Diese Baustellen warten auf den neuen Eurowings-Chef

09.12.2016 - 10:05 0 Kommentare

Für ihre Billigsparte Eurowings hat die Lufthansa Group einen ausgewiesenen Digitalexperten an Bord geholt. Auf den bisherigen O2-Chef Thorsten Dirks warten bei der Airline aber auch zahlreiche analoge Probleme.

Flugzeug der Lufthansa-Tochter Eurowings stehen auf dem Flughafen Düsseldorf. - © © dpa - Bernd Thissen

Flugzeug der Lufthansa-Tochter Eurowings stehen auf dem Flughafen Düsseldorf. © dpa /Bernd Thissen

Die Lufthansa Group hat die Latte für sein neues Vorstandsmitglied Thorsten Dirks ordentlich hoch gelegt. Der frühere Chef der Telekommunikationsanbieter E-Plus und O2 muss ab Mai das Billigkonzept Eurowings zum Erfolg führen, nicht weniger erwarten Aufsichtsrat und Konzernchef Carsten Spohr von dem 53-Jährigen. Neben seiner Rolle als Ideengeber für neue Digitalstrategien muss er handfeste Airline-Probleme lösen, denn die aktuell in der Verlustzone operierende Eurowings ist kompliziert aufgebaut und teurer als die Konkurrenz.

Komplizierte Integration

Die Billig-Plattform Eurowings soll eigentlich auch externen Fluggesellschaften offenstehen. Bislang sind aber nur Gesellschaften der Lufthansa-Familie unter der Billigmarke unterwegs: Eurowings, Germanwings, die Wiener Eurowings Europe und Sunexpress (letztere ist ein Joint-Venture zwischen Lufthansa und Turkish Airlines). 2017 kommen die kürzlich komplett übernommene Brussels Airlines und bis zu 35 Jets der Air Berlin dazu, die im "Wet Lease" zugemietet werden sollen.

© AirTeamImages.com, Rudi Boigelot/Alun Morris Jones, Kollage: a.de Lesen Sie auch: Air Berlin hebt schon bald für Eurowings ab

Lufthansa hat ein detailliertes Regelwerk für die neu zu gewinnenden Partner aufgestellt. "Alles, womit der Kunde in Berührung kommt, soll gleich sein", sagt der scheidende Vorstand Karl Ulrich Garnadt. Bei der Integration könnten Dirks Erfahrungen aus der Fusion der Mobilfunker E-Plus und O2 sehr nützlich sein.

Wackelkandidat Air Berlin

Wenn alles klappt, gehen die 35 Jets der Air Berlin samt Personal ab Ende März 2017 für Eurowings an den Start. Der mehrjährige Mietvertrag gehört zum Rettungspaket, das Air-Berlin-Großaktionär Etihad für seine deutsche Beteiligung geschnürt hat, die aber erst einmal über den einnahmeschwachen Winter gebracht werden muss. Helfen soll dabei die 300-Millionen-Euro-Spritze, die Etihad für den Verkauf der Air-Berlin-Tochter Niki lockermacht. Doch auch damit ist Air Berlin nicht aus dem Schneider.

© Niki, Lesen Sie auch: Air Berlin verkauft ihre Tochter Niki an Etihad

Dem Vernehmen nach zahlt Eurowings für die Flieger so wenig Miete, dass Air Berlin auch 2017 Geld drauflegt. Seit Jahren hält sich die Gesellschaft nur dank der arabischen Finanzspritzen in der Luft. Ein Aus würde künftig auch Eurowings treffen. Lufthansa-Insider behaupten aber, das Problem einer möglichen Insolvenz im Griff zu haben und den Flugbetrieb auch in diesem Fall schnell weiterführen zu können.

Kein Frieden mit den Gewerkschaften

In den zersplitterten Fluggesellschaften, die Flüge der Marke Eurowings anbieten, haben unterschiedliche Gewerkschaften das Sagen, die zudem nach Berufsgruppen aufgeteilt sind. Die Piloten der Vereinigung Cockpit bekämpfen das Eurowings-Konzept ohnehin nach Kräften, legten in der Vergangenheit auch immer wieder die größte Teilgesellschaft Germanwings lahm.

Beim Kabinenpersonal der kleineren Eurowings GmbH bekämpfen sich die Gewerkschaften Verdi und Ufo mit wechselnden Streikszenarien, wobei eine Klarstellung durch das Tarifeinheitsgesetz noch in weiter Ferne liegt. Bei den Passagieren könnte sich der Eindruck festsetzen, dass bei Eurowings und Lufthansa immer irgendwo gestreikt werde.

Kaum noch Nischen

Lufthansa bietet im Eurowings-Plattformkonzept auch Fernflüge an. In den wenigen, ebenfalls geleasten Langstreckenjets sitzen Piloten der deutsch-türkischen Sunexpress. Lowcost rechnet sich auf lange Entfernungen aber deutlich schlechter, weil Crews übernachten müssen und kompliziertere Umläufe entstehen.

© Telefonica, Lesen Sie auch: Lufthansa-Konzern beruft Digitalexperten zu neuem Eurowings-Chef

Technische Probleme können schnell zu massiven Verspätungen führen, wie die Lufthansa-Tochter bereits mehrfach schmerzhaft erfahren hat. Außerdem drängen andere Gesellschaften wie Norwegian und Wow Air (über Island) in das Nordatlantikgeschäft. Aus den asiatischen Massenmärkten will unter anderem Air Asia künftig nach Europa und zurück fliegen - geplant ist unter anderem Bangkok-Frankfurt.

Brexit macht Low-Cost-Konkurrenz aggressiver

Eigentlich könnte der Brexit der Lufthansa Group relativ egal sein. Das Großbritannien-Geschäft ist für den Konzern nicht bedeutend, und das billige britische Pfund lockt zusätzliche Urlauber auf die Insel. Doch der erwartete EU-Austritt des Landes treibt Europas größten Billigflieger Ryanair aus Irland noch stärker auf den Kontinent. Ryanair-Chef Michael O'Leary will seine für das nächste Geschäftsjahr erwarteten 50 neuen Flugzeuge nur außerhalb Großbritanniens einsetzen.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Easyjet hat Kandidaten für neue EU-Fluglizenz im Visier

Die britische Rivalin Easyjet fürchtet um ihre Verkehrsrechte - und plant den Aufbau eines Flugbetriebs innerhalb der Europäischen Union. Für Lufthansa und ihre Tochter Eurowings droht der Wettbewerb noch härter zu werden, weil sie trotz aller Anstrengungen das Kostenniveau der Herausforderer nicht erreicht.

Schon heute macht der Ansturm der Konkurrenz - auch unabhängig vom Brexit - dem Konzern an vielen deutschen Flughäfen zu schaffen. Ab März zum Beispiel landet Ryanair am größten Lufthansa-Drehkreuz in Frankfurt, und seit diesem Frühjahr hat Transavia, Billigtochter von Air France/KLM, eine Basis am Lufthansa-Hub in München.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa-Vorstand Hohmeister: Eurowings kommt nach Frankfurt

Von: Christian Ebner, dpa, ch
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