Die Born-Ansage (59) ( Gastautor werden )

Der unfertige BER als Erfolgsfaktor

11.05.2017 - 11:15 0 Kommentare

Der BER ist einem Gutachter zufolge schlecht angebunden. Gut so, findet Kolumnist Karl Born. Denn was nützt eine gute Anbindung, wenn der neue Hauptstadtflughafen noch nicht mal eröffnet ist?

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Die Genialität der Berliner Verkehrsplaner erschließt sich nur auf den zweiten Blick. Und nur bösmeinende Medien und Bürger setzen dabei das Wort "Experte" abschätzig in Anführungszeichen.

Im Moment herrscht etwas mediale Aufregung, nachdem ein Gutachter festgestellt haben will, dass der BER eigentlich weder per PKW über die Straße noch per U-Bahn über Schiene erreichbar sei. Jetzt weiß man, dass Gutachter in der Regel immer etwas an den Entscheidungen der Experten rumzumäkeln haben.

Was nützt eine Anbindung an einen geschlossenen Flughafen?

Im aktuellen Fall denkt der Gutachter aber zu kurz. Ganzheitlich betrachtet sieht das Ganze nämlich so aus: Was nützt eine tolle Straßen- beziehungsweise Schienenanbindung an einen Flughafen, von dem man nicht abfliegen kann? Und umgekehrt, warum soll man einen Flughafen eröffnen, der ohnehin nicht erreichbar ist? Das ist doch eine klasse Berliner Win-Win-Situation.

Schon vor exakt 25 Jahren (8. Mai 1992) lästerte "Die Zeit" in ihrem Artikel "Aus der Luft in den Stau" über die schlechte Verkehrsanbindung des Münchner Flughafens. Wenn jetzt wieder an einem 8. Mai, allerdings im Jahr 2017, der Berliner Tagesspiegel über die miserable Verkehrsanbindung des BER schreibt, will ich jetzt nicht spotten, dass in Berlin manches erst 25 Jahren später geschieht, sondern positiv bemerken, dass es mit der fehlenden Kompatibilität Flughafen/Bodenanbindung überall mal passieren kann.

Aber im Tagesspiegel ist das, wie oben schon ausgeführt, ja nur eine theoretische Betrachtung. Das gleichzeitige Nicht-Vorhandensein von Flughafen und Anbindung erübrigt jede weitere Diskussion.

Reichweite von Hexenbesen ist nicht bekannt

Zum Glück gibt es noch die Berliner SPD, die anscheinend sichergehen will, dass sich am Status quo nichts ändert. Deren Verkehrsexperten haben in einem Antrag für den nächsten SPD-Parteitag eine "Umlenkung des Reiseverkehrs auf Bahn, Bus und Rad gefordert". Wohlgemerkt: die Rede ist hier vom Flugreiseverkehr.

© dpa, Soeren Stache Lesen Sie auch: Berlins Flughafenchef Lütke Daldrup: BER soll 2018 in Betrieb gehen

Leider konnte ich jetzt in der Kürze der Zeit nicht feststellen welche Flugverbindungen ab Berlin mit dem Rad ersetzt werden können. Spontan fallen mir eher die tollen Überlandfahrten der Kutschen in den amerikanischen Western ein. Ich habe auch schon ersatzweise an Hexenbesen gedacht, leider liegen mir hier keine Informationen über deren Reichweite vor.

Wie schön, dass die Macher in Berlin sich mit dem BER nicht hetzen ließen, sonst hätten wir jetzt ein echtes Problem. Beinahe wäre die "Nicht-Eröffnung" des BER durch eine verfrühte Eröffnung noch gescheitert, als ein anderer Gutachter/Experte für den BER eine "Veränderung der Inbetriebnahme-Strategie" vorgeschlagen hatte. Diese hieß allen Ernstes: "Finaler Probebetrieb nach Eröffnung des BER."

Dit is Berlin.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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