Digital Passenger (9)

Alles im Flugmodus, oder was?

30.05.2017 - 09:01 0 Kommentare

Spätestens beim Schließen der Kabinentüren muss alles in den Flugmodus versetzt werden, was irgendwie herumfunkt. Doch was heißt das eigentlich genau? Fluggesellschaften sind da auffällig uneindeutig, findet "Digital Passenger" Andreas Sebayang.

Der Klapptisch digitaler Passagiere sieht durchaus mal so aus. - © © Andreas Sebayang -

Der Klapptisch digitaler Passagiere sieht durchaus mal so aus. © Andreas Sebayang

Neulich habe ich auf einem Langstreckenflug meine Switch zum Spielen rausgeholt. Aber Moment – darf ich die eigentlich mit abgekoppelten Controllern benutzen? Das neue Nintendo-Gadget funkt immerhin gleich mit drei unterschiedlichen Protokollen auf vier verschiedenen Frequenzen: WLAN auf zwei Frequenzen, Bluetooth Classic sowie vermutlich auch Bluetooth Smart und NFC.

Doch was darf ich davon aktivieren? Ein Blick in das Bordmagazin hilft nicht. Dort steht allgemein nur etwas vom Flugmodus, technisch völlig unzureichend. Beim WLAN ist die Situation noch halbwegs nachvollziehbar: Hat das Flugzeug einen WLAN Access Point, darf man WLAN verwenden. Aber steht das in der Regel in den Magazinen? Jein, meist nur so halbwegs lässt sich Erlaubtes und Nichterlaubtes zwischen den Zeilen herauslesen.

Die Switch ermöglicht es mir, im Flugmodus alle drei Funkgruppen einzeln zu aktivieren, was den Flugmodus dann übrigens gleichzeitig deaktiviert. Solange ich nur zwei Funkgruppen aktiviere, egal welche Kombination, bleibt das System offiziell im Flugmodus, was die Fluggesellschaft vielleicht zufrieden stellt, technisch aber keinen Sinn ergibt.

Die Bordmagazine schweigen sich aus

Bei Smartphones ist das anders. Da schaltet man mit der nachträglichen Reaktivierung von Bluetooth, WLAN und NFC den Flugmodus noch lange nicht aus, denn die kritische Mobilfunkeinheit mit dutzenden Frequenzen bleibt deaktiviert. Zumindest ist das bei den mir bekannten iOS- und Android-Geräten so.

Bei den anderen Protokollen wird es komplizierter. Oft sehe ich Passagiere, die mit Bluetooth-Kopfhörern Musik hören. Das Kabinenpersonal stört das nicht. Ist es deswegen erlaubt? Mit Nintendos Switch wird Bluetooth sogar essentiell, da sich die Controller abnehmen lassen und zur Konsole funken. Die Bordmagazine, die ich kenne, schweigen sich darüber aber aus.

Also frage ich einfach mal: Ich zeigte also auf meine Switch und die abnehmbaren Controller. Zuerst verstand mich der Steward wohl gar nicht. Aber dann bekam ich die Erlaubnis. Ganz wohl war ich mir bei der Sache nicht. Bluetooth ist nämlich ein Meister des Ausweichens und hüpft regelrecht durch das Frequenzband (FHSS).

Und dann wäre da noch NFC. Bei der Switch wird die Nahfunktechnik für die "Amiibo"-Figuren genutzt. Dass Kinder - oder in diesem Falle nun ich - die Technik gerne auch im Flug nutzen, ist kaum auszuschließen. Das ist schon so kompliziert, dass selbst unter IT-Profis viele nicht wissen, dass NFC nicht das selbe ist wie das Bezahlen mit drahtlosen Kreditkarten, was NFC zwar auch kann, aber technisch ein anderes Protokoll emuliert.

Eine kleine, aber technisch korrekte Auflistung im Bordmagazin würde allen Beteiligten helfen. Ich meine nichts rein Technisches wie eine Auflistung von Frequenzen sondern zum besseren Verständnis zusätzlich anschauliche Beispiele. Bei Bluetooth etwa Kopfhörer oder eben neue Konsolen. Wenn das vernünftig aufgeschrieben wird, kostet das nicht einmal eine Viertelseite im Heft.

Die würde aber nicht nur das Kabinenpersonal entlasten, dessen Aufgabe es nicht ist, sich mit Funkprotokollen auszukennen. Diese Auflistung würde es auch eindeutiger für Fluggäste machen. Und wenn man schon dabei ist, könnte man auch gleich noch die Flugzeugtypen nennen, bei denen die ganz Funkerei in Ordnung ist. Da gibt es nämlich durchaus gewaltige Unterschiede.

Kurzum, mit einer detaillierten Flugmodus-Anleitung im Bordmagazin wäre jedem geholfen. Und ich könnte endlich in Ruhe mit meiner Switch spielen.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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