S-Bahn-Anschluss soll "Gateway Gardens" neuen Schub bringen

05.04.2019 - 12:05 0 Kommentare

Gateway Gardens wurde 2004 als "Global Business Village" am Flughafen Frankfurt konzipiert. Nach jahrelangem Dornröschenschlaf kommt jetzt der Anschluss an die S-Bahn - und sorgt für Aufbruchstimmung.

So soll die neue S-Bahn-Station einmal aussehen. - © © Deutsche Bahn - Computeranimation

So soll die neue S-Bahn-Station einmal aussehen. © Deutsche Bahn /Computeranimation

Es ist eine der ungewöhnlichsten urbanen Zonen in ganz Deutschland: Eingezwängt zwischen Flughafenterminals und Autobahnkreuzen sowie dem Frankfurter Stadtwald ist im vergangenen Jahrzehnt Gateway Gardens entstanden.

Im Dezember erhält das Areal, wo einst US-Militärangehörige wohnten, einen rund 300 Millionen Euro teuren S-Bahn-Anschluss. "Das gibt uns einen großen Schwung", sagt Jörg Guderian, einer der Geschäftsführer der Gesellschaft, die die Stadt gemeinsam mit zwei großen Immobilien- und Projektentwicklern und dem Flughafenbetreiber Fraport betreibt.

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Das Projekt, eines der größten der Bahn im Rhein-Main-Gebiet, wird von der öffentlichen Hand stark gefördert. Denn Gateway Gardens, das bisher vom nahen Flughafen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar ist, soll endlich gut angebunden werden.

Frankfurt hat einen ganz neuen Stadtteil geschaffen, der als Herzstück sogar einen sieben Hektar großen Park hat. Doch spielende Kinder wird man dort nicht antreffen. Denn in Gateway Gardens wohnt niemand.

Das Ziel: 18.000 Arbeitsplätze bis 2026 und die "besten Köpfe"

Mit einer Mischung aus Hotels und Büros hat die Stadt die 35 Hektar in der lärmumtosten Zone von Beginn an als reines Gewerbegebiet angelegt - und seither als "Global Business Village" vermarktet.

In unmittelbarer Nähe von Deutschlands größtem Airport sollten dort die "besten Köpfe" der Welt zusammenkommen und neue Geschäftsideen entwickeln. Firmen sollten den Knotenpunkt zum vernetzten Arbeiten nutzen.

Ein Konzept, das von der Logistik recht einleuchtend klingt. Bis zum Jahr 2026 sollen dort einmal 18.000 Menschen arbeiten, so hofft man. Doch von diesem ehrgeizigen Ziel ist Gateway Gardens, 15 Jahre nach Gründung der Grundstücksgesellschaft noch ein ganzes Stück entfernt. Es gehen dort knapp 5000 Menschen ihrer Arbeit nach.

Bereits am 1. September steht ein weiter wichtiger Termin an: Dann wollen ein großer Supermarkt und eine Kita in Gateway Gardens eröffnen. Ein "Modehaus" und ein Fitness-Studio sind für die Beschäftigten ebenfalls geplant.

Von der Verbesserung der Infrastruktur erwartet Gateway Gardens auch Fortschritte bei der Vermarktung. Viele Interessenten hätten sich bislang abwartend verhalten, heißt es bei der Gesellschaft. Derzeit ist etwa die Hälfte des Geländes an Firmen und ein halbes Dutzend Hotels vermietet.

Größter Arbeitgeber ist der Caterer LSG Sky Chefs, noch im Besitz der Lufthansa. Auch die Bahn-Tochter Schenker, die Fluggesellschaft Condor und der Maschinenbauer Kion sind dort präsent. Siemens will sich dort ebenfalls ansiedeln.

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In Gateway Gardens sind außerdem vier weitere Hochhäuser mit einer Höhe zwischen 30 und 60 Metern als "Eingangstore" geplant. Eines steht schon dank einer Ausnahmegenehmigung. Denn wegen des Flughafens gibt es für Hochhäuser, die Radarwellen reflektieren können, besonders strenge Anforderungen. Es müssen dafür spezielle Gutachten angefertigt werden.

"Boardinghouse" im Gewerbegebiet

Einschränkungen gibt es auch für Hotels. Das in Frankfurt immer beliebtere "Boardinghouse", wo Businessleute aus aller Welt sich gerne zeitweise im Jahr in kleinen Apartments einquartieren, gibt es inzwischen auch dort. Doch in Gateway Gardens, das ja kein Wohngebiet ist, gibt es Grenzen für diese neue Hotel-Art. Dort darf jemand nur wenige Wochen im Jahr im "Boardinghouse" wohnen.

Alles Dinge, mit denen die Grundstücksgesellschaft sich auseinandersetzen muss. Dort gibt man sich aber für die Zukunft auch deshalb optimistisch, weil die Mieten in Gateway Gardens deutlich unter denen der Frankfurter City liegen. Bei 20 Euro liegt der Quadratmeterpreis für Firmen, wie Guderian sagt. In der Innenstadt kann es mehr als das Doppelte sein.

Der S-Bahnanschluss, der eigentlich schon früher eingeplant war, soll Gateway Gardens künftig in neun Minuten mit der Innenstadt verknüpfen. Wer die Groß-Baustelle derzeit sieht, fragt sich allerdings, ob die mit dem Fahrplanwechsel im Dezember geplante Eröffnung des Bahnhofs wirklich eingehalten werden kann. "Wir sind voll im Plan", versichert Bahnsprecher Thomas Bischoff jedoch standhaft.

Beschwerliche Wege für Fußgänger und Radfahrer

Aber auch danach gibt es für Gateway Gardens in Sachen Infrastruktur noch einiges zu tun. Vom Terminal 2 ist es für Fußgänger in den Stadtteil eigentlich nicht weit, doch der Weg ist bisher eher beschwerlich.

Und für Radfahrer kann der Weg vom Terminal 1 nach Gateway Gardens über die verkehrsreichen Flughafenzubringer-Straßen lebensgefährlich sein. "Dem wollen wir uns stellen", sagt Guderian zu diesen Problemen.

Immerhin will Gateway Gardens auf dem eigenen Gelände bei der Mobilität vorbildlich sein: E-Bikes und elektrische Fahrzeuge sollen selbstverständlich sein. Schnelllade-Stationen gibt es bereits.

Von: Thomas Maier, dpa
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