Studie

An Europas Himmel ist schwer Geld zu verdienen

02.11.2012 - 10:29 0 Kommentare

Lufthansa spart hohen Kerosinkosten und schwindenden Ticketpreisen hinterher. Bei hohem Umsatz bleibt nur wenig Gewinn hängen. In Europa ist die Luft für Fluggesellschaften besonders dünn.

Boeing 747-400 im Endanflug - © © AirTeamImages.com -

Boeing 747-400 im Endanflug © AirTeamImages.com

Lufthansa ist im weltweit schwierigsten Markt unterwegs, denn Europa gilt dem Luftfahrtverband IATA weiterhin als Problemzone Nummer eins. Obwohl der Verband in seiner jüngsten Prognose den für 2012 erwarteten Branchengewinn um ein sattes Drittel auf weltweit 4,1 Milliarden US-Dollar (3,2 Milliarden Euro) hoch setzte, bleiben die Aussichten auf dem alten Kontinent trübe. Einem Nettoverlust von 1,2 Milliarden Dollar in diesem Jahr werde bei den hiesigen Gesellschaften 2013 ein weiteres Minus von 0,2 Milliarden folgen - und das nur bei einem sinkenden Ölpreis und der Voraussetzung, dass die Euro-Schuldenkrise nicht eskaliert.

Besser sieht es für die Asiaten und die lange Zeit gebeutelten Airlines aus den USA aus. Delta und US Airways meldeten zuletzt steigende Gewinne. Die weltgrößte Fluggesellschaft United Continental litt im positiven Umfeld noch unter Sondereffekten aus ihrer Fusion. Doch selbst die 7,5 Milliarden Dollar Reingewinn, die IATA den Fluggesellschaften weltweit für 2013 voraussagt, entsprechen bei einem Branchenumsatzes von 660 Milliarden nur einer Gewinnspanne von 1,1 Prozent, wie IATA-Chef Tony Tyler klagt. Die Lage aus seiner Sicht: Die Unternehmen können gerade so ihre Rechnungen und Steuern bezahlen, für die Eigner bleibt aber wenig bis nichts übrig.

Was das bedeuten kann, zeigt sich etwa bei Air Berlin. Seit Jahren schreibt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft rote Zahlen. Frische Kredite und eine Kapitalspritze von der arabischen Fluglinie Etihad sollen den Lufthansa-Konkurrenten über das Jahr retten. Erst 2013, so plant Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn, soll das Unternehmen über die Gewinnschwelle fliegen. Weniger Flieger, weniger Flüge: Gesundschrumpfen lautet das Konzept. Auch Lufthansa hat ihren Winterflugplan zusammengestrichen.

Trotz der dürftigen Aussichten drängen immer wieder neue Airlines in den Markt. In Europa nehmen die mit Petro-Dollars gepäppelten Gesellschaften vom Persischen Golf zusammen mit den kostenbewussten Billigfliegern Ryanair und Easyjet die früheren Staatsfluglinien in die Zange. Während Etihad neben Air Berlin auch den Lufthansa-Konkurrenten Air France-KLM als Partner gewonnen hat, schloss sich Qatar Airways dem von British Airways dominierten Bündnis Oneworld an. Der größte arabische Player Emirates aus Dubai kooperiert mit der australischen Qantas und verlangt mit Nachdruck Start- und Landerechte - zum Beispiel am neuen Berliner Flughafen.

Die Beratungsgesellschaft A.T. Kearney rät der Luftfahrtbranche zum strikten Kostenmanagement. Die Unternehmen sollen ihre Marken stärken und bei den Passagieren nach zusätzlichen Umsatzquellen suchen. Die Flughäfen, so hieß es jüngst in einer Studie, hätten es vorgemacht. Sie leben längst von den Umsätzen der Shops und Gaststätten in den Terminals, an denen Start- und Landegebühren gerade noch so die Kosten decken. Ryanair und Easyjet setzen bereits stark auf Zusatzerlöse - etwa durch die Vermittlung von Mietwagen und Hotels. Außerdem halten sie für Extraleistungen in ihren Fliegern gesondert die Hand auf. Die nackten Ticketpreise sehen damit niedriger aus - und machen Lufthansa & Co das Leben schwer.

Lufthansa-Chef Christoph Franz hat sein Unternehmen auf einen harten Sparkurs getrimmt, doch die Belegschaft trägt die Pläne bislang nicht mit. Auf dem Weg zu 1,5 Milliarden Euro jährlicher Ergebnisverbesserung wird im Konzern jeder Stein umgedreht. Für die Gewerkschaften besonders schmerzhaft: die Konzentration sämtlicher Direktverbindungen in Europa auf die bisherige Billigtochter Germanwings, bei der Piloten und vor allem die Flugbegleiter zu deutlich schlechteren Konditionen beschäftigt sind.

Von: Christian Ebner, dpa, und Steffen Weyer, dpa-AFX
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