Bahn will Flieger auf der Strecke Berlin-München überholen

28.07.2017 - 16:59 0 Kommentare

Mit der neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München will die Deutsche Bahn die Flugzeuge auf der Relation überholen. Das gilt auch für die Passagierzahlen. Lufthansa zweifelt, dass das gelingt.

Die Bahn hat für die Strecke zwischen Berlin und München große Ziele. - © © DB AG - Christian Gloel

Die Bahn hat für die Strecke zwischen Berlin und München große Ziele. © DB AG /Christian Gloel

Ab dem 10. Dezember sollen die ICE-Sprinter die Strecke Berlin-München in 3:55 Stunden schaffen. Wegen der Attraktivität der Reisezeit hofft die Bahn auf eine Verdoppelung des Anteils am Verkehrsaufkommen von derzeit 20 auf 40 Prozent. "Das ist auch eine Ansage an das Flugzeug", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) jetzt in Berlin.

In absoluten Zahlen heißt das: Die Fahrgastzahlen sollen nach Inbetriebnahme des zehn Milliarden Euro teuren Streckenneu- und -ausbaus von rund 1,8 Millionen auf 3,6 Millionen steigen. Damit würden mehr Bahn- als Flugpassagiere auf der Strecke zwischen Berlin und München verkehren.

Bis zu Tempo 300

Für Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bedeutet die Inbetriebnahme der Strecke nach 26 Jahren Planungs-, Prozess- und Bauzeit die Fertigstellung einer der "zentralen Achsen im europäischen Schienenfernverkehr". In der Neubaustrecke stecken vor allem zwischen Leipzig/Halle im Norden und Bamberg im Süden zahlreiche technische Innovationen.

Eine davon ist die elektronische Steuerung mit dem ETCS-System, das klassische Signale überflüssig macht, weil es direkten Einfluss auf die Züge ausübt. Auch die mit 8,6 Kilometern längste Eisenbahnbrücke Deutschlands liegt auf der Strecke. Weite Teilstrecken werden mit Tempo 300 befahren, was die Reisezeit von bisher sechs auf plus/minus vier Stunden verkürzt. Auch von den Unterwegsbahnhöfen wie Halle, Leipzig, Erfurt und Nürnberg reduzieren sich die Fahrzeiten teils erheblich.

Lufthansa sieht in Zügen keine Konkurrenz

Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber bezweifelte indes, dass die Züge seiner Gesellschaft Passagiere in nennenswertem Umfang abjagen können. "Es werden bei uns sogar mehr Passagiere werden", ist er mit Blick auf die Verlegung mehrerer A380-Flugzeuge von Frankfurt nach München zuversichtlich (die Maschinen werden ab München Langstrecken-Ziele bedienen). Der Zug sei "eigentlich keine Konkurrenz", sagte er.

Der Lufthansa kommt entgegen, dass der Münchner Flughafen keinen Fernbahnhof hat, sondern eine relativ langsame S-Bahnverbindung zum Hauptbahnhof. Sie frisst für Menschen, die mit dem Zug von Berlin zum Münchner Flughafen wollen, viele Minuten des Zeitvorteils der Fernstrecke wieder auf.

© Fotolia.com/airliners.de, iterum Lesen Sie auch: Kurzstreckenflüge auf die Bahn verlagern? Apropos (3)

Weber zufolge sind die meisten Menschen, die die bis zu 16 täglichen Flüge pro Richtung nutzen, Umsteiger auf Fernflüge. Zwar nennt die Lufthansa keine Passagierzahlen für einzelne Relationen, aber grob gerechnet dürften pro Jahr 1,2 Millionen zusammenkommen.

Addiert man noch die ebenfalls geschätzten 700.000 in den Air-Berlin-Fliegern, dürften die Bahnpassagierzahlen die der Fluggäste bald übersteigen. Sollte Weber recht behalten, müsste der Zuwachs im Wesentlichen von der A9 und der A73 kommen, was die Autofahrer freuen dürfte. Die brauchen trotzdem immer noch gut sechs Stunden für die 585 Kilometer - wenn sie sich beeilen.

Von: Thomas Rietig für airliners.de
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