Basiswissen Luftverkehr (11)

Arten und Zuteilung von Slots

19.01.2018 - 08:00 0 Kommentare

Slots sind an vielen Flughäfen ein knappes, wertvolles Gut. Welche Arten von Slots es gibt, wie deren Zuteilung funktioniert und was es mit "Koordinierungseckwerten" sowie dem Flughafenkoordinator auf sich hat, erklärt Luftverkehrsexpertin Sabine Rasch.

Eine Boeing 747 startet vom Flughafen in Frankfurt, während eine weitere Maschine gleichen Typs zu ihrer Parkposition fährt.  - © © dpa - Boris Roessler

Eine Boeing 747 startet vom Flughafen in Frankfurt, während eine weitere Maschine gleichen Typs zu ihrer Parkposition fährt. © dpa /Boris Roessler

Als Slot wird die Zeitnische bezeichnet, die einer Fluggesellschaft zum Starten oder Landen an einem Flughafen zugewiesen wird. Die Anzahl der verfügbaren Start- und Landezeiten eines Flughafens wird begrenzt durch seine Kapazität, die unter anderem von Art und Anzahl seiner Start- und Landebahnen, von Art und Dauer der Passagierabfertigung und von zeitlichen oder räumlichen Flugverboten (beispielsweise Nachtflugverboten) abhängt.

Es gibt zwar Flughäfen ohne Kapazitätsmangel, bei denen Fluggesellschaften einfach direkt ihre Flüge anmelden können. Das ist aber in der Regel nur an kleineren Airports der Fall. Für Flughäfen, bei denen mehr Flugbewegungen nachgefragt werden, als aufgrund der Kapazität möglich sind, besteht dagegen die Notwendigkeit der Beantragung von Slots.

Slots an den wichtigsten Flughäfen Deutschlands sind koordiniert

Beispiele für solche "(voll-)koordinierten" Großflughäfen sind etwa London-Heathrow oder Paris-Charles de Gaulle. In Deutschland werden Berlin (Schönefeld/Tegel), Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart koordiniert. Als "flugplanvermittelte" Flughäfen werden zudem Flughäfen eingestuft, an denen es leichte Engpässe geben kann, die der Flughafen jedoch allein lösen kann. An- und Abflugzeiten müssen lediglich an den Flughafenkoordinator gemeldet werden. Hierzu gehören Bremen, Dresden, Erfurt, Hannover, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Münster/Osnabrück, Nürnberg und Saarbrücken.

Die zu vergebende Slotkapazität wird durch sogenannte "Koordinierungseckwerte" bestimmt (Koordinierungseckwert = maximale Anzahl der in einer Stunde planbaren Starts plus Landungen). Nach § 27 a Abs. 2 LuftVG bedarf die Festsetzung des Koordinierungseckwertes der Entscheidung des Bundesministeriums für Verkehr im Einvernehmen mit der obersten Luftfahrtbehörde des Landes. Für Frankfurt ist gegenwärtig beispielsweise ein Koordinierungseckwert von 104 Bewegungen festgelegt.

In Europa ist die Slotvergabe in der EU-Verordnung (EWG) Nr. 95/93, zuletzt ergänzt durch die EU-Verordnung (EG) 545/2009, geregelt. Die internationalen - rechtsunverbindlichen - Empfehlungen der IATA "Worldwide Scheduling Guidelines" wurden größtenteils von der europäischen Gesetzgebung (VO EWG 95/93) zur Flughafenkoordination übernommen, soweit sie mit dem EG-Recht kompatibel sind.

Der Flughafenkoordinator behält die Übersicht

Zuständig für die Koordinierung und verbindliche Slotzuteilung von Start-/Landezeiten ist in Deutschland der "Flughafenkoordinator" mit Sitz in Frankfurt, und zwar für sämtliche Flüge nach Instrumentenflugregeln ("IFR-Flights") an zur Zeit 16 deutschen koordinierten und flugplanvermittelten Verkehrsflughäfen.

Der Flughafenkoordinator untersteht dem Bundesverkehrsministerium. Bis 1992 erfolgte die Finanzierung aus Bundesmitteln, seit 1993 wurden die Aufwendungen ausschließlich von deutschen Luftverkehrsgesellschaften getragen und seit 2013 beteiligen sich auch die Flughäfen an den Kosten.

Der Flughafenkoordinator ist weiterhin für die Überprüfung des koordinierten Verkehrs ("Slot Monitoring") zuständig. Unter anderem wird überprüft, ob die koordinierten Flugzeiten ordnungsgemäß genutzt werden und die Pünktlichkeit des durchgeführten Verkehrs sich im Rahmen bewegt.

Slot-Koordinierungsverfahren ist international

Im internationalen Kontext nimmt der nationale Flugplankoordinator an den regelmäßigen Flugplankonferenzen der IATA teil. Gemäß Artikel 6 der EU VO 95/93 muss die jeweils zuständige Stelle - in der Regel die Betreibergesellschaft des fraglichen Flughafens - zweimal jährlich die für kommende Flugplanperioden vorhandenen Slots ermitteln. Die Zuteilung der verfügbaren Zeitfenster erfolgt durch den Koordinator und unter Konsultation eines für den koordinierten Flughafen gebildeten Koordinierungs-Ausschusses nach folgenden Prioritäten (in dieser Reihenfolge):

  1. Bereits einmal gehaltene Slots ("historische Slots") bleiben erhalten ("grandfathering"); zugewiesene Slots gehen verloren, wenn sie von der Airline nicht zu mindestens 80 Prozent genutzt werden ("use-it-or-lose-it-rule")
  2. Zeitlich geänderte historische Slots ("Retiming")
  3. Neue Slots können nur aus einem Slotpool, bestehend aus neu geschaffenen, nicht genutzten und zurückgegebenen Slots, vergeben werden; 50 Prozent des Slotpools müssen an "New Entrants", also Neubewerber vergeben werden
  4. Sonstige Slot-Anmeldungen.

Das komplette Slot-Koordinierungsverfahren verläuft in zwei Phasen und ist international:

  1. Nationale Flugplankoordinierung: Bis zu einer festgelegten Frist müssen alle Fluggesellschaften ihre geplanten Flüge dem Koordinator mitgeteilt haben. Durch computertechnische Ermittlung werden die Prioritäten festgelegt und eine Liste der vorläufig zugeteilten Slots erstellt.
  2. IATA-Flugplankonferenz: Die internationale Koordinierung und Optimierung dieser Liste erfolgt im Rahmen der halbjährlich (im Juni und November) stattfindenden internationalen IATA-Flugplan-Konferenzen. Teilnehmer sind die Flughafenkoordinatoren und Vertreter aller akkreditierten Fluggesellschaften. Zunächst wird versucht, eine internationale Abstimmung der Flüge durch Verhandlungen zu erreichen. Wird auf diese Weise kein Ergebnis erzielt, erfolgt der Rückgriff auf Vergabekriterien vergleichbar denen der nationalen Planung.

Die Vergaberegeln von knappen Slots stehen dabei wegen ihrer wettbewerbspolitischen Bedeutung immer wieder in der Diskussion, so werden beispielsweise Auktionen, Verlosungen und Slothandel gefordert. Dieser ist in Ländern wie den USA längst üblich - begehrte Slots erzielen hier Preise von mehreren Millionen Dollar. Die EU-Verordnung sieht lediglich die Möglichkeit des Tauschs und der Übertragung von Slots ("Sekundärallokation") zwischen verbundenen Unternehmen unter Aufsicht des Koordinators vor.

Airway Slots können Flughafenslots überschreiben

Die durch die Zuteilung der Airport-Slots festgelegten Startzeiten entsprechen den in den Flugplänen der Airlines veröffentlichten Zeiten. Diese garantieren jedoch noch nicht die tatsächliche Durchführung des Flugs zu exakt dieser Startzeit. Denn der Airport Slot kann am Flugtag selbst immer noch vom sogenannten Airway Slot/ATFM-Slot überschrieben werden.

Hierbei handelt es sich um das Zeitfenster für einen Flug (Start, Landung, Überflug), das aufgrund der aktuellen Wetter- und Verkehrssituation vom Network Management der Eurocontrol (ehemals CFMU) zugeteilt wird. Das Zeitfenster für einen Airway Slot (die sogenannte "Calculated Take Off Time", CTOT) beträgt -5/+10 Minuten. Kann dieses nicht eingehalten werden, muss ein neuer Airway Slot beantragt werden.

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Über die Autorin

Das Basiswissen-Tutorial zum Thema Luftverkehr bietet einen Überblick zu den wichtigsten Grundlagen der Luftverkehrswirtschaft. Alle Luftverkehrs-Tutorials lesen.

Sabine Rasch Die Welt des Reisens ist seit über 30 Jahren die Leidenschaft von Sabine Rasch. Mit dem "Lehrbuch des Linienflugverkehrs" hat die Touristik-Expertin das langjährige Standardwerk für die Ausbildung von Touristiker in Berufsschulen verfasst, auf dem diese Serie basiert. Kontaktieren Sie die Fachautorin auf www.sabinerasch.de

Von: Sabine Rasch für airliners.de
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