegen der Air-Berlin-Pleite und dem dadurch bedingten kurzfristigen Kapazitätsausbau hat Eurowings die Planung für die Integration von Brussels Airlines im vergangenen Jahr verschoben. Doch die Belgier brachten sich nach dem Marktaustritt beim Ausbau der Lufthansa-Tochter mit ein und bauten die Langstrecken-Operations in Düsseldorf auf. Das Gespräch von airliners.de mit Brussels-Chefin Christina Foerster beginnt aber am Himmel über Belgien.

airliners.de: Frau Foerster, die Deutsche Flugsicherung berichtet von einem immensen Kapazitätswachstum am Himmel. Folglich ruckelt es hier und da bei den Airlines im deutschen Verkehr. Wie ist das in Belgien?
Christina Foerster: Es gibt einige Sektoren in Europa, die letztlich alle betreffen. Ganz berühmt-berüchtigt ist momentan Marseille. Das bedeutet Umleitungen - für alle Airlines.

Aber nur Belgien spezifische Probleme gibt es nicht?
Nein, aber wie man weiß, ist Belgien das Herz von Europa (lacht). Gerade um nach Amsterdam zu fliegen, kommt man ja fast gar nicht an einem Überflug hier vorbei, aber spezielle Sektor-Sperrungen in Belgien gibt es nicht. Und wir hoffen, dass das auch so bleibt.

In Belgien gibt es einen Tarifkonflikt mit den Piloten - wie ist da der Stand?
Wir sprechen viel und sehr konstruktiv miteinander. Gerade in der belgischen Tariflandschaft achten alle Gewerkschaften immer sehr auf Gerechtigkeit beziehungsweise Lösungen mit denen alle Gewerkschaftsvertreter einverstanden sind und da braucht es ein bisschen Zeit, einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Das ist die Situation in Belgien. Ab Deutschland geht Brussels für Eurowings auf die Langstrecke. Auch hier wird über kurz oder lang das Thema Tarifierung anstehen. Scheuen Sie die Pilotenvertreter, die bei Lufthansa zuletzt 14 Streikrunden einlegten?
Das sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Wir verhandeln derzeit mit den belgischen Gewerkschaften, die im Haus sind. Und in Deutschland muss man dann gucken. Wir machen das, was legal richtig und wichtig ist.

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Die Managerin: Die Deutsche Christina Foerster wurde im April Chefin des belgischen Flag-Carriers Brussels Airlines. Sie gilt im Kranich-Konzern als loyal und dürfte Lufthansa-Chef Carsten Spohr weniger Stirnfalten bereiten als ihr rebellischer Vorgänger Bernard Gustin. Eine gute Voraussetzung, muss sie doch Brussels weiter in die Eurowings Group einflechten, ohne die europaweit bekannte eigene Marke zu beschädigen.

Die Integration: Brussels gehört seit 2016 komplett zum Lufthansa-Konzern. Der Carrier soll in die Eurowings Group integriert werden. Nach einem ersten Test im Herbst 2017 heben die Belgier nun mit drei Maschinen auf der Langstrecke ab Düsseldorf unter "EW"-Flug-Code ab. Gleichzeitig soll Brüssel als Heimat von Brussels zum Langstrecken-Kompetenzzentrum in der Eurowings Group werden.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Das plant Eurowings mit der Langstrecke

Brussels ist Teil der Eurowings Group und soll stärker integriert werden. Da gibt es die Aufteilung nach Kompetenzzentren. Soweit die Theorie - was heißt das in der Praxis?
Jeder Multinational-Konzern hat bestimmte Themen, um die er sich vorgeblich kümmert. Aus meiner Sicht sind die Kompetenzzentren als so eine Art Business-Division zu verstehen. Das heißt der Lead für den Bereich Netz- oder Produktentwicklung liegt für Langstrecken hier in Brüssel. Aber es heißt auch, dass die Personen, die diesen Lead führen, nicht alle hier sitzen müssen. Beispielsweise kümmern sich die Netzplaner in Köln um die Netzplanung für die Eurowings-Langstrecke. Die bilden dann zusammen mit den belgischen Kollegen das Kompetenzzentrum Langstrecke.

Neue Eurowings-Langstrecke werden also geplant in …?
Die werden von den Leuten geplant und gesteuert, die im Long-Haul-Kompetenz-Center verankert sind - das sind aber eben nicht nur Kollegen in Brüssel.

Ein sehr abstraktes Modell.
Da gebe ich Ihnen Recht. Aber das ist ein Ding, das gerade in allen Industrien zum Trend wird. Und innerhalb der Eurowings Group macht es definitiv Sinn, dieses Modell zu adaptieren - so können wir immer besser zusammenwachsen. Wir von Brussels sind sehr erfolgreich auf der Langstrecke. Sowohl aus kommerzieller Sicht, aber auch bei Planung und Operations. Beispielsweise neue Basen aufzumachen, ist ganz entscheidend. Eurowings hingegen ist sehr erfolgreich mit der Kurzstrecke - Stimulation, Point-to-Point und so weiter. Da ist die Idee, funktionale Gruppen zu gründen, damit zwei Leute, die heute im Produktmanagement bei Eurowings arbeiten, in Zukunft Teile in das Kompetenzzentrum Langstrecke und Teile in das Kompetenzzentrum Short-Haul geben. Das Ganze soll im Endeffekt nicht heißen, dass Belgier nur Long-Haul machen und Deutsche nur Short-Haul.

Das ist die sehr langfristige Planung für kommendes Jahr - gibt es kurzfristig gesehen schon konkrete Winter-Strecken, die Sie für Eurowings neu aufnehmen werden?
Netter Versuch, aber das werden wir alles zu gegebenem Zeitpunkt bekanntgeben.

Frau Foerster, vielen Dank für das Gespräch.

Von: cs
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