Am BER soll billiger gebaut werden

23.05.2017 - 12:58 0 Kommentare

Der BER ist nicht fertig, aber schon zu klein. Daher wird jetzt der Ausbau geplant - jedoch für weniger Geld. Flughafenchef Lütke Daldrup muss derweil zu Beraterverträgen Stellung beziehen.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup. - © © dpa - Gregor Fischer

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup. © dpa /Gregor Fischer

Beim weiteren Ausbau des neuen Hauptstadtflughafens wollen die Verantwortlichen stärker auf die Kosten achten. Das geplante zusätzliche Abfertigungsgebäude neben dem Hauptterminal wird nun mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt und würde damit nur halb so teuer wie bislang geplant, wie Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup nach einer Aufsichtsratssitzung ankündigte.

Der Bau mit dem Kürzel T1-E für sechs Millionen Passagiere im Jahr soll Anfang 2020 fertig sein, ein Jahr früher als zuletzt geplant. Der frühere Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hatte den Bau schon als "Low-cost-Terminal" konzipiert. Einsparungen soll nun Modulbauweise in Industriebaustandard ohne Totalunternehmer bringen.

Operativer Gewinn 2016

Die Berliner Flughäfen haben eine erste Wirtschaftskennzahl für das vergangene Jahr präsentiert. Demnach stieg das operative Ergebnis um 28 Prozent an auf 109 Millionen Euro an. Allerdings wird mit dem EBITDA nur der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen angegeben. Unter dem Strich fuhr die Flughafengesellschaft 2016 einen Verlust von 102 Millionen Euro ein. 2015 hatten die Belastungen durch die BER-Baustelle für ein Minus von 138 Millionen Euro gesorgt.

Auch der spätere Ausbau des Flughafens nach 2025 soll demnach preisgünstig und zudem aus Eigenmitteln des Unternehmens erfolgen. Ein Masterplan dafür soll bei der Aufsichtsratssitzung am 7. Juli besprochen werden. Lütke Daldrup sagte mit Blick auf das Hauptterminal:

Wir werden keine hochkomplexen Gebäude mehr konzipieren, die einen so hohen Standard haben, dass man sie am Ende nicht beherrschen kann.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup

"Keine gewaltigen Fortschritte" auf der Baustelle

Es kann nach zahlreichen Umplanungen, Technikproblemen und Baumängeln seit über fünf Jahren nicht in Betrieb gehen. Die Kosten wuchsen seit Baubeginn 2006 von zwei auf 6,5 Milliarden Euro. Einen Eröffnungstermin will Lütke Daldrup im Sommer nennen. Erklärtes Ziel ist ein Start 2018. Sicher ist das aber noch nicht. Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider bekannte, dass in der Sitzung "keine gewaltigen Fortschritte" auf der Baustelle zu verzeichnen waren.

Kritik an einem Beratungsvertrag für den früheren SPD-Sprecher Lars Kühn wies Lütke Daldrup zurück. Kühn soll den Ex-SPD-Staatssekretär sechs Tage im Monat bei der strategischen Kommunikation beraten. Der Tagessatz liegt laut "Bild am Sonntag" bei 2000 Euro. Das Parteibuch sei nicht entscheidend, das Honorar marktüblich, sagte Lütke Daldrup.

© dpa, Britta Pedersen Lesen Sie auch: Pläne für BER-Ausbau nach der Eröffnung laufen

Er gab zudem bekannt, dass für die operative Kommunikationsberatung einen Vertrag mit der Agentur MSL gebe. Deren Geschäftsführer Axel Wallrabenstein gilt als CDU-nah. Die Flughafengesellschaft habe ein Jahresbudget von 200.000 Euro für externe Kommunikationsberatung.

Von: cs, dpa
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