BDL-Chef Schulte: Ticketpreise werden durch Air-Berlin-Pleite nicht steigen

25.08.2017 - 15:27 0 Kommentare

BDL-Chef Stefan Schulte sagt in einem Interview, dass er keine Erhöhung der Ticketpreise befürchte, weil Air Berlin vom Markt verschwindet. Gleichzeitig äußert er sich auch zur Digitalisierung der Luftverkehrswirtschaft.

Stefan Schulte, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft - © © dpa - Sebastian Gollnow

Stefan Schulte, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft © dpa /Sebastian Gollnow

Der Chef des Flughafen Frankfurts und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Stefan Schulte, sieht durch die Air-Berlin-Pleite keine Trendwende bei den Ticketpreisen. "Der Wettbewerb zwischen den Fluglinien wird weiter zunehmen und Fliegen wird daher insgesamt noch günstiger, wenn der Kerosinpreis so niedrig bleibt wie er derzeit ist", sagte Schulte dem "Focus".

Damit werde sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen. Er bedauerte dies, da er sich leicht anziehende Preise wünschen würde. Ein "gewisser Anstieg wäre sicher sinnvoll, denn auch die Fluglinien müssen eine vernünftige Rendite erwirtschaften", sagte er. Gleiches gelte für die Flughäfen in Deutschland, von denen nur "eine Handvoll" Gewinne mache.

Digitalisierung als Chance

Das Unternehmen Fraport, dessen Hauptstandbein der größte deutsche Flughafen in Frankfurt ist, gehört dazu. Dennoch müsse das Unternehmen die Kosten weiter senken und werde daher zum Beispiel die Digitalisierung vorantreiben. "Wir könnten zum Beispiel Drohnen zur Überwachung des Flughafen-Geländes einsetzen. Das erhöht die Sicherheit und senkt die Kosten."

"Die Digitalisierung ermöglicht es uns auch, viele Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen", sagte er. "Statt einzelner Sicherheitskontrollen mit mitunter langen Warteschlagen würde ich mir kontaktlose Security-Tunnel wünschen, durch die Passagiere einfach hindurchgehen können."

Schulte will Eventzonen schaffen

Um das Geschäft weiter zu beleben, will er die Flughäfen des Konzerns zu sogenannten Eventzonen auszubauen. Er denke dabei an "multimediale Spielbereiche, Sportaktivitäten, gastronomische Angebote und anderes", sagte Schulte. Denn die Passagiere "werden die Zeit am Flughafen auch verstärkt nutzen wollen."

Schulte bekräftigte zudem die Anfang August leicht erhöhte Prognose für das Passagierwachstum von knapp fünf Prozent. "Und zum ersten Mal seit Jahren nehmen auch die Flugbewegungen zu", sagte er. Das Wachstum stamme überwiegend von den erfolgreichen Bestandsgesellschaften wie Lufthansa.

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Besser als jedes TV-Drama Die Born-Ansage (62)

Aber auch mit Billigfliegern wolle Fraport weiter wachsen: "Ryanair hat genauso wie wir ein großes Interesse daran, hier am Standort weiter zu wachsen. Daher bin ich zuversichtlich, dass Ryanair ihr Angebot in den nächsten Jahren weiter ausweiten wird - ebenso wie andere." Der Ausbau des Geschäfts mit Ryanair, den sich Fraport mit Rabatten gesichert hat, belastete jüngst das Verhältnis zum langjährigen Partner Lufthansa.

Aktie seit Jahresbeginn gestiegen

Dieser forderte ebenfalls niedrigere Preise. Anfang Juli hatten sich die beiden Unternehmen wieder aufeinander zubewegt und zumindest eine erste Einigung über die künftigen Gebühren erzielt. Dies ist in den Augen von Lufthansa jedoch lediglich der Einstieg in viel weitgehendere Gespräche mit Fraport.

Kapazitätsangebot am Flughafen Frankfurt
Angaben in Prozent
Lufthansa 62.2
Condor 4.5
Ryanair 2.2
Austrian 1.9
United Airlines 1.8
Übrige Airlines 27.4

Angaben für 09/2017 / Quelle: CH Aviation

An der Börse hatte der Streit nicht belastet - im Gegenteil. Die Faport-Aktie war Anfang August auf den Höchststand von 88,05 Euro gestiegen. Seitdem musste das Papier aber etwas Federn lassen. Mit einem Plus von 45 Prozent gehört die Aktie im bisherigen Jahresverlauf immer noch zu den stärksten Gewinnern im MDax. Der Börsenwert des Unternehmens, das zu 31 Prozent dem Land Hessen und 20 Prozent der Stadt Frankfurt gehört, liegt bei rund 7,5 Milliarden Euro.

Von: cs, dpa-AFX
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