Bahnprojekt drückt Gewinn des Stuttgarter Flughafens um 80 Prozent

19.04.2016 - 14:50 0 Kommentare

Bei den Passagierzahlen ist der Stuttgarter Flughafen im Aufwind. Doch bei den Finanzen sieht es schlechter aus. Die Extrazahlungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21 fallen um viele Millionen Euro höher aus als geplant.

Der Airport Stuttgart bei Nacht - © © Flughafen Stuttgart -

Der Airport Stuttgart bei Nacht © Flughafen Stuttgart

Das Jahresergebnis des Stuttgarter Flughafens ist im vergangenen Jahr um rund 80 Prozent auf 5,4 Millionen Euro gesunken. Das teilte der Airport jetzt mit. Grund waren Extrazahlungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21. Statt wie geplant drei Millionen Euro fielen etwa 40 Millionen Euro im Rahmen eines S21-Risikofonds an.

2017 steigen die zugesagten Baumittel-Zahlungen dann von drei auf 45 Millionen Euro. "Es kann sein, dass wir ein Jahr rote Zahlen schreiben", sagte Airport-Chef Georg Fundel. "Aber nicht weil der Flughafen schlecht wirtschaftet, sondern weil wir Sonderlasten für Stuttgart 21 tragen."

Der Flughafen und das Projekt Stuttgart 21

Der Flughafen ist in das Bauprojekt Stuttgart 21 (S21) eingebunden. Der Airport wird hierbei zur Regional- und Fernverkehr-Haltestelle erweitert. Etwa 360 Millionen Euro beträgt der Flughafen-Anteil an den Gesamtkosten, die laut Bahn bei maximal 6,526 Milliarden Euro liegen sollen.
Zu je etwa einem Drittel teilte sich der Flughafen-Anteil auf eine Vorauszahlung 2008, Baumittel und einen Risikotopf auf. Letzterer soll außerplanmäßige Baukosten decken - die Bahn muss die Extrazahlungen beantragen und die Landesregierung sie bewilligen. Dieser Risikotopf wurde erstmals 2015 angezapft. "Für diesen Risikotopf gibt es keine Fälligkeiten, deshalb können wir diese Mittel auch nicht planen", sagte Walter Schoefer, Co-Geschäftsführer des Airports in Stuttgart.
Hier geht es zur Homepage des Bahnprojekts.

Mit Blick auf die Minderung des Geschäftsergebnisses von 29,8 auf 5,4 Millionen Euro betonte Airport-Chef Fundel, dies sei "kein Gewinneinbruch". Dass Zusatzzahlungen wegen des besagten S21-Risikotopfes fällig werden könnten, sei schließlich seit langem klar gewesen. Zahlungen für S21 seien eine unternehmerische Investition, die das Ergebnis der Firma auf längere Sicht verbesserten, wenn auch wegen der besseren Bahnanbindung mehr Passagiere kommen.

Da die bereits festgelegten S21-Zahlungen pro Jahr von derzeit etwa drei Millionen auf jeweils gut 40 Millionen Euro 2017 und 2018 steigen und obendrauf noch Zusatzzahlungen kommen könnten, erscheinen rote Zahlen wahrscheinlich.

Klar ist es nicht, aber das Risiko eines Verlustes besteht.

Walter Schoefer, Co-Geschäftsführer Airport Stuttgart

Andere Zahlen in der Jahresbilanz 2015 waren überaus positiv. So stieg der Umsatz der Flughafen Stuttgart GmbH um rund fünf Prozent auf rund 246,7 Millionen Euro, zuzüglich Tochterfirmen waren es 276 Millionen Euro (plus 5,5 Prozent). Das operative Ergebnis - also vor Abzug der S21-Zahlungen - kletterte um mehr als neun Prozent auf 44 Millionen Euro. "2015 war für uns ein sehr erfolgreiches Jahr", sagte Fundel.

Bei den Passagieren gab es den Angaben zufolge ein Plus von rund acht Prozent auf 10,5 Millionen - so viele waren es noch nie. Die Prognose für 2016 ist eher moderat, die Passagierzahl soll um drei Prozent steigen. Eigentümer der Flughafenfirma ist zu etwa zwei Dritteln das Land Baden-Württemberg und zu einem Drittel die Stadt Stuttgart.

© Flughafen Stuttgart, Lesen Sie auch: Flughafen Stuttgart übertrifft 2015 bisherigen Passagierrekord

Auch bei den Bautätigkeiten herrschte 2015 am Flughafen Hochbetrieb: Ein Neubau wurde Ende 2015 an die Unternehmensberatung EY übergeben, wo inzwischen 1700 Menschen arbeiten. Zudem soll ein Busterminal Mitte Mai eröffnet werden. Dank des Busverkehrs rechnen die Flughafenchefs pro Jahr mit bis zu drei Millionen Menschen zusätzlich, die über das Airport-Gelände reisen.

Der Stuttgarter Flughafen hat seinen Geschäftsbericht 2015 zum Download ins Internet gestellt. Das PDF umfasst 40 Seiten.

Von: ch, dpa
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