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Bahn-Sanierung durch Preiserhöhung?

01.02.2019 - 08:27 0 Kommentare

Über den Vorschlag, die Deutsche Bahn möge durch Preiserhöhungen ihren Teil zur Sanierung beitragen, sollte man nachdenken, meint Verkehrsjournalist Thomas Rietig. Dahinter steht die Frage, ob die Preise für Mobilität die Kosten wieder einbringen, die sie verursachen.

Kundin an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. - © © Deutsche Bahn -

Kundin an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. © Deutsche Bahn

Der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr heißt Enak Ferlemann, gehört der CDU an und ist schon seit einigen Jahren Staatssekretär im CSU-geführten Verkehrsministerium. Er weiß, wovon er redet. Wenn er jetzt mit dem Vorschlag zitiert wird, die Deutsche Bahn möge auch zur eigenen Sanierung beitragen, indem sie die Preise anhebt und nicht nur dauernd nach Geld vom Vater Staat - also uns allen - ruft, könnte ja eventuell etwas dran sein. Nur sollte die Bahn die Preise nicht so verändern, dass Fliegen billiger wird - oder in einigen Fällen billiger bleibt - als Zugfahren.

Die Äußerung des Bahnbeauftragten hat aber etwas für sich. Sie zeigt, dass die Ära der Dumpingpreise auf Kosten des Steuerzahlers zu Ende geht, zumindest im Mobilitätssektor. Beispiel Straße: Auch der Fernbus ist lange nicht mehr so billig wie zu seiner Einführung. Inzwischen wächst der Druck, auch für ihn Maut zu verlangen. Beispiel Luftverkehr: Ryanair hat zum wiederholten Mal die Gewinnprognose nach unten korrigiert. Es gibt kaum noch zu erschließende Flughäfen mit günstigen Landegebühren.

Unstimmigkeiten sollte nicht der Steuerzahler ausgleichen

Natürlich regt Ferlemanns Vorschlag zu dem Gegenargument an: "Wenn die Bahn jetzt auch noch teurer wird, fährt erst recht keiner mehr mit." Stimmt aber nicht. Es werden immer mehr Fahrgäste, auch wenn sich der Modal Split insgesamt gesehen nicht in der umweltpolitisch wünschenswerten Deutlichkeit zu Gunsten der Bahn verschiebt. Wer aber mehr Fahrgäste transportiert, müsste auch mehr Gewinn einfahren, sonst stimmt das Geschäftsmodell nicht. Diese Unstimmigkeiten muss ja nicht unbedingt der Steuerzahler ausgleichen.

Genau darauf wollte Ferlemann hinaus. Es ist also nicht besonders zielführend, seinen Vorschlag als "Schnapsidee" zu verkürzen, wie es manche Verbände tun. Der Beauftragte hat relativ vernünftig argumentiert, dass die Deutsche Bahn "ihre Preise anheben oder die Sondertarife reduzieren" könnte.

Rasen als wirtschaftlicher Luxus

Die DB könnte ja mit Letzterem anfangen. Es stellt sich wirklich die Frage, ob wir für 19,99 Euro durchs ganze Land fahren oder fliegen müssen. In anderen Fällen schauen wir ja auch nicht so streng aufs Geld. Etwa wenn wir vehement ein Tempolimit ablehnen. Denn mit 160 Kilometern pro Stunde oder mehr über die Autobahn zu brettern, ist schierer Luxus und betriebswirtschaftlich ruinös, wenn man den Zeitgewinn gegenüber Tempo 120/130 in Relation zu den drastisch höheren Verbrauchskosten setzt. Ein Blick auf den Bordcomputer, Einstellung "Aktueller Verbrauch", reicht.

Die Frage, ob die Preise für Mobilität in Deutschland die Kosten wieder einbringen, die sie verursachen, sollte tatsächlich öfter und offener diskutiert werden. Und zwar unter Einbeziehung erstens auch der externen Kosten und zweitens aller Verkehrsträger. Wenn Ferlemann je einen für Luft- und Straßenverkehr zuständigen Kollegen im Ministerium hätte und diese mit ihm ins selbe Horn stießen, wäre schon viel gewonnen.

Über den Autor

In seiner Mobilitätskolumne "Schiene-Straße-Luft" vergleicht und kommentiert Verkehrsjournalist Thomas Rietig auf airliners.de die Luftverkehrswirtschaft mit anderen Verkehrsträgern

Thomas Rietig Thomas Rietig ist freier Journalist und Blogger in Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Verkehrspolitik mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nachrichtenjournalist bei der Associated Press. Er bloggt unter schienestrasseluft.de journalistisch und unter etwashausen.de satirisch. Kontakt: thomas.rietig@rsv-presse.de

Von: Thomas Rietig für airliners.de
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