Analyse

Der Kranich fliegt der Konkurrenz davon

12.07.2018 - 13:30 0 Kommentare

Halbjahresbilanz am Himmel: Die Lufthansa Group bleibt größte Airline-Gruppe und lässt ihre beiden Kontrahentinnen IAG und Air France/KLM weiter hinter sich. Die wirkliche Konkurrenz sitzt in Irland.

Boeing 747 der Lufthansa. - © © AirTeamImages.com - Bastian Ding

Boeing 747 der Lufthansa. © AirTeamImages.com /Bastian Ding

Die Hälfte des Jahres ist vorbei - Zeit für ein erstes Zwischenfazit bei den Passagierzahlen der drei großen europäischen Airline-Gruppen. airliners.de hat die Verkehrsstatistiken der Carrier-Gruppen mit ihren einzelnen Fluggesellschaften genauer analysiert. Dabei zeigt sich: die Lufthansa Group baut ihre Stellung als der in Europa dominierende Airline-Verbund weiter aus.

  • Alle Group-Airlines des Kranichs (Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels) beförderten in den ersten sechs Monaten fast 67 Millionen Passagiere - knapp zwölf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
  • Die Zweitplatzierte, der englisch-spanische Konzern IAG, wuchs mit ihren Airlines (British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling und Level) um acht Prozent auf über 52,7 Millionen Passagiere.
  • Die niedrigste Wachstumsrate der großen Drei weist Air France/KLM aus: zwei Prozent. Neben dem niedrigen Wachstum haben die Airlines KLM, Air France und Transavia mit 48,5 Millionen auch im Vergleich die wenigsten Passagiere befördert.
Die großen Drei im ersten Halbjahr
2017 2018
Lufthansa Group 59990000 66908000
IAG 48806000 52731000
Air France/KLM 40324000 41140000

Anzahl der Fluggäste in den beiden ersten Halbjahren 2017 und 2018. Quelle: Unternehmen

Angetrieben werden die Airline Gruppen maßgeblich von ihren Low-Cost-Sparten. Analysiert man die verkauften Sitzplatzkilometer (RPK, Revenue Passanger Kilometers) fällt auf, dass die Billigtöchter gemessen an den angebotenen Sitzplatzkilometern (ASK, Available Seat Kilometers) die größten Zuwächse generierten - Eurowings (Lufthansa Group) 35,7 Prozent, Vueling (IAG) 12,9 Prozent und Transavia (Air France/KLM) 4,7 Prozent.

Verkaufte Sitzplatzkilometer
2017 2018
Eurowings* 11769978725 15977021894
Vueling 2507000000 2819000000
Transavia 2827000000 3152000000

Angaben für das jeweils erste Halbjahr. * = ohne BrusselsQuelle: Unternehmen

Da IAG die Passagierzahlen nur für die ganze Gruppe herausgibt und nicht für die einzelnen Airlines, wurde dieser Vergleich unter Berücksichtigung von RPKs und ASKs aufgestellt. Sowohl Lufthansa Group als auch Air France/KLM weisen Fluggastzahlen für jede Konzern-Airline aus.

Zahlen bei Eurowings-Expansion stimmen

Der Kranich hat mit dem inzwischen Eurowings Group genannten Verbund eine eigene Low-Cost-Gruppe installiert. Im vergangenen Jahr führte der Kranich diese noch als "Point-to-Point-Verkehr". Zur Group in der Group gehören die Eurowings-Airlines (Eurowings, Germanwings, LGW und Sun Express) sowie der 2016 gekaufte Carrier Brussels Airlines. Trotz aller Startschwierigkeiten, die geprägt waren von massiven Verspätungen und Annullierungen, fallen die Zahlen der Airline im ersten halben Jahr positiv aus.

Eurowings hat, wenn man Brussels herausrausrechnet, ihre angebotenen Sitzplatzkilometer (ASK) um fast ein Drittel aufgestockt. Den Großteil der ehemaligen Air-Berlin-Verbindungen bedient heute Eurowings.

Betrachtet man die verkauften Sitzplatzkilometer (RPK) hat die Kranich-Tochter sogar 35,7 Prozent mehr verkauft. Dadurch stieg die Auslastung ist in den ersten sechs Monaten um knapp drei Punkte auf 81,2 Prozent.

Auslastung Eurowings*
Angaben in Prozent
Januar 75.1
Februar 78.0
März 76.1
April 80.4
Mai 80.2
Juni 81.6

Anmerkung: * = ohne Brussels Quelle: Lufthansa Group, Brussels Airlines, eigene Berechnung

Auch die Auslastung der belgischen Partner-Airline ist im Halbjahresvergleich um ein Punkt auf 77,1 Prozent gestiegen. Insgesamt nutzten rund 4,7 Millionen Reisende die Maschinen von Brussels Airlines, was einem deutlichen Zuwachs von knapp elf Prozent entspricht.

Lufthansa hat konzernweit die Nase vorn

Innerhalb der Kranich-Gruppe bleibt die Lufthansa mit knapp 50 Prozent der beförderten Passagiere stärkste Kraft. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Carrier ein Wachstum von 9,2 Prozent und beförderte 33,4 Millionen Reisende. Aber auch die beiden als Netzwerk-Airlines geführten Töchter Austrian Airlines und Swiss entwickelten sich mit einem Passagierzuwachs von je knapp unter zehn Prodzent positiv.

Ein anderes Bild zeichnet der Flagcarrier einer der anderen beiden Airline-Gruppen: Air France hat aufgrund der Streiks im April und Mai Federn gelassen. Die Passagierentwicklung stagnierte mit einem leichten Plus von 0,7 Prozent nahezu.

Die Franzosen befördern knapp 60 Prozent der Passagiere des französisch-niederländischen Konzerns. Partnerin KLM hat indessen 6,3 Prozent mehr Passagiere durch Europa und die Welt geflogen. Insgesamt waren es im ersten Halbjahr 2018 über 16,6 Millionen.

Da IAG die Passagierzahlen ihrer Airlines nicht einzelnen ausweist, kann ein Vergleich der Carrier der drei Gruppen nur über die RPKs aufgestellt werden:

RPK-Wachstum erstes Halbjahr 2018
Angaben in Prozent
Eurowings 35.7
Brussels 16.9
Vueling 12.9
Iberia 12.3
Transavia 11.2
Aer Lingus 9.1
Swiss 9.0
Austrian 8.1
KLM 5.4
Lufthansa 4.7
British Airways 3.2
Air France* 0.7

Anmerkung: * = inklusive HOP! / Vergleich RPKs erstes Halbjahr 2017 und 2018. Quelle: Unternehmen, eigene Berechnung

Ryanair einzige Konkurrentin

Die einzige Airline, die der Lufthansa Group gemessen an der Passagierentwicklung gefährlich wird, ist Ryanair. Die Iren zählten in den ersten sechs Monaten 64,3 Millionen Passagiere. Damit hat der größte Billigflieger Europas "nur" 2,6 Millionen oder knapp vier Prozent weniger Passagiere befördert als alle Airlines der Lufthansa-Gruppe zusammen.

Zwar wären an diesem Punkt RPKs interessanter, da die bei Ryanair, die nur relativ kurze Strecke mit der maximal möglichen Zahl an Umläufen pro Tag fliegen, wahrscheinlich geringer sind, als bei Lufthansa, die ein großes Langstreckengeschäft betreibt. Allerdings weisen die Iren keine RPKs aus, weswegen der Vergleich mit dem Kranich nur über die Passagiere funktioniert.

In diesem Jahr zählte Ryanair nur im Januar mit rund 9,3 Millionen Gästen mehr Passagiere als die Lufthansa Group, die zu Jahresbeginn 8,7 Millionen Passagiere beförderte. In allen weiteren Monaten lag der Kranich vorn.

Passagierzahlen im Vergleich
Lufthansa Group Ryanair
1
2017
7876000 8770000
2
2017
7766000 8200000
3
2017
9590000 9400000
4
2017
11164000 11300000
5
2017
11603000 11800000
6
2017
11980000 11800000
7
2017
13060000 12600000
8
2017
12500000 12700000
9
2017
12680000 11800000
10
2017
12193000 11800000
11
2017
10080000 9300000
12
2017
9338000 9300000
1
2018
8695000 9300000
2
2018
8788000 8600000
3
2018
11104000 10000000
4
2018
12188000 11300000
5
2018
12886000 12500000
5
2018
13255000 12600000

Die Grafik zeigt die Passagierentwicklung pro Monat zwischen der Lufthansa Group und Ryanair. Quelle: Lufthansa Group, Ryanair

Hier lohnt der Langzeitvergleich. Zwischen November 2015 und Februar 2017 waren die Passagierzahlen der Iren durchgehend höher als die des Kranich-Konzerns. Seit dem konnten die Iren den Kranich lediglich noch in vier von vierzehn Monaten schlagen.

Branchenkenner vermuten, dass Ryanair wohl auch deshalb mit der anvisierten Übernahme von Lauda Motion und dem spekulierten Einstieg bei Norwegian auf ein IAG-ähnliches Holding-Konstrukt umsattelt; immerhin könnte man so locker Zehntausende weitere Passagiere generieren.

© dpa, Herbert Neubauer/APA Lesen Sie auch: Warum Ryanair auf einmal zukauft Analyse

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Für das erste Halbjahr 2018 gilt: Lufthansa düpiert nicht nur ihre Konkurrentinnen der beiden großen Airline-Gruppen, sondern verweist auch Billig-Wettbewerberin Ryanair auf einen Platz hinter sich.

Von: Benjamin Recklies und Carlo Sporkmann
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