Über die Freiheit, auszuwählen

23.11.2015 - 17:07 0 Kommentare

Wer mit dem Billigflieger reist, muss für seine Auswahl an Speisen und Getränke bezahlen. Umgekehrt betrachtet könnte man auch sagen: Hier hat man wenigstens eine Auswahl. Ein Gedankenflug von airliners.de-Chefredakteur David Haße.

Die Bordmenüs verschiedener Billigflieger lassen keine Wünsche offen. - © © airliners.de -

Die Bordmenüs verschiedener Billigflieger lassen keine Wünsche offen. © airliners.de

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Sie kennen das: Kurz nach dem Abheben hetzen sich die Flugbegleiter durch die Reihen: Kaffee, ein Tomatensaft? Süßer oder salziger Snack? Zack, der nächste. Jeder hat genau eine Chance auf Bedienung, beim nächsten Rundgang wird der Müll eingesammelt, Landung und raus. Wer keine Chips der Sorte Sea-Salt-Vinegar mag oder Marzipan, hat heute eben Pech gehabt.

Dennoch scheint diese Art der Verköstigung auf Kurzstrecken für viele Reisende die einzig wahre Art des Fluggastservices zu sein - mehr noch: so und nur so wird das von vielen in der Luftfahrt als die Krönung in der Economy-Class wahrgenommen. Dabei ist das Massenabfertigung: Stellen Sie sich dasselbe Prozedere in einem Restaurant vor: Warten und nehmen, was kommt, würde hier niemals als Premium durchgehen. Es wäre ein All-inclusive-Angebot der billigsten Sorte.

Nun saß ich neulich auf einem Flug einer Airline der billigsten Sorte. Ich kam mal wieder auf den letzten Drücker zum Gate und hatte es um halb fünf Uhr morgens auch zu Hause nicht geschafft, mir ein Frühstück zu gönnen. Im Flieger sah ich nun eine Flugbegleiterin mit einem nett präsentierten Frühstücksmenü durch die Gänge laufen. Interessanterweise kostete es hier an Bord nicht unbedingt mehr als am Boden und so beschloss ich, meine Zeit im Flugzeug mit einem warmen Schinken-Käse-Croissant, ein paar Keksen und einem Cappuccino zu verbringen.

Der Service war nett und fix, das Croissant passabel und ich freute mich. Mein Sitznachbar döste vor sich hin und vor mich machte jemand eine Bierdose auf. Weil der Kaffee nicht wirklich stark war bestellte ich kurzerhand - entgegen jeglicher Geschmackskonventionen und einfach weil es möglich war - knapp vor der Landung noch einen Energydrink. Da keimte ein Gedanken auf: Sollte der Billigflieger vielleicht wirklich den besseren Service bieten?

Meine Frage wurde dann ein paar Tage später ausgerechnet von der Bahn beantwortet: Hier gibt es zwar in der "Holzklasse" keine Massenabfertigung. Aber wer wie ich gerne auch mal erster Klasse reist, kann bei der Zugbegleitung käuflich Speisen und Getränke erwerben. Für die Businessclass-Passagiere im Bahnverkehr sieht echter Premiumservice also wie das Angebot im Billigflieger aus.

© AirTeamImages.com, Wolfgang MendorfZur Inspirationsquelle: "Lowcost auf der Langstrecke gab es in Deutschland schon vor 30 Jahren"

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 wagte er mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de den Schritt in die Selbständigkeit. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: David Haße
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