Arbeitnehmervertreter sehen "neue Germanwings" weiter skeptisch

02.07.2014 - 15:35 0 Kommentare

Für die Lufthansa ist die Übertragung von Strecken auf die Germanwings eine Erfolgsgeschichte. So zumindest lautet das Fazit ein Jahr nach dem Start des Vorhabens - doch Vertreter der Piloten und des Kabinenpersonals sehen dies etwas anders.

Fahnen der Lufthansa und Germanwings. - © © dpa - Maja Hitij

Fahnen der Lufthansa und Germanwings. © dpa /Maja Hitij

Vor einem Jahr hatte die Lufthansa damit begonnen, die innerdeutschen Flüge und die Europaflüge abseits der Drehkreuze Frankfurt und München auf die "neue Germanwings" zu übertragen - und ist noch zwölf Monaten sehr zufrieden. So habe sich Germanwings zur drittgrößten Fluggesellschaft in Deutschland entwickelt, wie der Mutterkonzern jetzt bilanzierte. Mehr als 16 Millionen Passagiere wurden befördert, die Zahl der angebotenen Strecken stieg von 182 auf aktuell 296.

Skeptiker hatten eine Verwässerung der Marke Lufthansa befürchtet. Laut Konzern sind die Passagiere der Germanwings in der großen Mehrheit jedoch sehr zufrieden mit dem neuen Angebot. Sie würden damit den Anspruch der Fluggesellschaft als Günstigflieger mit niedrigem Preis- und hohem Qualitätsniveau bestätigen, hieß es.

Und doch sieht nicht nur die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) die Übertragung der Lufthansa-Strecken weiter kritisch. Auch die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) ist nach einem Jahr immer noch skeptisch.

"Wir haben grundsätzlich keine Notwendigkeit dafür gesehen", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg gegenüber airliners.de. Besser wäre es gewesen, die Verkehre unter dem Namen Lufthansa weiterzuführen. Schließlich sei ein Markenname ein sehr hohes Gut für ein Unternehmen, der nun aus der Fläche verschwinde.

Flugbegleiter sehen Licht und Schatten

Die "Kernmarke in Gefahr" sieht auch der UFO-Vorstandsvorsitzende Nicoley Baublies. Allerdings betrachtet er das Thema durchaus differenziert. "Der Erfolg ist messbar, wenn man sich die Zahlen ansieht", erklärte er. Die Germanwings hatte nach Unternehmensangaben gegenüber 2012 bereits im vergangenen Jahr 93 Millionen Euro zur Ergebnisverbesserung der Lufthansa Group beigetragen. Für 2015 erwartet der Konzern erstmals seit vielen Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis im Segment der europäischen Verkehre abseits der Drehkreuze.

Und auch für Germanwings als Arbeitgeber sei die Umstellung der Verkehre sehr positiv gewesen, so Baublies. Die Belegschaft war nach eigenen Angaben vor allem im Flugbetrieb mit vielen Neueinstellungen erweitert worden. Die Zahl der fliegenden Mitarbeiter stieg von knapp 1.200 auf über 1.600.

Alerdings sind die "Tarifbedingungen noch deutlich entwicklungsfähig", sagte UFO-Mann Baublies. Und noch etwas erfülle ihn mit Sorge: Dass das Ganze nur der Anfang sein könnte. Die bei der Germanwings verfolgte Strategie könnte als Blaupause für die Verlagerung weiterer Verkehre dienen. Derzeit prüft die Lufthansa nach Medienberichten die Gründung einer Lowcost-Langstrecken-Abteilung und will auch im paneuropäischen Lowcost-Segment mitmischen. Offiziell will sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr am kommenden Mittwoch zur künftigen Strategie der Kranich-Airline äußern.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa entscheidet über Billigangebote auf der Langstrecke

Die Übertragung der Flugstrecken von der Lufthansa auf die Germanwings ist mittlerweile weit fortgeschritten. In Köln, Stuttgart und Hannover ist sie abgeschlossen, in Hamburg und Berlin werden noch einige Strecken umgestellt. Im März startete in Düsseldorf die Übergabe von Strecken an Germanwings. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt wird nach dem Abschluss der Umstellung der größte Standort von Germanwings sein.

In den vergangenen zwölf Monaten ist auch die Flotte gewachsen. Vor einem Jahr zählte die Germanwings 38 Flugzeuge, jetzt sind es 71. Bis Jahresende kommen weitere zehn Flugzeuge zur Flotte hinzu, wie es weiter hieß.

Von: airliners.de
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