Am BER soll es längere Nachtruhe durch weniger Morgen-Flüge geben

08.08.2019 - 15:59 0 Kommentare

Die Berliner Flughäfen sollen ein Konzept zum besseren Schutz der Nachtruhe am BER erstellen, hat die Gesellschafterversammlung beschlossen. Innerdeutsche Flüge von 5 bis 6 Uhr sollten vermieden und andere Lärmschutzmaßnahmen weiterentwickelt werden, heißt es in einer Mitteilung.

Ein Passagierflugzeug ist dicht über dem Dach eines Mehrfamilienhauses in der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow (Brandenburg) beim Landeanflug auf den Flughafen Schönefeld zu sehen. - © © dpa - Patrick Pleul

Ein Passagierflugzeug ist dicht über dem Dach eines Mehrfamilienhauses in der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow (Brandenburg) beim Landeanflug auf den Flughafen Schönefeld zu sehen. © dpa /Patrick Pleul

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Brandenburg kommt Bewegung in die Diskussion um mehr Nachtruhe am künftigen Hauptstadtflughafen BER. Die Flughafengesellschaft will prüfen, ob sich innerdeutsche Flüge in der Zeit von 05.00 Uhr bis 06.00 vermeiden lassen, teilten die Eigentümer nach einer Gesellschafterversammlung am Donnerstag in Potsdam mit.

"Der Beschluss dazu ist nach intensiver Debatte im Gremium von den Ländern Berlin und Brandenburg mehrheitlich angenommen worden", teilte der Versammlungsvorsitzende Rainer Bretschneider mit. "Der Gesellschafter Bund schloss sich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht an." Ob sich allerdings substanziell an der bisherigen Planung etwas ändert, ist noch offen. Die Flughafengesellschaft soll zunächst bis Jahresende eine Analyse erstellen. Brandenburg hatte vorab gefordert, in dieser Zeit nur noch Interkontinentalflüge zuzulassen.

Beides - Interkontinentalflüge und Inlandsflüge - sind vor 06.00 Uhr bisher jedoch an den bestehenden Berliner Flughäfen ohnehin die Ausnahme. Es gibt nur sechs Langstreckenziele. In Tegel darf erst ab 06.00 Uhr geflogen werden. Für den BER ist ein Flugverbot von Mitternacht bis 05.00 Uhr vorgesehen. In den Randzeiten, zwei Stunden davor und eine Stunde danach, ist die Zahl der Flüge begrenzt.

Druck aus Brandenburg

Brandenburgs SPD-geführte Landesregierung musste jedoch handeln. Der Landtag hatte ein erfolgreiches Volksbegehren für eine Ausweitung des Nachtflugverbots von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr im Jahr 2013 angenommen. In den bisherigen Verhandlungen hatten die Mit-Eigentümer des Flughafens, Berlin und der Bund, Brandenburg jedoch abblitzen lassen.

Vor der Landtagswahl am 1. September kam das Thema nun erneut auf die Tagesordnung der turnusmäßigen Gesellschafterversammlung. "Es hat sich gezeigt, dass wir hier möglicherweise Spielraum für Maßnahmen haben, mit denen die wirtschaftliche Situation des Flughafens nicht maßgeblich beeinträchtigt wird", erklärte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) anschließend.

Die Wirtschaft warnte vor Zugeständnissen. "Das Ziel des BER ist es, Wirtschaft und Bürger in der Region besser an den internationalen Flugverkehr anzubinden", teilten die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg mit. "Wer das Nachtflugverbot verschärft, verabschiedet sich davon." Ähnlich äußerte sich die Berliner Industrie- und Handelskammer.

Zuletzt hatte die Pleite von Air Berlin den Lärm rund um den Berliner Flughafen Tegel etwas gesenkt. Denn mit Air Berlin verschwanden im Herbst 2017 in Tegel Langstreckenverbindungen, für die größere und lautere Flugzeuge eingesetzt werden, wie es in dem Bericht heißt. Der heutige größte Flughafenkunde Easyjet nutze zwar die gleichen Flugzeuge, aber bei vergleichsweise lärmarmen Flugverfahren. Easyjet fliegt jedoch ausschließlich mit Kurz- und Mittelstreckenjets der Airbus A320-Familie und betreibt keine A330-Jets. Air Berlin hatte einige der Großraumjets in der Flotte. Am Flughafen Schönefeld blieben die Schallpegel nahezu gleich.

Am BER sollen auch gestaffelte Start- und Landegebühren zwischen 40 und 7500 Euro pro Flugbewegung die Airlines zu leiserem Fliegen veranlassen, wie bereits angekündigt wurde. Das Gebührenmodell, für das bei jedem Flug der Start- und Landelärm gemessen wird, soll leises Fliegen belohnen und lautere Starts und Landungen finanziell bestrafen. In den Randzeiten von 05.00 bis 06.00 Uhr sowie von 22.00 und 24.00 Uhr sollen die Gebühren deutlich höher ausfallen als in den Kernzeiten.

Von: hr, dpa
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