Avianca hofft auf Lufthansa-Partnerschaft

08.11.2018 - 07:33 0 Kommentare

Der Flughafen München bekommt dank Avianca wieder eine Südamerika-Verbindung. Die Airline strebt auch ein Joint-Venture mit Lufthansa an - doch die hält sich eher bedeckt.

Flugzeuge von Lufthansa und Avianca am Miami Airport. - © © AirTeamImages.com - Steven Marquez

Flugzeuge von Lufthansa und Avianca am Miami Airport. © AirTeamImages.com /Steven Marquez

Der Flughafen München bekommt wieder eine Verbindung nach Südamerika: Ab 17. November startet der Star-Alliance-Carrier Avianca fünfmal wöchentlich nach Bogotá. Die kolumbianische Hauptstadt steht damit erstmals im Münchner Flugplan.

Möglicherweise werden demnächst auch wieder Direktflüge nach Brasilien angeboten. Denn Latam hat für die erste Hälfte des kommenden Jahres eine Route nach Sao Paulo angekündigt. Damit würde der lateinamerikanische Carrier die Verbindung ersetzen, die Lufthansa vor zwei Jahren eingestellt hat.

Auch Latam hat München-Flüge angekündigt

Für die Latam-Flüge gibt es allerdings bisher noch keinen Flugplan. Der für den Sommer angekündigte Buchungsstart wurde mehrmals verschoben - ohne Angabe von Gründen. Auch am Flughafen kennt man bislang noch keine Details zu der Sao-Paulo-Verbindung, wie eine Sprecherin erklärte.

Für Avianca ist die neue Europa-Route die bislang sechste - und die erste neue seit über vier Jahren. 2014 nahm die Airline eine Verbindung nach London auf, doch seither hat sie auch die bestehenden Routen nach Madrid und Barcelona mehrmals aufgestockt. Sie bietet künftig insgesamt 48 Flüge pro Woche nach Europa an - vor fünf Jahren waren es nur 23.

Codeshare-Partner der Lufthansa seit 2011

Bei der neuen Deutschland-Route nahm Avianca zunächst auch Frankfurt als Abflughafen in die engere Wahl, wie das "Centre for Aviation" berichtete. Doch dort startet Lufthansa bereits täglich nach Bogotá - so fiel die Wahl schließlich auf München.

Die Airline

Avianca feiert 2019 ihr 100-jähriges Jubiläum und ist damit laut Unternehmensangaben nach KLM die älteste noch bestehende Fluggesellschaft der Welt. Ihren heutigen Namen trägt sie seit 1940. 2010 fusionierte Avianca mit der Airline Taca aus El Salvador zu einer Holding. Avianca hat Tochtergesellschaften in Argentinien, Costa Rica, Ecuador, Honduras, Guatemala und Peru. Mehrheitseigentümer der seit 2013 börsennotierten Avianca Holdings S.A ist mit 51,5 Prozent der Mischkonzern Synergy. Die Avianca-Airlines betreiben aktuell laut Unternehmensangaben 189 Flugzeuge. Avianca Brasil mit ihren 52 Maschinen gehört nicht zur Holding, sondern ist eine direkte Synergy-Tochter.

Flugzeuge der Avianca. Foto: © Avianca

Avianca ist Mitglied der Star Alliance und bereits seit 2011 Codeshare-Partner der Lufthansa. So sind die Bogotá-Flüge von Lufthansa ab Frankfurt und die der Avianca ab London beim jeweils anderen Carrier buchbar. Zudem sind bei Avianca Kranich-Anschlüsse nach Barcelona, London und Madrid im Angebot, bei Lufthansa wiederum Anschlüsse von Bogotá zu sechs Zielen.

Avianca will engere Zusammenarbeit

Für die neue München-Route gibt es allerdings bisher noch keine Codesharing. "Wir haben Lufthansa-Zubringer von zwölf deutschen Flughäfen nach München, die mit Durchgangstarifen buchbar sind", erklärt Thomas Schillinger, Sales Manager der Avianca beim deutschen Repräsentanten Aviareps.

Geht es nach Avianca, könnte die Zusammenarbeit aber noch deutlich ausgeweitet werden. Airline-Chef Hernan Rincon ist mit Lufthansa in Gesprächen über eine Joint-Venture, sagte er dem Portal "Flight Global". Ein solches Gemeinschaftsunternehmen verhandeln die Kolumbianer seit dem vergangenen Jahr auch mit United Airlines.

Lufthansa hat bisher Joint-Ventures für Flüge über den Nordatlantik, nach China, Japan und Singapur gegründet. Mit Avianca spreche man über eine "geeignete Partnerschaft", erklärt ein Lufthansa-Sprecher gegenüber airliners.de, "wie beispielsweise Interline Agreements, Frequent Flyer-Kooperationen oder die Einführung von Codeshares". Auch bei Avianca räumt man ein, dass es bisher nur "erste einschlägige Gespräche" mit der Kranich-Airline gegeben habe.

Weitere Europa-Routen in Planung

Die kolumbianische Airline will das internationale Streckennetz noch weiter ausbauen - auch in Europa, wie eine Sprecherin unserer Redaktion sagte. "Unsere Expansionspläne umfassen Ziele, die bisher nicht an Bogotá angebunden sind, zum Beispiel Zürich oder Rom sind heiße Favoriten." Mehr zum Ausbau werde man in den kommenden Monaten verkünden.

Dabei gehen die gestiegenen Ölpreise an Avianca nicht spurlos vorbei - gerade im Langstreckengeschäft. Trotz Sicherungsgeschäften musste die Airline bereits im zweiten Quartal 27 Prozent mehr für ihr Kerosin bezahlen als ein Jahr zuvor. Doch bislang sei es gelungen, den Anstieg durch höhere Ticket-Preise auszugleichen, so die Sprecherin. Bei einer anhaltenden Verteuerung des Kerosins würden die Zuschläge weiter angepasst.

Flugkapazitäten nach Südamerika ab Deutschland ...
Flugsitze Richtung Südamerika
Lufthansa 197491
Latam 56092
Avianca 24000
Condor 13986
... und ab Europa
Flugsitze Richtung Südamerika
Iberia 550286
Latam 460172
Air France 433042
TAP Air Portugal 431081
KLM 347446
Air Europa 337797
Avianca 256250
Alitalia 337797
Lufthansa 197491
Übrige 659434

Die Grafiken zeigen die Zahl der Flugsitze Richtung Südamerika im Winterflugplan 2018/19. Quelle: ch-Aviation

Vertriebs-Team ausgebaut

In Deutschland war die Avianca war bisher nur "offline" vertreten, verkauft wurden die Langstrecken ab Madrid, Barcelona und London mit entsprechenden Zubringern. Nun hat das Verkaufsteam bei Aviareps Verstärkung bekommen und umfasst insgesamt vier Personen. Lag der Schwerpunkt bisher auf der touristischen Vermarktung, so will man sich nun auch mehr um Geschäftsreisende bemühen. "Das Corporate-Geschäft werden wir jetzt viel stärker angehen", berichtet Schilliger.

Avianca bietet neben den Flügen nach Kolumbien über das Drehkreuz Bogotá auch zahlreiche Umsteigeverbindungen in die Nachbarländer. "Unsere Stärken liegen im nördlichen Südamerika und in Zentralamerika", so Schillinger. Besonders gefragt seien in Deutschland die Flüge nach Peru und Ecuador.

Boeing 787 auf der Langstrecke, Neos auf der Mittelstrecke

Sämtliche Europa-Flüge werden mit Maschinen vom Typ Boeing 787-8 geflogen. Die "Dreamliner" sollen künftig die gesamte Langstreckenflotte ausmachen. 13 sind bisher in Betreib, drei Jets der größeren Variante 787-9 kommen 2019 noch hinzu. Die A330, die jetzt noch auf Mittelstrecken unterwegs sind, sollen dagegen durch Neuzugänge der A320-Neo-Familie ersetzt werden.

Insgesamt stehen zwischen 2019 und 2025 noch 137 Festbestellungen der A320-Neo-Familie zur Auslieferung an. Avianca will allerdings aus Kostengründen die Einflottung von bis zu 50 neuen Flugzeuge aufschieben, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Unterm Strich soll die Flotte bis 2021 auf 201 Flugzeuge wachsen, also um zwölf Maschinen.

Economy-Class-Sitze in einer Boeing 787 der Avianca. Foto: © Avianca

Im Unterschied zu vielen anderen Lateinamerika-Carriern bietet Avianca lediglich zwei Klassen an Bord - eine Premium Economy Class gibt es nicht. Dafür wirbt Schillinger mit dem Inklusiv-Service der Airline: "Bei Avianca sind in jedem Langstreckentarif zweimal 23 Kilo Gepäck und Verpflegung auf allen Flügen enthalten."

Von: pra
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