Zusammenlegung mit Lufthansa-Geschäft

Aus für Marke «Germanwings»?

26.04.2012 - 14:15 0 Kommentare

Die Lowfare-Marke des «Germanwings» könnte vom Himmel verschwinden. Die Flugzeuge würden ab 2013 mit dem Lufthansa-Kranich auf dem Leitwerk fliegen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Lufthansa und Germanwings dementierten die Meldung.

Flugzeuge der Germanwings stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Köln/Bonn hinter einem Logo der Lufthansa. - © © dpa - Oliver Berg

Flugzeuge der Germanwings stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Köln/Bonn hinter einem Logo der Lufthansa. © dpa /Oliver Berg

Die Lufthansa hat einen Bericht über das angebliche Ende der Marke Germanwings dementiert. Es gebe dazu keinerlei Planungen oder Beschlüsse, erklärte ein Sprecher am Donnerstag in Frankfurt. Vielmehr seien die Aufgaben in den dezentralen Verkehren gerade neu geordnet und Germanwings an einigen Standorten sogar gestärkt worden. Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, die Maschinen des Billig-Ablegers würden künftig womöglich nur noch im Auftrag des Konzerns und mit dem Lufthansa-Logo weiterfliegen.

Vergangene Woche hatte Lufthansa-Passage-Chef Carsten Spohr in einem Brief an die Mitarbeiter angekündigt, dass Germanwings in weiten Teilen mit dem Lufthansa-Geschäft zusammengelegt werden soll. Unter welcher Marke dies geschieht, ließ er aber offen. Die geplante Zusammenlegung betrifft das dezentrale Europageschäft der Lufthansa. Das sind alle innereuropäischen Flüge, die nicht die Drehkreuze München und Frankfurt berühren. Der "SZ" zufolge soll dieser Zusammenschluss Anfang kommenden Jahres umgesetzt sein. Für eine Zusammenführung unter dem Dach der Lufthansa spreche, dass die Hauptmarke des Konzerns sonst an vielen Flughäfen nicht mehr vertreten wäre.

Die Lufthansa schreibt im Europaverkehr seit Jahren rote Zahlen. Konzernchef Christoph Franz will dies ändern: Im Jahr 2013 soll die Gewinnschwelle erreicht sein. Bereits seit Jahren steht der Vorschlag im Raum, die dezentralen Flüge ganz an Germanwings abzugeben. Inzwischen hat die einstige Billigfluggesellschaft von der Lufthansa das Vielfliegerprogramm und Firmenverträge übernommen, die Piloten haben annähernd den gleichen Tarifvertrag. Laut "SZ" sind die Kosten des Billigfliegers unter dem Strich dadurch sogar gestiegen. Im vergangenen Jahr verbuchte die Lufthansa-Tochter einen operativen Verlust von 52 Millionen Euro.

Mit einer Flotte von 30 Maschinen ist Germanwings weitaus kleiner als die Konkurrenten Ryanair und Easyjet, die seit Jahren den deutschen Markt aufmischen. Durch eine Zusammenlegung mit der Lufthansa könnte die gemeinsame Flotte laut "SZ" auf 80 Maschinen wachsen.

Die Sparziele einer fusionierten Gesellschaft sind ambitioniert. Die Stückkosten der Lufthansa liegen im europäischen Direktverkehr nach Informationen aus Branchenkreisen laut "SZ" bei etwa zehn Cent pro angebotenem Sitzkilometer und sollen auf etwa acht Cent sinken. Ryanair kommt auf etwa 5,5 Cent, Easyjet auf sechs Cent. Germanwings liegt dem Bericht zufolge bei etwa sieben Cent.

Offen ist auch, wie die vielen zum Lufthansa-Verbund gehörenden Fluggesellschaften besser in den Gesamtkonzern integriert werden sollen. Die aktuelle Struktur ist im Konzernvorstand fest verankert: Stefan Lauer ist dort für Austrian Airlines (AUA), Swiss und Brussels Airlines zuständig, während Spohr die Marke Lufthansa kontrolliert.

'Eigentlich kann man das nicht zwischen zwei Vorständen aufteilen', sagte ein Insider der Zeitung. Dies würde bedeuten, dass Personalvorstand Lauer einen großen Teil seiner Zuständigkeiten abgeben müsste. Zuletzt hatte Lauer Erfolge zu vermelden: Die chronisch defizitäre AUA, deren Aufsichtsrat er führt, setzte nach monatelangen Diskussionen am Dienstagabend beim Betriebsrat deutliche Abstriche bei den Gehältern von Piloten und Flugbegleitern durch.

Die engere Einbindung der Germanwings in den Lufthansa-Konzern zeichnete sich bereits im Sommer 2010 ab, als kombinierte Lufthansa/Germanwings-Tarife sowie die Teilnahme der Germanwings am Vielfliegerprogramm „Miles & More“ angekündigt wurden. Im darauffolgenden Jahr folgte ein Interlining. Zudem hat Germanwings die Flotte mit zwei Sitzkategorien ausgerüstet. Im November 2011 folgte dann die gegenseitige Vermarktung im Direktvertrieb über die Webseiten. Zusätzlich sollten zu bereits bestehenden Germanwings-Tarifen im Lufthansa-Firmenkundenvertrieb auch die touristischen Vertriebskanäle verknüpft werden. Seit Februar übernimmt Germinwings zunehmend die Europa- und Deutschlandstrecken der Lufthansa abseits der großen Drehkreuze.

Von: dpa-AFX
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