Amazon fliegt jetzt auch in Europa

13.05.2019 - 16:41 0 Kommentare

Amazon führt auch in Europa Flüge zur Beförderung seiner Sendungen durch. Dafür werden tagsüber vorhandene Kapazitäten von Partner-Airlines, beispielsweise aus der DHL-Gruppe in Köln und Leipzig, genutzt.

Boeing-767-Frachter von Amazon Air. - © © AirTeamImages.com - Felix Gottwald

Boeing-767-Frachter von Amazon Air. © AirTeamImages.com /Felix Gottwald

Amazon ist mit ersten Flügen in den innereuropäischen Zustellmarkt gestartet. Bereits seit einigen Monaten nutzt der amerikanische E-Commerce-Marktführer Frachtflieger von DHL-Zweigunternehmen wie European Air Transport, DHL Express, DHL Air und weiteren Frachtfluglinien, die sonst vorwiegend nachts pan-europäische Zulieferdienste für die Deutsche-Post-Tochter DHL von und nach Leipzig durchführen.

Amazon benutzt die Flugzeuge für die Beförderung eigener Waren, die von europäischen Herstellern stammen, über Amazon vertrieben werden und die an Empfänger adressiert sind, die innerhalb der EU oder in assoziierten Ländern wie Schweiz oder Norwegen leben.

Amazon fliegt am Tag

Die Flüge erfolgen vorwiegend tagsüber. Dann werden die Frachter von den Betreiberfirmen kaum benötigt, weil sich deren eigenes Paketgeschäft nachts abspielt. "Dadurch erhöht sich für die beteiligten Frachtfluggesellschaften die Auslastung ihrer Flieger", sagte ein mit der Sache befasster deutscher Frachtmanager auf Anfrage. Tagsüber beförderten die Flugzeuge Amazon-Güter quer durch Europa, während sie nachts auf ihren angestammten innereuropäischen Routen für DHL Express im Einsatz seien.

In den USA sind Amazon und DHL geschäftlich schon länger eng verbunden. So nutzt der Online-Händler seit 2017 das riesige Distributionszentrum von DHL am Airport Cincinnati/Northern Kentucky International für den Umschlag der eigenen Güter.

Eine vergleichbar enge Kooperation beider Firmen entwickelt sich jetzt auch am DHL-Knoten Leipzig-Halle. Marktbeobachter vermuten, dass auch deshalb die geplante CargoLogic Germany dort ihren Sitz hat und innereuropäischen Frachtflüge per Boeing 737-Frachtflugzeugen plant.

"Sie hoffen, sich ein Stück der Amazon-Kuchens damit sichern zu können", so ein Marktexperte gegenüber CargoForwarder Global. Allerdings hat die eigenständige, aber eng mit der russischen Volga-Dnpr-Gruppe verbundene Gesellschaft noch keine Betriebslizenz von den deutschen Behörden erhalten.

© Cargologic Germany, Lesen Sie auch: Cargologic-Germany-Start verzögert sich weiter

Neben Leipzig lässt Amazon eigene Sendungen auch vom Köln-Bonner Flughafen zu Zielen innerhalb Europas fliegen, etwa nach Spanien und Italien. Diese werden aber vorwiegend von Frachtern der irischen ASL Aviation und deren französischer Tochter befördert.

ASL verfügt über die größte B737-Frachterflotte innerhalb Europas, die sie im Wet-Lease-Verfahren (ACMI) im Auftrag von Kunden einsetzt, etwa für FedEx in Lüttich. Allerdings dürfte der ostbelgische Flughafen, obwohl er wie Leipzig und Köln-Bonn rund um die Uhr für den Flugverkehr geöffnet ist, in den Europa-Plänen von Amazon keine Rolle als Verteilkreuz spielen.

Dies deshalb nicht, weil dort die Logistiksparte Cainiao, eine Tochter des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba, gerade heftig investiert und Frachtflüge zwischen China und Lüttich angekündigt hat. Kaum anzunehmen, dass Amazon, speziell nach dem kürzlich erfolgten Rückzug des US-Handelsriesen aus China, ein eigenes Luftdrehkreuz am selben Standort wie sein chinesischer Konkurrent betreibt.

Köln-Bonn und Leipzig-Halle als wichtige Standorte

Köln-Bonn dagegen dürfte für den US-Handelsriesen neben Leipzig-Halle zunehmend wichtiger werden. Dies vor allem deshalb, weil DHL das eigene Verteilzentrum auf dem Flughafengelände erheblich ausbauen und damit seine Präsenz in Köln-Bonn deutlich verstärken wird.

Für Handelsplattformen wie Amazon oder Alibaba werden innereuropäische Flugnetze zunehmend wichtig, weil sie ihren Kunden zeitgenaue Zustellungen versprechen. Diese sind durch Bodentransport wie etwa durch Sprinter oder gar LKW allenfalls im Nahbereich zuverlässig realisierbar, nicht jedoch auf längeren Entfernungen. Dichter Straßenverkehr, viele Baustellen und häufige Staus lassen das Zeitmanagement für Eilsendungen oftmals zusammenbrechen, wenn der Transport auf der Straße erfolgt. Innereuropäische Flüge bieten sich da als zuverlässige und schnelle Alternative an.

Von: Heiner Siegmund
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