Bei der Lufthansa sind wieder Piloten-Streiks möglich

02.09.2015 - 16:04 0 Kommentare

Die Gespräche zwischen der Lufthansa und den Piloten sind gescheitert. Das teilt die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit mit. Damit drohen wieder Streiks bei Europas größter Fluglinie.

Lufthansa-Pilot vor einem Seitenleitwerk - © © dpa - B. Roessler

Lufthansa-Pilot vor einem Seitenleitwerk © dpa /B. Roessler

Bei der Lufthansa drohen ab sofort neue Piloten-Streiks. Der Konzernvorstand habe das Angebot der Vereinigung Cockpit (VC) zu einem Bündnis für Wachstum und Beschäftigung abgelehnt, deshalb müsse bei der Lufthansa, bei Lufthansa Cargo und bei Germanwings "jederzeit mit Arbeitskampfmaßnahmen gerechnet werden", teilte die Pilotengewerkschaft in Frankfurt am Main mit. Die Gewerkschaft will den Arbeitskampf wie bislang einen Tag zuvor ankündigen.

Nach Darstellung der VC hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf den Plänen beharrt, Flugzeuge ins Ausland auszuflaggen und damit Arbeitsplätze aus Deutschland zu verlagern. Dieser Verzicht sei aber eine der wesentlichen Bedingungen für die Aufnahme der Verhandlungen auch über andere Themen wie die Betriebs- und Übergangsrenten für rund 5400 Piloten von Lufthansa und Germanwings gewesen. "Es wird offensichtlich, dass dieser Konzernvorstand keine gemeinsamen Lösungen anstrebt", hieß es von Seiten der Gewerkschaft.

Lufthansa hat angekündigt, Maschinen und Besatzungen von den deutschen Gesellschaften Germanwings und Lufthansa auf die vor wenigen Wochen gegründete Tochter "Eurowings Europe" mit Sitz in Wien zu übertragen. Dort gelten die Tarifverträge mit den deutschen Gewerkschaften nicht. Die neue Gesellschaft soll Kern der Billigplattform Eurowings werden.

Lufthansa widerspricht der Gewerkschaft

Lufthansa widersprach der Darstellung, dass sie das Angebot der VC abgelehnt habe. Vielmehr sollten die einzelnen Themen in Arbeitsgruppen besprochen werden, zu denen man Terminvorschläge gemacht habe, teilte eine Sprecherin mit. Auch Lufthansa-Chef Spohr reagierte.

Ich hoffe, dass es zu keinen weiteren Streiks kommt. Aber wenn es notwendig ist, um die Zukunftsfähigkeit der Lufthansa herzustellen, ist das ein Preis, den wir bezahlen müssen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Anfang Juli war das Schlichtungsverfahren zwischen den Piloten und der Lufthansa gescheitert. Zunächst sah es nach neuen Streiks der Pilotenvereinigung aus, doch Ende Juli machte Cockpit der Airline einen neuen Vorschlag.

Demnach war die Gewerkschaft bereit, ein gemeinsames Bündnis für Wachstum und Beschäftigung mitzutragen. Die Piloten wollten zunächst auf Gehaltserhöhungen verzichten, außerdem sollte das durchschnittliche Alter für den Eintritt in den Ruhestand angehoben werden. Insgesamt bot die VC nach eigenen Angaben Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro an.

Im Gegenzug verlangten sie von der Airline, Arbeitsplatzperspektiven für alle in Deutschland bei der Lufthansa angestellten Piloten zu garantieren und die "Vorbereitungen zum Ausflaggen der heutigen Cockpitarbeitsplätze" umgehend zu stoppen.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Lufthansa und Gewerkschaft Ufo verlängern Verhandlungen

Die Piloten haben in dem Tarifstreit bisher zwölfmal gestreikt, um Druck auf die Lufthansa zu machen. Offiziell geht es um die Altersversorgung der Piloten. Die Lufthansa will die Kosten für die sogenannte Übergangsversorgung künftig nicht mehr übernehmen und die Altersgrenze dafür erhöhen. Dem Konzern ist durch die Streiks ein Schaden von 300 Millionen Euro entstanden.

Alle Meldungen zum Lufthansa-Pilotenstreik.

Von: ch, AFP, dpa, dpa-AFX
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