Anleger lassen Thomas Cook fallen

20.05.2019 - 12:08 0 Kommentare

Nach steigenden Verlusten verliert die Aktie des britischen Reisekonzerns Thomas Cook dramatisch an Wert. Schon machen Gerüchte um eine bevorstehende Insolvenz die Runde. Umso wichtiger wird ein schneller Verkauf von Condor und den restlichen Konzern-Airlines.

Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. - © © Thomas Cook -

Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. © Thomas Cook

Zwölf Pence ist die Aktie von Thomas Cook noch wert. Nachdem der zweitgrößte europäische Reisekonzern in der vergangenen Woche eine Verlust von 1,5 Milliarden Pfund (1,71 Mrd. Euro) für das Winterhalbjahr vermeldete und auch für das Gesamtjahr ein schwieriges Geschäft erwartet, setzte die einflussreiche Citigroup das Kursziel der Aktie sogar auf null. Die Bank erwartet also die Pleite des Unternehmens und rät Investoren zum Verkauf.

Laut Bloomberg erklärte der Citigroup-Analyst James Ainley, er glaube, dass das Unternehmen bald "Null-Eigenkapitalwert" haben werde, weil die Schulden, die bereits bei 1,2 Milliarden Pfund (1,37 Mrd. Euro) liegen, voraussichtlich steigen würden. Der gesamte Börsenwert von Thomas Cook liegt jetzt noch bei 180 Millionen Pfund, knapp 200 Millionen Euro. Zwar liege der Wert des Reiseveranstalter-Geschäfts und der Fluggesellschaften des Konzerns bei 738 Millionen Euro, diese würden jedoch von den hohen Schulden und den schlechten Aussichten "aufgefressen", so die Analyse.

Konzern macht Brexit für schlechte Buchungslage verantwortlich

In der Tat hat Thomas Cook aktuell große Probleme. Zuletzt offenbarte der Konzern, dass Buchungen für den Sommer um zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert liegen. Als Reaktion auf die schwächere Nachfrage habe man das Angebot ausgedünnt. Daneben werden derzeit vor allem in Großbritannien deutliche Rabatte auf Urlaubsbuchungen eingeräumt.

Peter Fankhauser, der Vorstandsvorsitzende von Thomas Cook, sagte dazu: "Es besteht heute kein Zweifel mehr, dass der Brexit-Prozess viele britische Kunden dazu gebracht hat, ihre Urlaubspläne für diesen Sommer zu verschieben."

Laut Thomas Cook sei das Geschäft jedoch zumindest bis über den Winter gesichert, die Kreditgeber würden 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen. "Wir haben die Unterstützung unserer kreditgebenden Banken und Großaktionäre", teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. "Wir verfügen über ausreichende Ressourcen, um unser Geschäft zu betreiben, und gleichzeitig wird sich unsere Liquiditätslage auch in der Sommerperiode wie gewohnt weiter verbessern."

Bloomberg will jedoch erfahren haben, dass die Geldgeber ihre Zusagen an den Fortschritt beim Verkauf der Fluggesellschaften des Konzerns geknüpft hätten. Dass dieser notwendig ist, um den Konzern zu retten, gilt ohnehin als ausgemacht.

Lufthansa-Condor: Kaufen oder abwarten?

So hatte allein schon das Angebot der Lufthansa für die deutsche Condor und gegebenenfalls weitere Airlines des Konzerns Anfang Mai für ein Zwischenhoch an der Börse für die ohnehin gebeutelte Thomas-Cook-Aktie gesorgt, auch wenn der Deal kompliziert werden dürfte. Daneben ist die britische Airline Virgin Atlantic angeblich am Langstreckengeschäft der vier Thomas-Cook-Airlines in Europa interessiert.

Die Insolvenzgerüchte machen die Verhandlungen für Thomas Cook nun nicht leichter. Der Kauf von Condor mit ihrer relativ alten Flotte ist unter Lufthansa-Anlegern nicht unumstritten. Nicht wenige würden es sicher bevorzugen, wenn der Eurowings-Konkurrent am Frankfurter Flughafen auch ohne Zutun der Lufthansa vom Markt verschwindet.

Ein weiteres großes Problem des trüben Ausblicks: Die Verbraucher könnten zusehends das Vertrauen verlieren, warnen Analysten. Wer bucht und bezahlt schon eine Reise, wenn der Veranstalter kurz vor der Pleite steht? So könnte sich die Krise weiter verschärfen. Thomas Cook befindet sich nach Ansicht von Marktbeobachtern in einer Abwärtsspirale ohne viele Handlungspotionen.

© AirTeamImages.com, Privat, Lesen Sie auch: Der Kranich und seine verlorene Tochter Die Born-Ansage (110)

Von: dk
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. Lebhafte Spekulationen über Zukunft von Thomas Cook Group

    Dass die Lufthansa Teile der Condor von Thomas Cook übernimmt, ist noch lange nicht ausgemacht. Internationale Investmentgesellschaften und ein chinesischer Großkonzern haben nun sogar Interesse am gesamten Tourismuskonzern bekundet.

    Vom 23.04.2019
  • Leitwerke von Lufthansa und Condor Lufthansa will Condor als Ganzes übernehmen

    Lufthansa reagiert auf das Ultimatum von Thomas Cook und gibt ein Angebot für eine Komplettübernahme von Condor ab. Auf der Jahreshauptversammlung stößt die Ankauf-Strategie nicht nur auf Zustimmung.

    Vom 07.05.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus