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Apple muss den Flugmodus reparieren!

26.12.2017 - 08:00 0 Kommentare

Um weniger fragende Kunden zu haben, lässt Apple den Funk auch im Flugmodus einfach aktiv. Unser Digital Passenger Andreas Sebayang fordert mehr Eigenverantwortung. Schließlich sei der Tech-Gigant kein Luftfahrt-Spezi.

Viel Funkabstrahlung im aktiven Flugmodus. - © © airliners.de, Andreas Sebayang -

Viel Funkabstrahlung im aktiven Flugmodus. © airliners.de, Andreas Sebayang

Es ist noch nicht lange her, da hat sich Apple entschieden, dem mündigen Bürger die Entscheidung abzunehmen, ob ein ausgeschaltetes Funkmodul auch wirklich abgeschaltet werden muss. Wer Bluetooth oder WLAN abschaltet, der trennt allenfalls Verbindungen. Alles andere bleibt aber aktiv.

Der Grund ist einfach, bestimmte Services von Apple brauchen zwingend Funk, auch wenn das nicht immer ersichtlich ist. Die Geräte von Apple kommunizieren unentwegt und teilweise auch mit Geräten anderer, fremder Nutzer, um beispielsweise Bilder auszutauschen. Der Haken: Sollte entweder Bluetooth oder WLAN deaktiviert sein, funktioniert das Ganze nicht mehr und der Kunde fragt bei Apple, warum etwas kaputt ist. Also spart sich Apple die Fragen und lässt jeden Funk an.

Längst an die Kommunikationsstrategie gewöhnt

Als ich das testete, war ich immerhin zufrieden, dass der Flugmodus nach wie vor wie gewünscht funktionierte. Doch enttäuscht war ich darüber, dass Apple es nur in den Support-Artikeln für nötig hielt, die Anwender über die Änderungen zu informieren. Ich kenne niemanden, der nach jedem Update die Support-Artikel nach Veränderungen durchforstet. Mich eingeschlossen.

Apple erwartet das aber offensichtlich von seinen Kunden. Sei's drum. An solche Sachen habe ich mich bei moderner Technik längst gewöhnt. Die Auswirkungen auf den Akku sind heutzutage zudem vernachlässigbar und der Flugmodus funktionierte ja wie gewünscht - dachte ich.

Es geht hier schließlich um die Luftfahrt

Doch bei einem meiner letzten Flüge stellte ich fest: Ich habe mich geirrt. Etwas ungläubig habe ich deswegen am Abend des Flugs zwei Nachrichten verfasst, um Leser zu informieren - für "Golem" etwas mit Hintergrund zur Luftfahrt und hier als kurze reguläre Nachricht.

Darin ging es darum, dass der Flugmodus bei Apple eben seit iOS 11 einfach nicht mehr tut, was die meisten denken. WLAN blieb bei bei mir nämlich plötzlich aktiv. Wer den Flugmodus über die Apple Watch aktiviert, bekommt zudem nicht einmal eine Chance einer Rückmeldung. Man sieht nicht, dass WLAN oder Bluetooth aktiv bleiben.

Selbiges gilt teilweise auch für das Aktivieren des Flugmodus auf dem iPhone. Denn das iPhone kommuniziert mit der Apple Watch, um diese auch in den Flugmodus zu versetzen, was etwas Zeit benötigt. In der Regel warte ich nicht, dass alle Symbole sich deaktivieren sondern verlasse mich auf den Flugmodus. Es geht hier schließlich um die Luftfahrt.

Mein Wunsch an Apple

Bei mir war also im Flugmodus das WLAN aktiv. Der Grund: Ich saß vorher in einer Flynet-Maschine der Lufthansa und hatte das WLAN aktiv; bei der Landung vergass ich offenbar, es zu deaktiveren. Also denkt sich Apple: "Wir lassen WLAN jetzt immer im Flugmodus an, weil es hat ja einmal funktioniert."

Fürs kommende Jahr wünsche ich mir deswegen, dass die Apple-Entwickler nicht einfach in der Luftfahrt rumpfuschen. Der Konzern hat genug andere Probleme mit der Software-Qualität, sodass der zuverlässige und bewährte Flugmodus nicht angefasst werden sollte. Zumal einige Airlines wirklich die Nutzung von WLAN nicht erlauben und sich darauf verlassen, dass der Flugmodus auch ein Flugmodus ist.

Apple ist ein IT-Unternehmen und ich unterstelle mal, dass man dort von Luftfahrt gelinde gesagt keine Ahnung hat. Also bitte: keine Entscheidungen treffen, die sehr offensichtlich dem Sinn des Flugmodus widersprechen. Es mag sein, dass die Wahrscheinlichkeiten von kritischen Störungen heutzutage extrem gering sind, zumal irgendein Fluggast in einer Maschine ohnehin vergisst, den Flugmodus zu aktivieren. Doch zum einen ist die Luftfahrtbranche zurecht äußerst vorsichtig und versucht, jedes potenzielle Problem zu minimieren - das heißt, dass in einer A320 nicht 180 Mobilfunktelefone funken sondern vielleicht nur noch vier ... Zum anderen obliegt es nicht Apple darüber zu entscheiden, was in der Luftfahrt sinnvoll ist und was nicht.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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