BDL-Präsident sieht Sicherheitskontrollen als "Wachstumsbremse"

09.08.2018 - 15:22 0 Kommentare

Die deutsche Luftfahrt wächst weiterhin unterdurchschnittlich. BDL-Präsident Scheurle macht dafür neben der Air-Berlin-Pleite auch Kapazitätsengpässe an Flughäfen verantwortlich.

Klaus-Dieter Scheurle. - © © dpa -

Klaus-Dieter Scheurle. © dpa

Der Passagieraufkommen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2018 um 2,3 Prozent gestiegen - deutlich weniger als in Europa und weltweit, wo die Zuwächse über sechs Prozent lagen. Der Luftfahrtverband BDL macht dafür nicht nur die Folgen der Air-Berlin-Insolvenz verantwortlich, sondern eine dauerhafte Benachteiligung der Luftverkehrsunternehmen in Deutschland.

"Unsere deutschen Airlines haben im Wettbewerb strukturelle Nachteile", sagte er BDL-Präsident Klaus-Dieter Scheurle bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz am Donnerstag. Besonders drängend seien derzeit die Kapazitätsprobleme an den Flughäfen und im Luftraum.

Flughäfen wollen mehr Kompetenzen bei Kontrollen

Die Probleme an den Sicherheitskontrollen hätten sich zu einer "Wachstumsbremse" für die Luftfahrt entwickelt, so Scheurle. Er nahm auch Bezug auf die Terminalräumungen an den beiden größten deutschen Flughäfen: "Die jüngsten Vorkommnisse in München und Frankfurt unterstreichen unsere Forderung, dass wir etwas tun müssen."

Der BDL-Präsident erneuerte die Forderung, bei den Sicherheitskontrollen Kompetenzen von der Bundespolizei auf die Flughafenbetreiber zu übertragen.

Wir sind überzeugt, dass wir das privatwirtschaftlich besser organisieren können als im öffentlichen Sektor.

BDL-Präsident Klaus-Dieter Scheurle

Scheurle zeigte "eine leichte Skepsis", was die schnelle politische Umsetzung seiner Forderungen angeht, betonte aber: "Wir würden gerne bereits im Sommer 2019 eine veränderte Struktur sehen."

© airliners.de, Lesen Sie auch: "Der Staat soll nicht alles bezahlen" Interview mit BDL-Hauptgeschäftsführer von Randow

Die Kapazitätslücken, die Air Berlin im Flugmarkt hinterlassen hat, sieht Scheurle als weitgehend gefüllt an. "Im Europa- und Interkont-Bereich sind sie schon jetzt mehr als ausgeglichen."

Im innerdeutschen Verkehr lagen die Passagierzahlen im ersten Halbjahr fast fünf Prozent unter Vorjahr. Im Oktober werde es aber bereits wieder sieben Prozent mehr Kapazitäten geben als im Vorjahresmonat, erklärte Scheurle.

Grafik: BDL, Quelle: SRS Analyser, Statistisches Bundesamt

Allerdings haben die deutschen Airlines durch das Verschwinden der Air Berlin nochmals an Marktanteilen verloren: Im ersten Halbjahr 2018 gingen nur noch 56,7 Prozent der Flugsitze auf ihr Konto, drei Prozentpunkte weniger als 2017 und mehr als neun Prozentpunkte weniger als 2012. Hauptgrund: Ausländische Carrier wie Easyjet und Ryanair hätten von Air Berlin Marktanteile übernommen, so Scheurle.

Damit und durch das Eurowings-Wachstum ist der Anteil der Low-Cost-Flüge auf 28,9 Prozent gestiegen, das sind 5,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2017 und 17 Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren.

Auch das Preisniveau wurde gedrückt, stellte Scheurle fest. "Wir haben in allen Segmenten in diesem Frühjahr fallende Ticketpreise. Innerdeutsche Flüge sind sie so günstig wie 2012."

Grafik: BDL, Quelle: Statistisches Bundesamt

Von: pra
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