Auch Ufo droht Eurowings mit Streiks

Exklusiv 20.11.2018 - 08:18 0 Kommentare

Verdi ruft in Düsseldorf zum Warnstreik bei Eurowings auf - die Airline reagiert mit Unverständnis und streicht Flüge. Gleichzeitig droht der Lufthansa-Tochter auch von anderer Seite Ungemach.

Flugzeuge der Eurowings am Airport Düsseldorf. - © © Eurowings -

Flugzeuge der Eurowings am Airport Düsseldorf. © Eurowings

Nach dem Streikaufruf von Verdi für die Düsseldorfer Flugbegleiter von Eurowings Deutschland und LGW zeichnet sich auch bei der Gewerkschaft Ufo eine Eskalation in den Arbeitskämpfen ab. "Wir werden von Eurowings seit Monaten nur hingehalten - da ist die Geduld der Kollegen aufgezehrt", konstatiert Ufo-Chef Nicoley Baublies im Gespräch mit airliners.de. "Es kann daher gut sein, dass auch wir bald am gleichen Punkt angelangt sind."

Ufo habe beispielsweise mit Eurowings Deutschland viele neue Tarifverträge ausgearbeitet, so Baublies: "Altersversorgung, Manteltarifvertrag et cetera seit Urzeiten vereinbart, aber Eurowings verschleppt die Umsetzung in jeder Hinsicht." Dass es auch anders gehe, zeige LGW: "Da kommen wir voran."

Sozialplan für LGW

Man habe einen Sozialplan für die Airbus-Ausflottung bei LGW abgeschlossen und die Zusage vom Arbeitgeber, 2019 in Tarifverhandlungen einzusteigen, so Baublies. Verdi hingegen rechtfertigt den Warnstreik am Dienstag in Düsseldorf damit, dass eben jene Punkte offen sind.

"LGW hatte sich zuletzt gegen Verhandlungen ausgesprochen und Verhandlungstermine der Gewerkschaft abgelehnt", so die Dienstleistungsgewerkschaft in einer Mitteilung. Im Tarifkonflikt mit Eurowings Deutschland lägen die Positionen der Tarifparteien "auch nach 13 Verhandlungsrunden weit auseinander".

Zudem seien Ende Oktober die Verhandlungen um einen Sozialplan für die rund 200 Beschäftigten in Berlin gescheitert. "Ihnen steht der Abzug der in Tegel stationierten Flugzeuge bevor. Die Airline war aber nicht bereit, verbindliche Regelungen für die Beschäftigten zu vereinbaren", kritisiert Verhandlungsführer Nüsse.

"Verdi hat zum Tarifchaos beigetragen"

Neben dem "absolut chaotischen und unzuverlässigen Arbeitgeber" müsse man im aktuellen Konflikt auch festhalten, dass "Verdi selbst maßgeblich zu dem Tarif-Chaos beigetragen hat, so Baublies: "Sei es weil sie über die Köpfe der VC (Anmerkung: Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit) hinweg einen Tarifvertrag für die Eurowings-Piloten abgeschlossen hat oder weil sie sich 2016 mit einem Unterbietungskampf für die Eurowings-Kabine ins Gespräch brachte, anstatt mit uns zu kooperieren."

Kritik am Vorgehen von Verdi kommt auch vom Arbeitgeber. "Wir sind der festen Überzeugung, dass auch in diesem Konflikt eine Lösung am Verhandlungstisch gefunden werden muss", heißt es in einem Brief der operativen Eurowings-Spitze an die Mitarbeiter. Jegliche Eskalation gehe zu Lasten von "Kunden, Kollegen und letztlich der gesamten Eurowings und insbesondere dem Flugbetrieb der LGW".

Das Management appelliert an alle Crews, "die am Vormittag dienstfrei haben und verfügbar sind", sich zur Arbeit zu melden. Diese Einsätze würden "entsprechend der internen Regelung mit 200 Euro vergütet".

Um den Schaden für Fluggäste und Airline möglichst gering zu halten, werde die Crewplanung "Anpassungen der Flug- und Einsatzpläne vornehmen". Eurowings hatte mitgeteilt, es seien 18 Flüge betroffen. Nach airliners.de-Informationen vom Dienstagmorgen ist über den ganzen Tag gesehen im gesamten Eurowings-Netzwerk aber mindestens die doppelte Anzahl an Verbindungen gestrichen worden.

Flüge unter "EW"-Code am Dienstag
Angaben in Prozent
Eurowings
Deutschland
42.5
Germanwings 23.4
LGW 15.9
Eurowings
Europe
11.9
Tuifly 3.9
Sun Express 1.1
CSA 1.0
Brussels 0.3

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der unter "EW"-Flugcode am Dienstag (20. November 2018) angebotenen Flüge von verschiedenen Airlines für Eurowings. Quelle: ch-Aviation

Verdi hatte am Montagabend kurzfristig zu dem achtstündigen Warnstreik (4.30 bis 12.30 Uhr) am Düsseldorfer Flughafen aufgerufen. Eurowings reagierte kurz danach mit Unverständnis: "Dieses Verhalten ist für niemanden mehr nachvollziehbar", so Airline-Personalchef Frank Bauer. "Mit ihrer wiederholten Eskalation und dem Aufbau einer künstlichen Droh- und Druckkulisse verspielt Verdi zunehmend ihren Ruf als verlässlicher Sozialpartner."

Von: cs
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