Sparpaket gescheitert AUA leitet Übergang auf Tyrolean ein

02.05.2012 - 07:34 0 Kommentare

Bei Austrian Airlines (AUA) sind die Verhandlungen über das Personalkosten-Sparpaket gescheitert. Die Fluggesellschaft hat daraufhin angekündigt, den Betriebsübergang auf Tyrolean einzuleiten.

Airbus A321 der Austrian Airlines - © © AirTeamImages.com - Danijel Jovanovic

Airbus A321 der Austrian Airlines © AirTeamImages.com /Danijel Jovanovic

Bei der defizitären Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) sind die fast viermonatigen Verhandlungen über die künftigen Tarife für Piloten und Kabinenpersonal gescheitert. "Es gab keine Einigung", sagte AUA-Bord-Betriebsratschef Karl Minhard nach den Gesprächen am Montagabend der Nachrichtenagentur APA. "Der Vorstand wird den Betriebsübergang auf Tyrolean einleiten."

Die Fluggesellschaft erklärte ebenfalls, sie bereite nun die Übertragung des Flugbetriebes auf die tarifgünstigere Tochter Tyrolean vor. "Unsere Mitarbeiter brauchen nun Klarheit", begründet AUA-Chef Jaan Albrecht in einer Mitteilung die Entscheidung.

In der AUA sind schon länger Experten und Arbeitsgruppen an dem Betriebsübergangs-Projekt dran. Ziel sei es, bis Jahresende 2012 einen gemeinsamen Flugbetrieb ohne Doppelgleisigkeiten zu organisieren. Beide Standorte, Wien und Innsbruck, seien Teil des Zukunftskonzepts, hieß es in der AUA-Mitteilung. Demnach wird der gesamte Flugbetrieb der AUA, der eine Flotte von rund 80 Flugzeugen und etwa 2100 Mitarbeiter umfasst, mit 1. Juli in der 100-Prozent-Tochter Tyrolean gebündelt.

Mit diesem Schritt wird der für die Gesellschaft um ein Viertel günstigere Tarifvertrag der Tyrolean auch für die AUA-Piloten und das Kabinenpersonal gültig. Betriebsratschef Minhard rechnet nach eigenen Angaben mit Kündigungen. Die Gewerkschaften hatten für den Fall einer Entscheidung für den Betriebsübergang bereits im Vorfeld eine Welle von Klagen angekündigt.

Den Tyrolean-Kollektivvertrag verteidigte Albrecht als vernünftigen Tarifvertrag, der die richtigen Konditionen habe. Dieser Vertrag werde nun ergänzt, um ihn auch auf die Langstreckenflüge anwenden zu können. Der alte AUA-Kollektivvertrag habe zu viele Altlasten gehabt, sagte Albrecht in der Fernsehsendung "ZiB2". Ein moderner KV, der keine Altlasten in sich trage, sei "von Anfang an das Ziel des Vorstands" gewesen.

Der Kritik des Betriebsrats, die AUA habe einen zu großen Zeitdruck aufgebaut, der eine gütliche Einigung verhindert hätte, hielt Albrecht dreieinhalb Monate lange Verhandlungen entgegen. Nun sei man an dem Punkt angelangt, die letzten Partner des Sparprogramms an Bord bringen zu müssen, befand Albrecht. Vorige Woche habe man sich auf Eckpunkte mit dem Bord-Betriebsrat geeinigt, auch auf Abschlagszahlungen, und dann sei es einfach nicht zur Abstimmung in der Belegschaft gekommen.

Die ehemalige Staatsfluglinie AUA ist seit Jahren defizitär und muss auf Druck der Lufthansa die Kosten um rund 220 Millionen Euro senken. Vor allem bei den Personalkosten muss gespart werden. Das Lufthansa-Sorgenkind AUA hatte im vergangenen Jahr erneut einen Verlust von 62 Millionen Euro eingeflogen und wird auch 2012 in den roten Zahlen landen.

Nach Angaben aus der Belegschaftsvertretung hat die AUA-Führung in einer Aufsichtsratssitzung vor wenigen Wochen die Kosten des Betriebsübergangs auf bis zu 160 Millionen Euro beziffert. Diese Zahl wurde vom Management bisher nicht öffentlich kommentiert.

Von: dpa-AFX
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