BDL für europaweite Regelung bei unangemeldeten Pilotentests

04.12.2015 - 16:11 0 Kommentare

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft plädiert für unangemeldete Tests von Piloten auf Alkohol, Drogen und andere Substanzen. Die Zufallskontrollen sollten auf europäischer Ebene geregelt werden. Hintergrund ist der Absturz von Germanwings-Flug 4U9525.

Matthias von Randow - © © dpa - Stephanie Pilick

Matthias von Randow © dpa /Stephanie Pilick

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) fordert zufällige Kontrollen von Piloten auf Medikamente, Drogen und Alkohol. Der Verband habe die Bundesregierung gebeten, sich für entsprechende europaweite Regelungen einzusetzen, sagte jetzt BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow vor Journalisten in Berlin. Von den Tests erhofft sich der BDL mit Verweis auf Erkenntnisse aus den USA vor allem eine abschreckende Wirkung.

Auch die EU-Aufsichtsbehörde Easa hat bereits unangekündigte Alkohol- und Drogentests gefordert. Die Pläne werden von der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit kritisiert. Die Cockpitcrews würden damit unter Generalverdacht gestellt, so der Vorwurf.

"Müsste Teil des Selbstverständnisses eines Piloten sein"

Nach von Randows Worten geht es bei den Tests aber darum, die Piloten nicht als Problem, sondern als Teil einer Sicherheitskette auf höchstem Niveau einzubeziehen. Es müsste deshalb Teil des Selbstverständnisses eines Piloten sein, die zufälligen Kontrollen zu akzeptieren. Bis diese eingeführt werden, wird es möglicherweise nicht mehr lange dauern. "Wir hoffen, dass das nächstes Jahr auf den Weg gebracht wird", so von Randow.

Hintergrund der Diskussion um verschärfte Pilotentests ist das Germanwings-Unglück im Frühjahr. Der Co-Pilot hatte die Maschine absichtlich abstürzen lassen, 150 Menschen starben. Unmittelbar danach waren unter dem Dach des BDL und durch die Easa spezielle Arbeitsgruppen (sogenannte Taskforces) eingesetzt worden, um Lehren aus dem Unglück zu erabeiten. Als eine Konsequenz wurde eine Zwei-Personen-Regelung für das Cockpit eingeführt.

Zwischenbericht im Juni vorgelegt

Einen ersten Zwischenbericht hatte die deutsche Taskforce Ende Juni vorgelegt. Zu den Empfehlungen der Taskforce zählten schon damals eine stärkere Sensibilisierung der Fliegerärzte für psycho-soziale Störungen und die verpflichtende Einrichtung von Anlaufstellen auf europäischer Ebene.

© dpa, Stephanie Pilick Lesen Sie auch: Nach Germanwings-Unglück: Piloten sollen besser kontrolliert werden

Während sich die Taskforce unter dem BDL-Dach bis zum Ende ihrer Beratungen Mitte November beim Thema Piloten-Zufallskontrollen nicht auf einen einheitlichen Standpunkt einigen konnte, habe es beim einem anderen Punkt einen Konsens gegeben, wie von Randow informierte. So sollen Anlaufstellen bei "substanzbezogenen Problemen" - beispielsweise Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch - durch den europäischen Gesetzgeber verbindlich gemacht werden. Als Basis wurden die bisherigen guten Erfahrungen mit derartigen Anlaufstellen in Deutschland angeführt.

Von den Anlaufstellen - und durch die Sensibilisierung der Flugmediziner für psychische Störungen - erhoffe sich der BDL einen weitaus größeren Mehrwert, als von den unangekündigten Tests, wie von Randow sagte.

Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Von: gk
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