Luftverkehrssteuer: Ryanair streicht am Hahn

15.08.2018 - 13:04 0 Kommentare

Ryanair kappt am Hahn im Winter ein Fünftel des Angebots. Unklar ist, wie viele der stationierten Jets abgezogen werden - und ob dies eine direkte Konsequenz auf den Streik vergangene Woche ist. Das Unternehmen schweigt.

Flugzeuge von Ryanair am Flughafen Hahn. - © © AirTeamImages.com - TT

Flugzeuge von Ryanair am Flughafen Hahn. © AirTeamImages.com /TT

Billigflieger Ryanair dünnt sein Streckennetz am Hahn aus. "Die deutsche Luftverkehrssteuer trägt trotz der Bemühungen des Flughafens, kostengünstige Bedingungen zu schaffen, zu überdurchschnittlich hohen Kosten am Flughafen Hahn bei", sagte Airline-Sprecher Robin Kiely. Am Hahn hat Ryanair aktuell noch vier Flugzeuge stationiert:

Ryanair-Basen in Deutschland im Sommer

Flughafen stationierte
Maschinen
Berlin-Schönefeld 9
Berlin-Tegel 2*
Bremen 2
Düsseldorf 5*
Frankfurt 10
Hamburg 2
Hahn 4
Karlsruhe/Baden-Baden 1
Köln/Bonn 4
Memmingen 1
Nürnberg 2
Weeze 6
* = inklusive Wet-Lease für Lauda Motion | Quelle: airliners.de

Die Zahl der wöchentlichen Flüge verringert sich laut Airline im Winter um rund 20 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Nach Berechnungen der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn sinkt damit die Zahl der Flüge pro Woche von 93 auf 74. Sie analysierte: "Bei einer Auslastung von 80 Prozent bedeutet dies für die Zeit von November 2018 bis März 2019 für den Flugplatz Hahn ein Minus von circa 120.000 Passagieren."

20 Prozent des Angebots entfällt

Ryanair bestätigte zum Beispiel, von November an vom Hahn aus London-Stansted nur noch fünf- statt siebenmal in der Woche anzufliegen - die Verbindungen am Dienstag und Mittwoch entfallen. Gestrichen werde das Flugziel Dublin. Auch Trapani auf Sizilien werde im kommenden Winter vom Hunsrück aus nicht angeflogen.

Schon zum Sommer hatten die Iren ihr Netz am Hahn ausgedünnt: eine Maschine wurde nach Frankfurt verlegt. Außerdem strich der Low-Cost-Carrier etliche Strecken, die gleichzeitig neu in Frankfurt aufgenommen wurden.

Ob erneut stationierte Flugzeuge am Hahn abgezogen werden, ist nicht bekannt. Ebenfalls, ob die Entscheidung als Antwort auf den Streik der deutschen Piloten in der vergangenen Woche zu verstehen ist, möchte Ryanair auf Anfrage nicht mitteilen.

Konsequenz für den Streik?

Ryanair hatte nach den ersten drei Cockpit-Streiks in Irland angekündigt, die Basis in Dublin im Winter von jetzt 30 auf "höchstens" 24 Maschinen zu verkleinern. Begründet wurde dies unter anderem mit den von den Streiks beeinflussten schlechten Vorausbuchungen.

Für Deutschland hatte Ryanair eben jene Konsequenzen nicht komplett ausgeschlossen. Marketing-Chef Kenny Jacobs sagte zwar Anfang August, dass man hierzulande wachsen wolle. Doch Airline-Chef Michael O'Leary machte Anfang vergangener Woche noch einmal deutlich, dass Ryanair überall dort Flugzeuge abziehen würde, wo gestreikt werde.

© AirTeamImages.comges.com, Dirk Grothe Lesen Sie auch: Ryanair - die zerrissene Airline Hintergrund

Die deutschen Piloten haben am vergangenen Freitag unter Regie der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) für 24 Stunden bei Ryanair die Arbeit niedergelegt. Nach dem zweistündigen Warnstreik im Dezember 2017 war dies der erste ordentliche Ausstand der deutschen Ryanair-Piloten.

Ausstände in fünf Ländern

480 Flugzeugführer waren zum Streik aufgerufen. Ryanair strich für Freitag fast alle Flüge ab Deutschland - insgesamt über 250 Verbindungen. Am Nachmittag fanden Flüge mit Crews aus anderen Ländern statt.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: "Ryanair wollte den Streik herbeireden" Interview mit VC-Vize Markus Wahl

Es streikten aber nicht nur die deutschen Ryanair-Piloten. Insgesamt in fünf europäischen Ländern legten die Cockpit-Crews am Freitag die Arbeit nieder: Belgien, Deutschland, Irland, die Niederlande und Schweden. Vorsorglich strich Ryanair fast jeden sechsten Flug im Netz.

Von: cs
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