Bahn will Luftverkehr mehr Konkurrenz zwischen Köln und Berlin machen

18.03.2019 - 14:22 0 Kommentare

Die Deutsche Bahn plant mit einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Fahrtzeit zwischen Berlin und Köln zu reduzieren. Damit will man den Konkurrenzdruck auf den Luftverkehr erhöhen.

ICE Züge an einem Bahnhof. - © © Deutsche Bahn AG - Uwe Miethe

ICE Züge an einem Bahnhof. © Deutsche Bahn AG /Uwe Miethe

Die Deutsche Bahn will auf einer ihrer am stärksten nachgefragten Strecken von Berlin Richtung Ruhrgebiet die Fahrtzeit reduzieren. Um innerhalb von vier Stunden von der Bundeshauptstadt nach Köln zu kommen, ist eine neue ICE-Trasse für Tempo 300 zwischen Hannover und Bielefeld in Planung, sagte der Bahn-Beauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU).

Mit der neuen ICE-Trasse, deren Bau in den nächsten Jahren in Angriff genommen werden soll, könnten mehr Fahrgäste für die Schiene gewonnen und weniger an den innerdeutschen Flugverkehr "abgegeben" werden, sagte Ferlemann. "Heraus kommt nachher ein Halbstundentakt, das ist doch ein Traum für die Gesamtregion." Bisher pendelt der ICE stündlich zwischen Köln und Berlin und benötigt rund vier Stunden und 40 Minuten.

Die Flugverbindung zwischen Köln und Berlin zählt zu den wichtigsten Routen im innerdeutschen Luftverkehr. Im kommenden Sommerflugplan belegt die Strecke nach angebotenen Sitzplätzen den siebten Platz und ist damit die wichtigste Verbindung, die keinen Drehkreuzanschluss bietet. Im Sommer haben Eurowings, Easyjet und Ryanair die Strecke im Programm.

Die zehn wichtigsten innerdeutschen Flugverbindungen nach Kapazität
Route Kapazitäten
Berlin-Frankfurt 1799098
Berlin-München 1674770
Hamburg-München 1436228
Düsseldorf-München 1431324
Frankfurt-Hamburg 1327568
Frankfurt-München 1186384
Berlin-Köln 1107234
Berlin-Düsseldorf 1035670
München-Köln 1018462
Berlin-Stuttgart 989626

Die Grafik zeigt die zehn innerdeutschen Routen mit der höchsten Kapazität im Sommerflugplan 2019.Quelle: ch-Aviation; Darstellung airliners.de

Als Vorbild nannte Ferlemann die Ende 2017 in Betrieb gegangene neue ICE-Trasse von Berlin nach München. Auf der rund zehn Milliarden Euro teuren Verbindung verdoppelte die Bahn im ersten Jahr nach eigenen Angaben die Zahl ihrer Fahrgäste. Die Fahrzeit sank dank der neuen Strecke von sechs auf vier Stunden - aber nur in den schnellsten Zügen, den sogenannten "Sprintern".

© Deutsche Bahn, Lesen Sie auch: Bahn sieht sich zwischen Berlin und München als Gewinner

Die Planungen für die neue Trasse zwischen Hannover und Bielefeld sollen nun in diesem Jahr so weit vorangetrieben werden, dass im kommenden Jahr bei einem Dialogforum mit Bürgern und Kommunen über eine Vorzugsvariante beraten werden könne, so Ferlemann. Bevorzugt werde eine Trassenführung entlang der Autobahn A2. Die Deutsche Bahn wollte sich zu den Planungen auf Nachfrage noch nicht äußern, auch die Verkehrsministerien in Düsseldorf und Hannover verwiesen auf die Planungshoheit des Bundes.

Von der Neubautrasse profitieren sollen auch die Züge zwischen Berlin und Amsterdam, die dann deutlich schneller fahren können. Die Niederländer hatten sich kürzlich in Berlin vehement für eine Beschleunigung stark gemacht. Bereits vor dem Bau der neuen ICE-Trasse soll der Wegfall kleinerer Halte in beiden Ländern geprüft werden, sagte der Bahnbeauftragte.

In der Region formiert sich Widerstand

"Wir müssen alle Varianten durchprüfen, die gangbar wären, um zu einer Vorzugsvariante zu kommen", erläutert Ferlemann. Deswegen werde ein Ausbau der bestehenden Strecke, der wahrscheinlich nicht ausreicht, ebenso geprüft wie ein Neubau entlang des Mittellandkanals, der ebenfalls vorgeschlagen wurde. "Favorit ist derzeit die Autobahnvariante."

In der Region, wo die neue Bahnstrecke verlaufen soll, formiert sich unterdessen Protest gegen die Pläne. Sieben Kommunen von Porta Westfalica bis Seelze haben sich zusammengeschlossen und in einer "Nenndorfer Erklärung" vor wenigen Wochen eine Neubaustrecke fernab der bestehenden Strecke abgelehnt, die die Natur zerschneide und Wohngebiete beeinträchtige.

Von: br mit dpa
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