Austrian-Chef will Kollektivvertrag nachbessern

24.07.2017 - 10:06 0 Kommentare

Die Flugbegleiter der Austrian Airlines wollen mehr Geld. Airline-Chef Kay Kratky will bei den Verhandlungen den Kollektivvertrag zur Sprache bringen. Zudem stockt die Lufthansa-Tochter bei ihren Piloten auf.

Kay Kratky. - © © Austrian Airlines -

Kay Kratky. © Austrian Airlines

Austrian-Airlines-Chef Kay Kratky will im Zuge neuer Lohnverhandlungen des Kabinenpersonals den Kollektivvertrag der Airline auf den Prüfstand stellen. Dies sagte der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa-Tochter nun im Interview mit dem österreichischen "Standard". Der Tarifvertrag sei "nicht ganz so schlank wie immer beschrieben".

Die Flugbegleiter von Austrian Airlines hatten jüngst angekündigt, eine Lohnerhöhung fordern zu wollen - eine genaue Summe ist nicht bekannt. "Ich würde mich (…) sehr freuen, wenn die Ergebnislage so wäre, dass wir den Mitarbeitern sogar eine Gewinnbeteiligung auszahlen könnten, wie im Kollektivvertrag vorgesehen", so Kratky nun. "Der Kollektivvertrag hat noch zu viele Restanten aus der traditionsreichen Zeit. Da müssen wir ran."

"Das ist nicht mehr haltbar"

Kratky will neun bei neuen Gesprächenauch konkret den geltenden Kollektivvertrag zur Sprache bringen: "Wir werden über den Spielraum reden, den wir über Gehaltssteigerungen abbilden könnten, und wir werden über den notwendigen Rahmen reden, der über Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen die Balance halten lässt", so Kratky. "Die Gespräche sind für den Herbst terminiert."

Kratky nennt auch konkrete Punkte, an denen er ansetzen möchte: "Wir dürfen nur eine bestimmte Anzahl von Bereitschaftsdiensten für die fliegenden Mitarbeiter pro Jahr verplanen. Wenn der betroffene Mitarbeiter seine 30 Tage schon im ersten Halbjahr aufgebraucht hat, kann ich ihn im kommenden Halbjahr nicht mehr als Reserve verplanen. Ich muss dann praktisch unnötig Freizeit geben. Das ist nicht mehr haltbar."

Neue Boeing 777 im kommenden Jahr

Im kommenden Jahr bekommt Austrian ein neues Langstreckenflugzeug. Für die sechste Boeing 777 werde auch neues Personal gebraucht. "Ein Langstreckenflugzeug in der Größenordnung bindet etwa 150 direkte Arbeitsplätze, Cockpitcrew, Kabinencrew, teilweise Mechaniker, teilweise Administrationspersonal. Bei den Piloten sind wir schon im Aufschulungsszenario."

© dpa, Fredrik Von Erichsen Lesen Sie auch: Lufthansa Group startet neue Flugschule

Unverständnis für Easyjet-Euphorie

Dass Easyjet mit ihrer neuen EU-Tochter nach Österreich kommt, sieht Kratky nicht als Gewinn für Austrian Airlines: "Der Kanzler ist stolz, der Flughafen feiert sich. Ich verstehe die Euphorie darüber nicht, dass man in dem kleinen Land Österreich mit der ebenso kleinen Luftverkehrswirtschaft perspektivisch in die Richtung arbeitet, den Wettbewerb zu forcieren."

Gleichzeitig betont Kratky noch einmal, dass der bisherige Marktanteil, den Austrian Airlines in Österreich hat, nicht ausreiche für einen Hubcarrier, der eine "Mobilitätsfunktion und volkswirtschaftlich eine Funktion" habe: "Um vernünftige Strukturen für diese Mobilitätsdienstleistung zu bekommen, braucht man deutlich über 50 Prozent."

Angebotene Kapazitäten ab österreichischen Flughäfen
Angaben in Prozent
Austrian Airlines 49.6
Eurowings
(inklusive Germanwings)
10.3
Air Berlin
(inklusive Niki)
6.9
Lufthansa 4.3
Easyjet 2.4
Turkish Airlines 2.2
Weitere
Airlines
24.3

Die Grafik zeigt die von den Airlines angebotenen Sitzplatzkapazitäten ab österreichischen Flughäfen in der aktuellen Juli-Woche. Der Anteil der restlichen Fluggesellschaften beträgt jeweils weniger als zwei Prozent. Quelle: CH Aviation, Stand: 24. Juli 2017

Vorsichtiger Optimismus

Wirtschaftlich sieht Kratky Austrian auf einem guten Weg. "Die ersten zwei, drei Monate waren extrem herausfordernd. Das zweite Quartal hat sich enorm stabilisiert. Der Sommer übertrifft unsere Erwartungen. Es läuft sehr gut." Anfang August präsentiert Austrian Halbjahreszahlen.

"Aus der Sanierungsphase sind wir definitiv raus. Wenn Entwicklung im zweiten Quartal und Vorausschau im Sommer so bleiben, bin ich sehr zuversichtlich, dass das Ergebnis besser wird, als wir im ersten Quartal angenommen hatten."

Von: cs
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