Bahnprojekt bringt Stuttgarter Flughafen in die roten Zahlen

09.12.2015 - 17:19 0 Kommentare

Der Airport in Stuttgart setzt große Hoffnungen in das Bahnprojekt Stuttgart 21. Gut eine Million Passagiere zusätzlich könnten dadurch zum Flughafen strömen. Doch vorerst belastet Stuttgart 21 die Bilanz.

Georg Fundel, Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart GmbH - © dpa - Jan-Philipp Strobel

Georg Fundel, Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart GmbH dpa /Jan-Philipp Strobel

Das Bauprojekt Stuttgart 21 belastet in diesem Jahr das Ergebnis des Stuttgarter Flughafens - davon geht zumindest der Airport aus. Zwar mache der Flughafen mehr als 30 Millionen Euro Gewinn, sagte Geschäftsführer Georg Fundel. Weil Belastungen von 40 Millionen Euro aus dem Budget für Stuttgart 21 anfallen, dürften in der Bilanz am Ende jedoch rote Zahlen stehen.

Der Flughafen unterstützt das Projekt mit insgesamt 359 Millionen Euro. In den kommenden Jahren seien insgesamt noch Zahlungen von 187 Millionen Euro offen, sagte Fundel. Wann diese abgerufen würden, stehe nicht fest. Grundsätzlich habe der Flughafen aber ein großes Interesse an dem Bahnprojekt. Dank des geplanten Fernbahnhofs am Flughafen rechne man mit bis zu einer Million mehr Passagieren.

Der Flughafen und das Projekt Stuttgart 21

Derzeit ist der Flughafen Stuttgart über zwei S-Bahn-Linien an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird das ändern. Nach der Fertigstellung der Arbeiten sollen täglich etwa 110 Fern- und Regionalzüge am Airport halten. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Bahnprojekts.

Operativ lief es für den Flughafen im vergangenen Jahr nicht schlecht. Bis Jahresende rechnet Fundel mit 10,5 Millionen Passagieren - ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von acht Prozent. Ein Grund für die gute Passagierentwicklung sind auch die Billig-Airlines Easyjet und Ryanair, die erst seit dem Frühjahr den Südwest-Airport anfliegen.

Der Umsatz dürfte allerdings etwa auf Vorjahresniveau liegen. Er rechne mit gut 230 Millionen Euro, sagte Fundel. Im Vorjahr hatte der Flughafen 236 Millionen Euro Umsatz gemacht. Im Sommer war der Airport-Chef für 2015 noch von Erlösen von 250 Millionen Euro ausgegangen.

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: Ryanair fliegt Flughafen Stuttgart an

Im kommenden Jahr dürfte das Plus der Erlöse dann wieder etwas stärker ausfallen. Bei den Passagieren rechnet Fundel mit drei Prozent Wachstum. Der Umsatz dürfte dank der dann anstehenden Mietzahlungen der Wirtschaftsberatung Ernst & Young allerdings noch stärker steigen. Ernst & Young verlegt dann seine Deutschlandzentrale von Stuttgart-Weilimdorf an den Flughafen.

Codesharing-Streit als "verheerendes Signal"

Ein Risiko seien die Streitigkeiten um die Codesharing-Flüge von Air Berlin und Etihad, so Fundel. Die beiden Airlines bieten die einzige Verbindung von Stuttgart aus in die Golfregion an. Über diese Flüge seien in den vergangenen zwölf Monaten 70.000 Passagiere gekommen, sagte der Geschäftsführer.

Der Route droht jedoch das Aus, weil sie nicht unter das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten fällt. "Das Signal ist verheerend", findet Fundel.

© airliners.de, David Haße Lesen Sie auch: Stuttgarter Airport-Chef kritisiert Bundesregierung und Lufthansa

Hoffnung macht sich der Geschäftsführer dagegen auf das neue Lufthansa-Billigkonzept Eurowings. Sollte Stuttgart ein Standort für Eurowings-Langstreckenflüge werden, könnte das von Oktober 2016 an gut 500.000 zusätzliche Passagiere jährlich bringen.

Flughafen soll ausgebaut werden

Bislang ist der Flughafen nach den Worten von Fundel auf 17 bis 18 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. In den Terminals können allerdings nur bis zu zwölf Millionen abgefertigt werden. Dieses Limit könnte angesichts des geplanten Wachstums bald erreicht werden.

Der Flughafen plant deshalb in den kommenden drei bis fünf Jahren einen Ausbau. Gepäck- und Sicherheitskontrollen müssten erweitert werden. Es sei aber auch denkbar, dass der Terminal vier umgebaut und ergänzt würde. Wie hoch die Kosten für den Umbau ausfallen werden, wollte Fundel noch nicht abschätzen. Der letzte Terminal habe aber etwa 150 Millionen Euro gekostet.

Von: ch, dpa
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