Spaethfolge (87) ( Gastautor werden )

Allianz-Tourismus

20.06.2012 - 10:08 0 Kommentare

Airline-Allianzen sind eine großartige Erfindung für Fluggesellschaften. Manchmal auch für Passagiere. Vor allem aber bieten sie mir und anderen in der Branche oft Gelegenheiten, die Welt zu entdecken.

Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. - © © airliners.de -

Andreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen (u. a. Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Die Welt, Neue Zürcher Zeitung, Flug Revue). In dieser Eigenschaft ist er weltweit unterwegs, um über Luftverkehrsthemen zu berichten. Für airliners.de schreibt er exklusiv die Spaethfolgen-Kolumne, die zugespitzt, personalisiert, manchmal auch bewusst übertreibend oder provozierend Dinge und Erlebnisse aus seinen Recherchen aufgreift, die in üblichen Zeitungsartikeln keinen Platz haben.

Es begann an einem heißen Mai-Tag des Jahres 1997 auf dem Frankfurter Flughafen. Fünf Flugzeuge waren sternförmig Nase an Nase gruppiert worden, dazwischen verlief ein roter Teppich. Auf einer Veranstaltung in einem von der Sonne fast zum Kochen gebrachten Zelt begründete Hausherr Jürgen Weber, damaliger Lufthansa-Chef, an diesem Tag die Star Alliance. Das Beispiel machte Schule, heute gibt es drei große Allianzen und Star umfasst fast drei Dutzend Mitglieder.

Die Gelehrten streiten sich, ob Allianzen wirklich immer gut sind für Passagiere, es gibt durchaus Untersuchungen, die belegen wollen, dass solche Kartell-ähnlichen Verbünde zu höheren Flugpreisen führen. Und oft ärgern sich Kunden darüber, dass sie bei Top-Airline A gebucht haben, sich dann aber an Bord von Partner-Airline C wiederfinden, die eben bei weitem nicht den gleichen Standard erreicht. Ein gutes Beispiel dafür war zuletzt das im Januar pleite gegangene Star-Mitglied Spanair. Was ich da letztes Jahr an wackligen Sitzen und nicht existentem Service in Business Class erlebte, spottete zumindest für Europa jeder Beschreibung. Und deren Chefs, die ich in Barcelona traf, schämten sich nicht einmal: „Klar, unser Produkt ist mies, wir haben eben kein Geld“, sagten sie mir bei einem üppigen Mittagessen auf Firmenkosten völlig unverblümt.

Wie auch immer, für viele Leute bei den Airlines, aber auch für uns Journalisten, sind Allianzen großartig. Bieten sie doch immer wieder Anlässe, exotische Plätze auf der Welt zu besuchen, an üppigen Feierlichkeiten teilzunehmen und nebenbei langjährige Bekanntschaften zu Airline-Chefs zu pflegen. Vor allem heutzutage, wo alle Großen der Branche längst bei Allianzen untergeschlüpft sind oder aber sich definitiv dagegen entschieden haben wie etwa Emirates, werden die Zielorte immer interessanter.

Während ich diese Kolumne schreibe, sitze ich gerade in Frankfurt in der Lounge auf dem Weg nach Bogotá und Panama, wo diese Woche Avianca-TACA und Copa der Star Alliance beitreten werden. Nach Kolumbien wollte ich immer schon mal und nehme mir zumindest für die Hauptstadt noch etwas Extra-Zeit. Panama ist spannend, da war ich schon mal. Diese Touren sind wahrlich kein Urlaub, das muss ich hier auch betonen, mit eng getaktetem Programm, aber abwechslungsreich allemal.

Im Laufe der Jahre habe ich einige besondere Meilensteine in der Entwicklung der Allianzen mitgemacht, in nah und fern. Für viele Gesellschaften gerade aus kleineren Ländern ist die Aufnahme ihrer nationalen Airline in eine weltumspannende Flugallianz ein epochales Ereignis, das entsprechend gefeiert wird. Ich erinnere mich an die fast rührenden Tanzvorführungen beim Star-Beitritt von LOT in einem Hangar am Warschauer Flughafen. Oder den grandiosen Gala-Abend in einem prächtigen Budapester Theater beim Beitritt von Malèv zu Oneworld, der inzwischen ebenso wie die ungarische Airline selbst Geschichte ist.

Ganz zu schweigen von all den lustigen Events in Japan oder zuletzt in Äthiopien, wo man hochmögende Airline-Chefs plötzlich in Landestrachten bewundern durfte. Ich habe mich jedenfalls sehr amüsiert, als Lufthansa-Chef Christoph Franz mir im Dezember in Addis Abeba in wehendem weißen Gewand mit offenen Sandalen entgegentrat.

Solche Klasse hat Air Berlin im März bei ihrem Oneworld-Beitritt noch nicht gezeigt, aber Hartmut Mehdorn hat sich redlich bemüht, seine frisch gewonnenen Partner aus Amerika, Asien und Australien mit einem veritablen neuen Hauptstadtflughafen ebenso zu beeindrucken wie mit einem fulminanten Abend in den alten Gemäuern von Tempelhof. Dass danach aus BER dann plötzlich ein Problem-BER wurde, dafür kann ja der alte Haudegen Mehdorn nun wirklich nichts.

Für Star ist derzeit Südamerika eine offene Flanke, droht doch der Austritt von TAM, die jetzt mit LAN fusioniert hat. Ich bin aber überglücklich dass TAM, eine Klasse-Airline ebenso wie LAN, überhaupt bei Star beigetreten ist vor zwei Jahren. Das war der absolute Höhepunkt meiner persönlichen Alllianz-Geschichte: Eine nächtliche Mega-Party auf dem Zuckerhut in Rio de Janeiro. Man hatte eigens ein überdachtes Amphitheater errichten lassen für den Abend und per Hubschrauber eine brasilianische Top-Sängerin heraufgebracht für ein Privatkonzert. Die atemberaubendsten Frauen Rios standen hinter mir, als wir alle Yvette Sangalo zujubelten. Was für eine Sause. So schön können Luftfahrt-Allianzen sein.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
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