Große Airports werden größer - kleine werden kleiner

27.06.2019 - 08:31 0 Kommentare

Der Luftverkehr in Deutschland und Europa wächst im Mai weiter, wenn auch mit vergleichsweise geringen Raten. Die großen Flughäfen liegen im Plus, während kleinere und damit auch die ostdeutschen Airports verlieren. Eine Analyse.

Terminal 2 des Hamburg Flughafens - © © Hendrik Rybicki -

Terminal 2 des Hamburg Flughafens © Hendrik Rybicki

Die nach Passagieren größten Flughäfen Europas - London-Heathrow, Paris-Charles-de-Gaulle, Amsterdam-Schiphol und Frankfurt haben im Mai zusammen knapp 26 Millionen Passagiere begrüßt. Das sind gut 600.000 Reisende mehr als im Mai 2018. Kumuliert ergibt das ein Wachstum von 2,3 Prozent, wie aus den aktuellen Verkehrszahlen hervorgeht, die airliners.de vergleicht.

London-Heathrow ist weiterhin der Airport mit den meisten Passagieren. Europas größter Flughafen liegt mit fast 6,8 Millionen klar an der Spitze, gefolgt vom Flughafen Paris-CDG mit knapp 6,5 Millionen Fluggästen. Der ist damit im vergangenen Monat der zweitgrößte Airport Europas vor Amsterdam und Frankfurt. Paris ist im Vorjahresvergleich um fast 380.000 Passagiere gewachsen, was 6,2 Prozent entspricht.

Der größte deutsche Hub Frankfurt fertigte im Mai etwas über 6,2 Millionen Reisende ab. Das ist ein Zuwachs von knapp 90.000 Passagieren oder 1,4 Prozent. Vom neuen Istanbuler Flughafen liegen weiterhin keine Verkehrszahlen vor, weshalb er in unserer Statistik nicht auftaucht.

Passagierwachstum der Top-4-Airports in Europa
Flughafen Absolut
CDG 377187
LHR 93456
FRA 85957
AMS 38418

Die Grafik zeigt das Wachstum der Top-4-Airports in Europa in absoluten Passagierzahlen im Vergleichszeitraum Mai 2018 zu Mai 2019.Quelle: Unternehmensangaben

Innerdeutscher Verkehr legt im Mai zu

Die deutschen Flughäfen haben im Mai knapp 22,5 Millionen Passagiere gezählt. Das entspricht einem Wachstum von knapp 2,3 Prozent oder etwas mehr als 500.000 Reisenden in absoluten Zahlen.

Laut der Monatsstatistik der ADV verzeichnete der innerdeutsche Verkehr im Mai einen vergleichsweise großen Zuwachs von 8,6 Prozent. Der Europa-Verkehr stagniert mehr oder weniger mit einem Plus von 0,6 Prozent und die interkontinentalen Verbindungen wuchsen um 2,1 Prozent.

ADV befürchtet Abschwung am Standort Deutschland

Den starken Anstieg innerdeutscher Passagierzahlen führt der Verband darauf zurück, dass im Mai vergleichsweise wenige freie Tage lagen, was zu einem hohen Anteil an Geschäftsreisenden führt, die viel innerhalb Deutschlands fliegen.

Allerdings lässt sich an den stagnierenden Passagierzahlen in Europa und dem moderaten Wachstum des Interkontinentalverkehrs laut der ADV eine Abschwächung der Konjunktur ablesen. Der Verband sieht darin sogar "ein warnendes Signal für einen Abschwung im Luftverkehr am Standort Deutschland."

Durch höhere Ölpreise, unsichere Konjunkturaussichten und eine Verknappung des Angebots sei von einem Ticketpreisanstieg und einem Nachfragerückgang auszugehen.

Verkehrswachstum an ausgewählten DACH-Airports in absoluten Passagierzahlen
Flughafen Absolut
VIE 564331
BER 250754
MUC 220332
STR 110456
DUS 99576
DTM 45559
HAM 40499
FMO 12741
GVA 9725
ZRH 8127
HAJ 7461
SCN 6212
PAD 2609
FKB -978
DRS -8577
ERF -11290
LEJ -12550
FDH -15976
BRE -31793
CGN -69986
NRN -75452
HHN -78561
NUE -97329

Die Grafik zeigt das Passagierwachstum in absoluten Zahlen an ausgewählten Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Vergleichszeitraum Mai 2018 zu Mai 2019.Quelle: ADV, eigene Recherche

Zweigeteilte Republik

Die Zahlen der ADV zeigen, dass sich die Entwicklungen an den deutschen Flughäfen in zwei Gruppen teilen: Elf Flughäfen wachsen, zehn andere müssen Verluste hinnehmen. Kumuliert ergibt diese Entwicklung dann wieder das von der ADV erwartete Bild.

Nach wie vor belastet die Germania-Pleite einige Airports. Die Lücken, die die Insolvenz der Air Berlin speziell im innerdeutschen Verkehr gerissen hatte, konnte aber mittlerweile laut Flughafenverband großteils geschlossen werden. Heute seien die Verbindungen innerhalb der Bundesrepublik "weitgehend den Nachfragestrukturen angepasst."

Im Mai geht erneut die Tendenz weiter, dass fast alle großen Airports weiterwachsen und viele kleinere Flughäfen eher sinkende Passagierzahlen ausweisen. Einzige Ausnahme bei den Großen ist Köln mit einem Rückgang um gut 70.000 Passagiere oder 5,8 Prozent. Bei den kleineren Flughäfen unter einer Million Passagiere wächst Dortmund besonders stark. Gut 45.000 zusätzliche Passagiere oder ein Plus von 23,5 Prozent stehen in der Statistik.

Wien wächst weiter sehr stark

Bei der Gesamtzahl der Airports der deutschsprachigen Länder ragt Wien mit einem Wachstum von fast 25 Prozent heraus, was einem Zuwachs von über einer halben Million Passagieren auf insgesamt fast 2,9 Millionen entspricht. Die großen Schweizer Flughäfen Zürich und Genf können dagegen kaum zulegen.

Mit einem etwa halb so großen Zuwachs wie die österreichische Hauptstadt kommen die beiden Flughäfen der deutschen Hauptstadt zusammen auf Platz zwei des Nominalwachstums. Tegel und Schönefeld konnten ihr Passagieraufkommen um eine gute Viertelmillion oder 8,5 Prozent auf 3,2 Millionen steigern.

München und Stuttgart folgen Berlin mit einem Plus von 220.000 und 110.000 Passagieren. Die baden-württembergische Metropole wächst mit 10,3 Prozent weiterhin robust und zweistellig.

Außerdem auffällig: Memmingen verzeichnet mit 33.000 zusätzlichen Fluggästen fast 25 Prozent Plus und fertigt insgesamt 166.000 Passagiere ab. Münster-Osnabrück wächst ebenfalls stark um 15,6 Prozent und kommt auf knapp 95.000 Reisende.

Erfurt mit größtem Passagierrückgang

Alle Flughäfen in Ostdeutschland verlieren im Mai an Passagieren. Besonders stark trifft es Erfurt mit einem Minus von 42 Prozent, was allerdings bei den geringen absoluten Zahlen (gut 15.000) schneller passiert als bei großen Airports. Insgesamt gesehen verliert Nürnberg am stärksten an Boden.

Die Franken verlieren fast 100.000 Passagiere im Vorjahresvergleich und fertigen im Mai noch rund 320.000 Reisende ab. Kurz davor liegen die Flughäfen Hahn mit einem Minus von gut 80.000 oder 38 Prozent und Weeze mit rund 75.000 oder 37,5 Prozent weniger Passagieren.

Flugbewegungen steigen leicht, Fracht stagniert

Die Zahl der Flugbewegungen an den deutschen Flughäfen wuchs im Mai laut ADV im Vorjahresvergleich leicht um 2,2 Prozent auf rund 197.000 Starts und Landungen.

Die Menge der transportierten Fracht bleibt ziemlich genau auf Vorjahresniveau. Im Mai lag das deutschlandweite Frachtaufkommen bei gut 414.000 Tonnen was einem sehr geringen Rückgang um 0,1 Prozent entspricht.

In Leipzig gab es ein leichtes Wachstum um 3,1 Prozent auf rund 108.000 Tonnen Luftfracht. Am größten deutschen Cargo-Hub stagnierte das Aufkommen mehr oder weniger. Frankfurt kam mit einem Plus 0,6 Prozent auf knapp 186.000 Tonnen.

Die größten Flughäfen in Europa und der DACH-Region

Flughafen Passagierzahl Absolut %
CDG 6.460.851 377.187 6,2
LHR 6.768.903 93.456 1,4
FRA 6.225.726 85.957 1,4
AMS 6.441.473 38.418 0,6
TOP4 Europa 25.896.953 595.019 2,3
VIE 2.877.161 564.331 24,4
BER 3.200.803 250.754 8,5
MUC 4.300.560 220.332 5,4
STR 1.182.844 110.456 10,3
DUS 2.264.275 99.576 4,6
DTM 239.426 45.559 23,5
HAM 1.598.155 40.499 2,6
FMM 166.040 32.888 24,7
FMO 94.414 12.741 15,6
GVA 1.399.049 9.725 0,7
ZRH 2.717.094 8.127 0,3
HAJ 581.394 7.461 1,3
SCN 42.753 6.212 17
PAD 73.113 2.609 3,7
FKB 121.285 -978 -0,8
DRS 144.580 -8.577 -5,6
ERF 15.464 -11.290 -42,2
LEJ 238.457 -12.550 -5
FDH 33.031 -15.976 -32,6
BRE 212.771 -31.793 -13
CGN 1.136.677 -69.986 -5,8
NRN 125.753 -75.452 -37,5
HHN 127.636 -78.561 -38,1
NUE 318.606 -97.329 -23,4

Quelle: eigene Recherche / ADV

Von: hr
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