Alitalia-Zukunft erneut bis Juni vertragt

06.05.2019 - 12:20 0 Kommentare

Italiens Regierung gibt der italienischen Staatsbahn nochmal mehr Zeit, um einen Mitinvestor für Alitalia zu finden. Mittlerweile wurde die Kreditlinie zum vierten Mal seit der Insolvenzanmeldung vor zwei Jahren verlängert.

Schriftzug der Alitalia auf einer Boeing 777. - © © AirTeamImages.com - Daryl Chapman

Schriftzug der Alitalia auf einer Boeing 777. © AirTeamImages.com /Daryl Chapman

Die italienische Regierung hat die Entscheidung über die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Alitalia erneut verschoben. Bis spätestens 15. Juni hat die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) nun Zeit, um einen noch fehlenden Mitinvestor zu finden, der für eine Rettung Alitalias nötig ist. Bis zum zuvor gesetzten Fristende am 30. April war das nicht gelungen.

Nun soll FS bis 15. Juni, aber "so früh wie möglich" ein verbindliches Angebot für Alitalia abgeben, sagte der italienische Industrieminister und stellvertretende Ministerpräsident Luigi Di Maio. Im italienischen Fernsehen sagte er, dass das angestrebte Konsortium aber noch einen weiteren Großinvestor für die letzten 15 Prozent brauche. Bislang waren noch rund 40 Prozent der Anteile offen.

Laut einem Bericht der römischen Tageszeitung "La Repubblica" sondiert der Bauunternehmer Riccardo Toto eine 30-prozentige Beteiligung an einer neuaufgestellten Alitalia und würde dafür 250 Millionen Euro investieren.

Vierte Verlängerung in zwei Jahren

Die frühere staatliche Airline hatte Anfang Mai 2017 Insolvenz angemeldet. Seitdem kann sie nur dank Staatskrediten von mittlerweile 900 Millionen Euro ihren Flugbetrieb aufrechterhalten. Diese Staatshilfe war zunächst nur als vorübergehender Rettungsanker gedacht, doch Italiens Regierung musste die Kreditlinie immer wieder verlängern – mittlerweile bereits zum vierten Mal.

© Alitalia, Lesen Sie auch: Italiens Bahn will marode Alitalia übernehmen

Di Maio wählte Mangels Interessenten im vergangenen Sommer die FS aus, sich um Alitalia zu kümmern. Allein schultern kann die Bahngesellschaft die Übernahme jedoch nicht. Laut italienischen Medienberichten würde die Eisenbahn 30 Prozent der Anteile kaufen. Weitere 15 Prozent könnten vom Wirtschaftsministerium übernommen werden - die Staatskredite würden damit teilweise in Form von Aktien zurückgezahlt und der Staat Aktionär. Die US-Fluglinie Delta soll Berichten zufolge an weiteren 15 Prozent Interesse haben. Easyjet war zuvor abgesprungen.

Atlantia vor dem Absprung

In italienischen Medien wurde zuletzt spekuliert, dass der private Infrastrukturkonzern Atlantia einsteigen könnte. Atlantia gehört der Benetton-Familie, die neben der Modemarke unter anderem auch die beiden Flughäfen Roms betreibt und Hauptaktionärin des Mautunternehmens Autostrade per l´Italia ist.

Die Unternehmerfamilie steht seit dem Einsturz, der von ihr kontrollierten Autobahnbrücke in Genua mit 43 Toten unter massiven Druck der Regierung. Diese forderte nach dem Unglück forderte, die Autobahn zu verstaatlichen und Atlantia die Betriebslizenz zu entziehen.

Die Regierung würde die Familie jetzt gerne für einen Einstieg bei Alitalia gewinnen, allerdings erteilte Unternehmenschef Castellucci dem Vorhaben eine Absage. "Wir sind derzeit an so vielen offenen Fronten gebunden, dass wir überhaupt nicht an ein Engagement in einer so komplexen Angelegenheit wie Alitalia denken können", sagte er kürzlich auf der Hauptversammlung des Konzerns.

Von: dpa, br
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