Interview

"Wachstum wird in Stuttgart immer schwieriger"

06.12.2018 - 07:14 0 Kommentare

Die Zwölf-Millionen-Marke verpasst der Airport Stuttgart in diesem Jahr knapp. Flughafenchefin Arina Freitag erklärt im Interview mit airliners.de, warum das Erreichen des Ziels auch für 2019 kein Selbstläufer ist und mit welchen Airlines das zu schaffen wäre.

Arina Freitag:

Arina Freitag: "Wizz Air hätten wir auch gern." © dpa /Sebastian Gollnow

Der Flughafen Stuttgart verzeichnet in diesem Jahr einen neuen Passagierrekord. Gleichzeitig will der Airport 2018 finanziell nach zwei Verlustjahren wieder in die schwarzen Zahlen zurück. Das Ergebnis werde im niedrigen zweistelligen Bereich liegen, kündigte Airport-Chefin Arina Freitag nun an. Im Interview mit airliners.de beschreibt sie, warum sich das Wachstum im kommenden Jahr vorrausichtlich abschwächen wird und welche Airline noch am Platz fehlt.

airliners.de: Frau Freitag, 25 Tage hat das Jahr 2018 noch, ziehen wir schon mal Bilanz: Wie lief das Jahr am Flughafen Stuttgart?
Arina Freitag:
Das Wachstum war bei uns am Flughafen wirklich überraschend stark - inklusive eines Passagierrekords: Wir sind schon jetzt bei über elf Millionen Fluggästen. Da soll in den nächsten drei Wochen bis zum Jahresende noch ein bisschen was draufkommen. Unter das Jahr wollen wir die 11,7 Millionen schreiben, sodass jetzt die Zwölf-Millionen-Marke in Reichweite ist.

... und die wird dann 2019 gerissen?
Das ist das Ziel. Ich denke, wir schaffen das auch.

11,7 Millionen Passagiere in diesem Jahr heißt plus sieben Prozent - wenn Sie für 2019 die zwölf Millionen im Blick haben, ist das Wachstum nur noch gut 2,5 Prozent stark. Mehr als halbiert ...
Stimmt, wir gehen mit einer moderaten Prognose ins Jahr. Auch, weil die Schippe oben drauf, auf diesem Niveau schwer zu erreichen ist. Angesichts der konjunkturellen Abschwächung, glauben wir, dass es unwahrscheinlich ist, wieder die sieben Prozent zu erreichen.

Zur Interviewpartnerin

Die Managerin: Arina Freitag leitet seit September 2017 den Flughafen Stuttgart. Zuvor war sie Leiterin der Marktplanung und des Vertriebs bei der Deutschen Bahn. Von 2006 bis 2011 verantwortete sie beim Flughafenbetreiber Fraport das Controlling und den Bereich Flughafenentgelte sowie Preisstrategie. Außerdem war sie Vorsitzende der Arbeitsgruppe Infrastruktur beim BDL (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft).

Der Airport: Mit zuletzt rund 10,96 Millionen Passagieren (ADV-Angabe für 2017) ist der Flughafen Stuttgart ist der neuntgrößte internationale Verkehrsflughafen Deutschlands. Von dort fliegen knapp 40 Airlines zu fast 130 Zielen in über 30 Ländern.

Airlines in Stuttgart
Angaben in Prozent
Eurowings 43.7
Easyjet 7.6
Lufthansa 6.1
Turkish
Airlines
4.5
Tuifly 3.2
Austrian
Airlines
3.0
Übrige
Airlines
31.9

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der vom Flughafen Stuttgart im laufenden Winterflugplan angebotenen Sitzplatzkapazitäten. "Übrige Airlines" sind jene mit jeweils weniger als drei Prozent Anteil. Angaben gerundet.Quelle: ch-Aviation

Wobei Ihre Hauptkundinnen Eurowings und Lufthansa 2019 auch in Stuttgart weiterwachsen wollen ...
Eurowings hat aktuell 17 Maschinen am Airport stationiert und ist in diesem Jahr um 20 Prozent gewachsen. Da macht die Arbeit richtig Spaß. Da müssen wir genau schauen, was im Sommer geflogen wird. Aber die Situation bei unserem größten Kunden Eurowings war in diesem Jahr auch eine besondere - da kann man jetzt nicht vom selben Wachstum in 2019 ausgehen.

Eine andere Kundin ist Condor, die im kommenden Jahr Stuttgart den Rücken zukehrt. Macht Ihnen das Sorgen?
Im Gegenteil: ich würde nicht sagen, dass uns Condor Sorgen macht. Die Airline ist ein starker Partner für uns und wird auch im kommenden Jahr mit drei Maschinen in Stuttgart stationiert sein.

Und das reicht dem Flughafen dann?
Natürlich nicht. Mir ist grundsätzlich jede Airline willkommen. Ich würde mich freuen, wenn Germania ihr Engagement in Stuttgart ausbaut. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich andere Airlines bei uns engagieren - auch im Low-Cost-Bereich. Da sehe ich eine Wizz Air mit einem guten Produkt. Die hätten wir hier auch gern.

Und ebenfalls gern hätten Sie mehr Langstrecken ab Stuttgart?
Das stimmt! Aber ich sehe, dass es da noch Probleme auf politischer Seite gibt. Wir sind da in intensiven Gesprächen mit der Bundespolitik. Wir weisen immer wieder daraufhin, dass wir vor allem in die Arabischen Emirate noch viel Potenzial sehen. Airlines wie Emirates würden sofort nach Stuttgart fliegen, wenn sie dürften.

Dass es ein zähes Geschäft ist, nehmen Sie auch als Fazit fürs Jahr mit, das gleichzeitig auch Ihr erstes volles als Flughafenchefin ist?
Es ist ja nicht so, dass ich die Luftfahrt vorher nicht kannte. Vor meinen Jahren bei der Deutschen Bahn war ich bei Fraport. Ich wusste also sehr gut, was auf mich zukommt. Und trotzdem war 2018 ziemlich spannend und sehr dynamisch. Denn wir haben ein hohes Wachstumsziel geplant und bei so etwas muss man immer alle Mitarbeiter mitnehmen. Hinzu kamen die Ausfälle und Verspätungen im Sommer, die natürlich auch vor unserem Flughafen keinen Halt gemacht haben. Da mussten wir die Mitarbeiter der Airlines und auch unsere eigenen und natürlich die Fluggäste an die Hand nehmen und durch nicht ganz so schöne Zeiten begleiten. Da stellt auch meine Mitarbeiter Immer wieder vor Herausforderungen - aber diese meistern sie sehr gut.

Frau Freitag, vielen Dank für das Gespräch.

Von: cs
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