Antonov Airlines übernimmt Nato-Flüge

Exklusiv 02.11.2018 - 08:25 0 Kommentare

Die russische Frachtairline Volga-Dnepr steigt bei den EU-Transportflügen aus. Ab Januar übernimmt in Leipzig Ex-Partnerin Antonov Airlines allein. Dazu wurde eine eigene Gesellschaft mit deutscher Beteiligung gegründet.

Eine AN-124-100 der Antonov Airlines. - © © AirTeaImages.com - Alex Filippopoulos

Eine AN-124-100 der Antonov Airlines. © AirTeaImages.com /Alex Filippopoulos

Antonov Airlines wird die Komplettabwicklung aller Transportflüge für zehn Nato- und EU-Staaten am Flughafen Leipzig/Halle übernehmen. Das geht aus einem Schreiben der Nato Support & Procurement Agency (NSPA) mit Sitz in Luxemburg hervor, das airliners.de vorliegt. Bisher wurden die als "Strategic Airlift International Solution" ("Salis") bekannten Flüge gemeinsam von der russischen Volga-Dnepr und der ukrainischen Antonov Airlines durchgeführt.

Doch: Im April hatte Volga-Dnepr die Kooperation zum Ende des Jahres gekündigt. Das Unternehmen teilte damals mit, man wolle sich auf den Transport ziviler Güter konzentrieren und kein militärisches Gerät mehr für westliche Staaten befördern.

Ukrainer gründen Firma mit deutscher Beteiligung

Die Ukrainer boten daraufhin der auftraggebenden NSPA, an die Transportflüge ohne die russische Ex-Partnerin allein durchzuführen. Wie aus dem Schreiben der Nato-Behörde hervorgeht, wird nun die neu gegründete Antonov-Logistic-Salis GmbH mit Sitz in Leipzig den Auftrag zum 1. Januar 2019 übernehmen.

Die dafür gegründete Gesellschaft gehört zu 51 Prozent der Antonov Airlines; die übrigen 49 Prozent sind im Besitz des deutschen Logistikers Aircargonet International. Den Kontrakt müssen die beteiligten Nato- und EU-Staaten noch unterzeichnen. Dieser für Dezember geplante Schritt gilt jedoch als reine Formsache.

Verkehrsrechtlich werden die NSPA-Flüge mittels einer "Dauer-Charter-Genehmigung" abgewickelt. Diese hat die Antonov-Logistic-Salis GmbH beim Luftfahrt-Bundesamt beantragt und laut einer mit der Sache vertrauten Person wurde diese auch mündlich bestätigt.

Zwei An-124 werden in Leipzig stationiert

Antonov Airlines wird für den Auftrag zwei Maschinen des Typs Antonov 124-100 am Flughafen Leipzig/Halle fest stationieren. Im Fall dringender Nachfrage, könnten die Kapazitäten aufgestockt werden, heißt es. Bedarfsweise ist auch ein Einsatz der sechsstrahligen An-225 für die Salis-Flüge möglich. Der deutsche Partner Aircargonet wird die Transportlogistik bereitstellen und die Ersatzteilversorgung der zwei Maschinen sicherstellen.

Aircargonet International ist seit Mitte September alleiniger Vertriebspartner der ukrainischen Frachtfluggesellschaft in Deutschland. Dafür haben beide Unternehmen ein Cargo Sales Agency Agreement unterzeichnet. Die Frankfurter Frachtspezialist vermarktet sämtliche, verfügbare Frachtmaschinen der Airline. Das kann die Maschinen betreffen, die Teil des Salis-Programms sind. Nach Rücksprache mit der NSPA kann die Nato-Behörde diese für kommerziellen Charterflüge freigeben. Aber nur wenn zu diesem Zeitpunkt kein NSPA-Einsatz absehbar ist.

Kein alternatives Fluggerät

Branchenexperten sehen das ähnlich, auch weil es schlicht kein Nato- oder EU-Land gibt, das über Frachtflugzeugen verfügt, die wie die An-124 eigenes hydraulisches Ladegeschirr an Bord haben. Damit können die Maschinen im Gegensatz zu Frachtern von Boeing und Airbus auch Einsätze an Flughäfen ausführen, die über keine externe Entladungseinrichtungen verfügen.

Die Strategic Airlift International Solution (Salis) ist seit 2006 ein gemeinsames Programm europäischer Nato- und EU-Staaten. Das Programm übernimmt weltweit militärisch strategische Lufttransportaufgaben für friedenssichernde und humanitäre Einsätze. Bei den bisherigen Salis-Missionen ging es primär um den Flug von Ausrüstungs- und Versorgungsgütern in Krisengebiete wie Afghanistan, Mali oder den Kongo.

Von: br
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