Arbeitnehmervertreter kritisieren Sparkurs bei Eurowings Europe

03.02.2016 - 12:15 0 Kommentare

Vertreter mehrerer Gewerkschaften haben jetzt gegenüber dem ZDF den Sparkurs bei der neuen Eurowings Europe kritisiert. Sie fordern unter anderem einen Tarifvertrag für die Beschäftigten.

Zwei Flugbegleiterinnen der Eurowings stehen vor einer A330 am Flughafen Köln/Bonn.  - © © dpa - Oliver Berg

Zwei Flugbegleiterinnen der Eurowings stehen vor einer A330 am Flughafen Köln/Bonn. © dpa /Oliver Berg

Die neue, in Wien angesiedelte Eurowings Europe sucht derzeit Personal, Hunderte neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden - doch diese müssen sich auf deutlich schlechtere Bezahlung einstellen, als bei der Muttergesellschaft Lufthansa. In einem Beitrag des ZDF-Nachrichtenmagazin "frontal 21" haben jetzt Arbeitnehmervertreter die angebotenen Konditionen scharf kritisiert. Die Rede ist von Dumpinglöhnen und Tarifflucht.

Nicoley Baublies, Sprecher der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO), spricht unter anderem von Individualverträgen ohne Kündigungsschutz und Fixgehalt sowie fehlender Stationszusage. Das seien alles Dinge, über die sich die Lufthansa bislang bei Mitbewerbern aufgeregt habe.

Auch Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC), sieht den Sparkurs der Eurowings Europe kritisch und verweist auf den Sicherheitsaspekt: "Trifft ein Pilot immer die sicherste Entscheidung, wenn er weiß, dass es eine teure Entscheidung ist und wenn er weiß, dass er damit seine Karrierechancen verbaut?", fragt er. Die VC hatte bereits bei Bekanntwerden der Pläne für eine Eurowings unter österreichischer Lizenz diese umgehend kritisiert.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansa startet Bereederung der neuen Eurowings

Die österreichische Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft Vida fordert einen Tarifvertrag für die Beschäftigten der Eurowings Europe. Sollte das nicht geschehen, schließt Vida-Vertreter Johannes Schwarcz Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus. Bis jetzt seien auch UFO keine Kollektivverträge angeboten worden, so Baublies: "Hier wird aktiv Tarifflucht begangen." Die Lufthansa hatte bereits im November angekündigt, Tarifverhandlungen für die Eurowings Europe ausschließlich in Österreich führen zu wollen.

Die Lufthansa selbst wie die Vorwürfe gegenüber "frontal 21" als unbegründet zurück: Der Konzern werde weiterhin seiner Verantwortung für die Mitarbeiter gerecht und auch Qualität und Sicherheit blieben auf höchstem Standard.


Eurowings ist ein Marketing-Konstrukt

  • Unter der neuen Lufthansa-Lowcost-Marke "Eurowings" fliegen viele Fluggesellschaften. So will Lufthansa schnell die drittgrößte Lowcost-Marke Europas nach Ryanair und Easyjet aufbauen.
  • Die "alte" Eurowings in Düsseldorf ist dabei für alle Flüge der Vertragspartner der Kunden. Sie stellt das "Master AOC" für den Flugbetrieb und betreibt selbst etliche Flugzeuge.
  • Zu den Airlines, die im Auftrag der Eurowings fliegen, gehören etwa Germanwings, Sunexpress Deutschland und Tui. Weitere Fluggesellschaften sollen folgen. In Österreich etwa kommt die Eurowings Europe hinzu.
  • Die Eurowings Commercial und Service GmbH in Köln organisiert derweil das Marketing. Zudem sitzt hier die Flugplanung und das Management, das sich unter anderem auch um die Abrechnung zwischen allen beteiligten Gesellschaften kümmert.

Von: gk
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