Antrag auf Konkurs gegen Niki gestellt

20.09.2017 - 14:26 0 Kommentare

Ein Reiseveranstalter stellt einen Konkursantrag gegen Niki. Kommt jetzt die Pleite der Air-Berlin-Tochter? Vordergründig geht es um eine offene Rechnung - doch im Hintergrund brodelt das Thema Überschuldung.

Leitwerke von Air Berlin und ihrer Tochter Niki.Foto: © AirTeamImages.com, Chris Jilli

Für Niki, die österreichische Tochter der insolventen Air Berlin, wird die finanzielle Situation offenbar brenzliger: Wie das Landesgericht Korneuburg auf Anfrage der Tageszeitung "Kurier" mitteilte, habe ein namentlich nicht genannter Reiseveranstalter einen Konkursantrag gegen den Ferienflieger gestellt. Die Kanzlei Koch und Partner, die den Antrag gestellt hat, bestätigt die Zustellung des Schriftstücks gegenüber airliners.de. Niki hingegen will sich nicht äußern.

Österreichisches Insolvenzrecht

Laut des österreichischen Insolvenzrechts gibt es zwei Arten von Insolvenzverfahren: das Konkursverfahren und das Sanierungsverfahren. Einen Konkursantrag kann nur ein Gläubiger stellen. Das Sanierungsverfahren, das sich ähnlich wie in Deutschland dann auch noch in Eigenverantwortung gestalten lässt, kann hingegen nur vom Schuldner beantragt werden. Bei beiden Formen handelt es sich um sogenannte außerstreitige Verfahren, die nicht öffentlich stattfinden.

Hintergrund ist die einvernehmliche Aufhebung eines Chartervertrags, für die eine Zahlung von rund 116.000 Euro vereinbart wurde. Der Betrag war bereits Mitte August fällig, ist aktuell aber noch nicht beglichen worden, zitiert die Zeitung aus dem Konkursantrag.

Als nächstes müsste nun der zuständige Richter entscheiden, ob ein Insolvenzverfahren gegen Niki eröffnet wird, zitiert die österreichische Nachrichtenagentur APA den Konkurs-Experte Hans-Georg Kantner. Selbst ein Konkursverfahren würde aber nicht automatisch das Aus für die Fluggesellschaft bedeuten: Die Airline könnte unter bestimmten Bedingungen vorläufig weiter fliegen.

Geld aus Ticketverkäufen liegt auf Air-Berlin-Konten

Im Kern gehe es laut "Kurier" aber nicht um die vergleichsweise geringe Forderung, sondern um eine angebliche Überschuldung der Niki. Als Nachweis werde die Zwischenbilanz per Ende Juli 2017 angeführt. Dort sei eine Forderung von Niki an die Mutter Air Berlin von rund 69 Millionen Euro ausgewiesen. Dieses Geld stamme aus Ticketverkäufen, die Air Berlin für Niki steuert. Aus insolvenzrechtlichen Gründen ist das bei Air Berlin dafür genutzte Konto allerdings eingefroren.

Infolge des Insolvenzantrags der Air Berlin müssten davon 80 Prozent wertberichtigt werden, weshalb sich bei einem Eigenkapital von neun Millionen Euro rein rechnerisch eine Überschuldung der Niki von ungefähr 46 Millionen Euro ergebe, errechnet die österreichische Zeitung.

Außerdem würden weitere fällige Verbindlichkeiten von Niki nicht bedient, heißt es. Als Beispiel dafür würden im Konkursantrag zwei fällige Forderungen von dem Wartungsunternehmen SR Technics in Höhe von knapp 5,4 Millionen Euro genannt.

© Niki, Lesen Sie auch: Auch Niki droht offenbar die Insolvenz

Niki hat, anders als die Mutter Air Berlin, bislang keinen Insolvenzantrag gestellt. Das macht sie zu einem attraktiven Teil im Poker um den insolventen Carrier: So haben Gründer Niki Lauda und Thomas Cook - inklusive der deutschen Tochter Condor - ein Angebot zur Übernahme des Ferienfliegers angekündigt. Entschieden wird über einen Verkauf der Air-Berlin-Teile in der kommenden Woche.

Update: Das Amtsgericht Korneuburg hat den Konkursantrag am Freitag (22. September) als unbegründet abgewiesen. Zuvor hatte schon Niki erklärt, dass der Fall nicht stimme: "Wir haben den Vorgang geprüft und die Forderung ist beglichen worden."

Von: cs
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