Ausbau von Flughäfen: ADV will Bürger stärker einbeziehen

05.11.2014 - 13:33 0 Kommentare

Immer wieder klagen und protestieren Bürger gegen geplante Flughafen-Projekte. Der Flughafenverband ADV will diese Konflikte entschärfen und setzt dabei auf neue Leitlinien, die über die gesetzlich vorgeschriebenen Schritte hinausgehen.

Die dritte Piste in München (Illustration) - © © Flughafen München -

Die dritte Piste in München (Illustration) © Flughafen München

Eine Arbeitsgruppe des Flughafenverbandes ADV hat Leitlinien für eine gute Bürgerbeteiligung bei Ausbauvorhaben an den deutschen Flughäfen entwickelt. In der Arbeitsgruppe waren Fachexperten deutscher Airports sowie des österreichischen Flughafens Wien-Schwechat vertreten. Die Leitlinien für eine gute Bürgerbeteiligung wurden heute in Berlin vorgestellt.

Früher informieren als vorgeschrieben

So sollen Öffentlichkeit und Betroffene schon informiert werden, sobald die Idee eines Ausbaus aufkommt. Das gilt auch für das Scoping - also wenn die Spielräume eines Projekts geklärt werden. Auch Dialogforen oder Nachbarschaftsbeiräte sollen zu diesem Zeitpunkt gegründet werden. Gesetzlich vorgeschrieben ist das alles nicht.

Beim nächsten Schritt, der Planfeststellung, fordert das Gesetz eine öffentliche Auslegung der Pläne sowie einen Eröterungstermin. Laut den neuen ADV-Richtlinien können sich Bürger darüber hinaus zum Beispiel bei der Suche nach einem Gutachter beteiligen. Außerdem sollen die Anwohner die Möglichkeit bekommen, ihre Ängste und Erwartungen zu äußern. Auch nach der Fertigstellung des Ausbaus wollen die Flughäfen den Dialog weiterführen.

ADV appelliert an Verantwortung der Kommunen

Gleichzeitig appellierte die ADV an die Verantwortung der Kommunen in Flughafennähe. Durch den Umzug von Menschen in Lärmschutzbereiche erhöhe sich die Anzahl der Betroffenen, hieß es. Die Kommunen müssten dafür sorgen, dass so etwas nicht passiere.

Mit den Leitlinien wollen die Flughäfen Konflikten mit Anwohnern vorbeugen und die Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Klagen verhindern wird das aber wohl nicht. "Das ist auch nicht das Ziel", sagt Athanasios Titonis, Flughafenchef Köln/Bonn und Leiter der Arbeitsgruppe, die die Linien entwickelt hat. "Die extremen Meinungen einzelner Bürger können wir nicht mitnehmen. Wir wollen zu diesen Positionen ein Gegengewicht aufbauen".

"Die extremen Meinungen einzelner Bürger können wir nicht mitnehmen."

Athanasios Titonis

Ziel der Flughäfen ist es vielmehr, durch aktive Bürgerbeteiligung Vertrauen und Akzeptanz bei möglichst vielen Menschen zu schaffen. Gelungen ist das zum Beispiel mit einemPortal zum Thema Fluglärm, auf dem sich User informieren können. Und beispielsweise die Menschen im Raum Köln/Bonn können auf einer Internet-Karte nachvollziehen, wo und wie laut die Flugzeuge über sie hinwegfliegen. Die Karte soll zeigen, wie laut die Flugzeuge wirklich sind. In Deutschland lassen sich solche Daten bereits unter anderem von Frankfurt, Berlin-Tegel und Schönefeld sowie Hannover im Internet anzeigen. Und in Bremen informiert eine Flughafen-Ausstellung die Bürger im Rahmen des Schallschutzprogammes "Calmar".

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In München wurden wegen der dritten Startbahn spezielle Gremien eingerichtet, in denen Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Bürgerinitiativen sitzen. Außerdem gibt es sozusagen einen "Außenminister" am Flughafen: Ein unabhängiger Ansprechpartner fungiert als Kontaktperson für alle Betroffenen.

Wichtig sei vor allem Transparenz und ein seriöser Dialog, sagte Michael Kerkloh, Münchens Flughafenchef und ADV-Präsident bei der Vorstellung der Richtlinien. "Wenn einer sagt: 'Ich will diese Starbahn nicht' - das können wir nicht erfüllen."

Von: airliners.de
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