BDL formuliert Ansprüche für Verkehrsverlagerung auf die Schiene

16.08.2019 - 13:16 0 Kommentare

Die Luftverkehrsbranche hebt ihre Anstrengungen zu mehr Klimaschutz hervor und schließt sich dem Ziel, möglichst viel Inlandsverkehr vom Flugzeug auf die Schiene zu verlagern, an. Dafür bleibe aber bei der Bahn einiges zu tun.

Matthias von Randow - © © BDL -

Matthias von Randow © BDL

Die Luftfahrt-Branche schließt sich dem Ziel an, mehr Inlandsverkehr auf die Schiene zu verlagern. Dafür müssten Bahn und Verkehrspolitik den Schienenverkehr jedoch attraktiver machen. "Wir haben als deutsche Luftverkehrswirtschaft ein hohes Interesse, dass die Verlagerung gelingt," sagte Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BDL, im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin, bei der unterschiedliche Ansätze zu mehr Klimaschutz im Luftverkehr aufgezeigt wurden.

Der Verbandschef formulierte dabei verschiedene Ansprüche an die Bahn. Die Bahn müsse insbesondere beim Gepäcktransport für den kombinierten Umsteigeverkehr nacharbeiten, verlangte von Randow. Die Gepäckstücke müssten von der Bahn entsprechend der hohen Sicherheitsanforderungen des Luftverkehrs aufgenommen und zuverlässig an die Airlines übergeben werden.

Bislang ist es auch bei über Lufthansa zugebuchten Bahn-Zubringerfahrten nicht möglich, das Gepäck bereits am Startbahnhof aufzugeben und an den Zielort durchzuchecken. Die Passagiere können bislang ihr Gepäck erst am Flughafenbahnhof Frankfurt übergeben.

Die Deutsche Bahn lehnte die Vorschläge des BDL umgehend ab. "Es wäre unsinnig, Anlagen für die Gepäckkontrolle doppelt, das heißt im Bahnhof und im Flughafen, vorzuhalten", erklärte eine Sprecherin in Berlin. Die erfolgreiche Kooperation mit der Lufthansa bei «Lufthansa Express Rail» beweise vielmehr, dass sich die Gesamtreisezeit verkürze, wenn Fluggäste ihr Gepäck erst am Flughafen aufgeben.

Die Reisezeit ist das entscheidende Kriterium

Grundsätzlich sei die Einstellung von Inlandsflügen auf Verbindungen möglich, auf denen die Bahn bis zu drei Stunden benötige, erklärte der BDL. Das sei auf vielen Strecken bereits passiert, andere Relationen seien jedoch aufgrund mangelnder Infrastruktur und zu vieler Unterwegshalte unattraktiv. Es könnten noch mehr sein, wenn alle wichtigen deutschen Luftdrehkreuze über eine leistungsfähige Schienenanbindung verfügen würden, so von Randow.

© Deutsche Bahn, Claus Weber Lesen Sie auch: Mit zu wenigen Gleisen kompliziert durch Deutschland Zug statt Flug (2)

Der Verband sprach sich erneut dafür aus, den zweitgrößten deutschen Flughafen München an das Fernbahn-Netz anzuschließen. Der seit Monaten durch die Öffentlichkeit geisternde Vorwurf, dass Bahnfahren teurer als Fliegen sei, wurde von dem Banchenverband zurückgewiesen. Innerdeutsch fliegen sei im Schnitt drei- bis viermal teurer als Bahnfahren. Die Gründe, warum Passagiere lieber den Flug wählen als die Bahnfahrt, lägen nicht im Preis.

Deutsche Airlines werden CO2-Kompensation im Buchungsvorgang anbieten

Der BDL erneuerte weitere Vorschläge: So sollen den Passagieren im Buchungsprozess leichter CO2-Kompensationszahlungen angeboten werden. Die deutschen Airlines hätten zugestimmt, die Option zur Flugkompensation in den Buchungsvorgang für die Kunden zu integrieren, sodass Passagiere bei jeder Flugbuchung mit wenigen Klicks eine freiwillige Klima-Kompensation leisten können.

Auf Anfrage von airliners.de bestätigte Lufthansa das Vorhaben: "Bei den zur Lufthansa Group gehörenden Fluggesellschaften Austrian Airlines und Edelweiss Air ist die Möglichkeit der CO2-Kompensation bereits direkt in den Buchungsprozess integriert. Schritt für Schritt soll diese Option auch in die Buchungsmasken von Lufthansa und Swiss integriert werden," sagte ein Sprecher. Beide Airlines böten ihren Kunden schon seit 2007 die Möglichkeit, die CO2-Emissionen ihrer Flugreise zu kompensieren. Mit der geplanten Integration in den Buchungsablauf solle die Sichtbarkeit des Angebots deutlich erhöht werden.

Entscheidend auf dem Weg zum CO2-neutralen Fliegen ist für den BDL die Verwendung synthetischen Kerosins. Forschung und Entwicklung in diesem Bereich müssten deutlich intensiviert werden, weshalb das Aufkommen aus der Luftverkehrssteuer, im letzten Jahr 1,2 Milliarden Euro, vom Bund in diesem Bereich investiert werden sollte.

Auch müsse der europäische Luftraum weiter vereinheitlicht werden, um klimaschädliche Umwege der Flugzeuge zu vermeiden. Das Einsparpotenzial durch ein optimiertes Luftverkehrsmanagement bezifferte von Randow auf 10 Prozent.

CO2-Bepreisung muss international erfolgen

Angesichts der Diskussion um eine CO2-Bepreisung hob der BDL in seiner Analyse als wirkungsvollstes Mittel zwei Instrumente hervor: Den Emissionshandel und das international abgestimmte CO2-Kompensationssystem Corsia. Für diese Instrumente spreche, dass sie nicht nur eine CO2-Bepreisung festlegten, sondern zugleich einen klar definierten Mechanismus zur Reduktion von CO2-Emissionen beinhalteten.

© BDL, Lesen Sie auch: "Die Luftverkehrssteuer sollte für den Klimaschutz genutzt werden" Interview

Weiter verwies der Verbandschef auf die Investitionen der Fluggesellschaften in neues, effizienteres Fluggerät. In Verbindung mit den internationalen Programmen zum Emissionshandel sei eine Entkoppelung von Verkehrswachstum und Verbrauch gelungen, die in Zukunft noch stärker werden soll. Nationale Alleingänge etwa zur Einführung einer CO2-Bepreisung lehnt der BDL weiterhin ab.

Von: dk, dpa
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