Arbeitnehmer: "Absoluter Tiefpunkt" bei Air Berlin

20.04.2017 - 16:50 0 Kommentare

Der Umbau der kriselnden Fluggesellschaft Air Berlin sorgt für Reibungen. Personalvertreter berichten in einem offenen Brief von chaotischen Zuständen. Das Management bezeichnet die Kritik als "Einzelfälle".

An Bord einer Boeing 737 von Air Berlin.  - © © dpa - Caroline Seidel

An Bord einer Boeing 737 von Air Berlin. © dpa /Caroline Seidel

Der Umbau der angeschlagenen Air Berlin führt nach Arbeitnehmerangaben zu chaotischen Verhältnissen für die Crews. "Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr fliegendes Personal planen und betreuen", heißt es in einem offenen Brief der Personalvertretung Kabine. "Fehler und Krankheit sind die Folgen."

Die Unterstützung der Verwaltung für die Flugbegleiter sei an "einem absoluten Tiefpunkt" angelangt, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel sprach von Einzelfällen.

Hintergrund ist, dass Air Berlin im Zuge der Umstrukturierung Verwaltungsstellen von Düsseldorf nach Berlin verlegt. Das Management handle hier übereilt und löse so ein Chaos aus, sagte die zuständige Verhandlungsführerin von der Gewerkschaft Verdi, Anja Schlosser. Viele erfahrene Dienstplaner hätten Air Berlin verlassen, weil sie nicht umziehen wollten.

Vorwurf gegen Chef Winkelmann

In ihrem Brief vom 10. April werfen die Beschäftigten dem Vorstand um den neuen Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann blinden Aktionismus vor. Dienstpläne würden verspätet vorgelegt. Die Vorgaben überschritten die Belastungsgrenze der Mitarbeiter. Zudem seien Überstunden für Teilzeit-Beschäftigte zu spät ausbezahlt worden.

Die Beschäftigten kritisieren auch die Probleme bei der Gepäckabfertigung, wie sie seit Wochen am Berliner Flughafen Tegel herrschen. Wegen der anhaltenden Probleme dort hatte Air Berlin zwei neue Langstreckenflüge von Berlin aus an die US-Westküste verschoben. Die neuen Amerika-Flüge gehören zum Kern der neuen Strategie.

Air Berlin wies den Vorwurf verspäteter Zahlungen als falsch zurück. In anderen Personalfragen gebe es in Einzelfällen Verzögerungen, sagte Kunkel.

Wie bei Umstrukturierungen nie ganz auszuschließen, kann es leider vereinzelt zu Engpässen bei der Erreichbarkeit für die Crew kommen, aber diese Themen sind bekannt und vielfach mit der Belegschaft diskutiert.

Ralf Kunkel, Chef der Unternehmenskommunikation von Air Berlin

Die zuständigen Kollegen täten ihr Bestes, "damit der Umzug nach Berlin so reibungsarm wie möglich über die Bühne geht". Vom Umzug von Düsseldorf nach Berlin sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur rund 40 Mitarbeiter betroffen.

"Es gab kein Geheimtreffen"

Zugleich wies Air Berlin Spekulationen zurück, ein Treffen von Vorstandsmitgliedern mit Vertretern der Flugbegleitergewerkschaft Ufo habe etwas mit einer möglichen Eingliederung bei Lufthansa zu tun. "Es gibt weder einen Geheimplan noch ein Geheimtreffen", sagte Kunkel. Das Treffen mit Ufo zum Umzug von Düsseldorf nach Berlin sei "seit Anfang Februar fest vereinbart".

© Tui AG, Lesen Sie auch: Tui-Chef: Verschmelzung von Tuifly und Niki geht voran

Air Berlin vermietet seit Februar schrittweise bis knapp 40 Mittelstreckenjets im Wet-Lease an die Lufthansa - vor allem an dessen Billigplattform Eurowings. Das Touristikgeschäft soll auf Basis der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki in einem Bündnis mit dem arabischen Air-Berlin-Großaktionär Etihad und dem Ferienflieger Tuifly aufgehen.

Zuletzt war von einem Start zum Winterflugplan Ende Oktober die Rede. Wann es wirklich losgehen kann, ist weiter unklar, denn der Verkauf Nikis an den Golf-Carrier verzögert sich - es fehlen die behördlichen Genehmigungen.

Von: cs, dpa
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