Lässt Regierung Alitalia im Regen stehen?

Alitalia vor Lizenzentzug

22.09.2008 - 10:30 0 Kommentare

Die italienische Flugaufsicht will der unter Gläubigerschutz operierenden Alitalia spätestens Anfang Oktober die Lizenz entziehen, sollte es bis dahin keinen konkreten Rettungsplan geben. Ausländische Fluggesellschaften seien nicht mehr an einer Rettung interessiert, sagte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am Wochenende in einem Fernsehinterview.

Ein Alitalia-Mitarbeiter mit Schirm im Regen. - © © dpa -

Ein Alitalia-Mitarbeiter mit Schirm im Regen. © dpa

Die marode italienische Fluggesellschaft Alitalia könnte schon in wenigen Tagen komplett stillstehen. Wenn das vorliegende Übernahmeangebot endgültig abgelehnt werde, könne Alitalia "in fünf bis sechs Tagen" die Lizenz entzogen werden, sagte Italiens Verkehrsminister Altero Matteoli der Zeitung "Il Sole 24 Ore" vom Sonntag. Matteoli bezeichnete das Übernahmeangebot des Investorenkonsortiums CAI als "einzige Option" für eine Rettung der Airline. Die zivile Flugüberwachungsbehörde (ENAC) hatte am Freitag eine Entscheidung über die Lizenz "in einer Woche bis zehn Tagen" angekündigt. Matteoli sagte jedoch, dies müsse früher geschehen. Bereits am Freitag hatte Alitalia 30 Flüge gestrichen.

Am Donnerstag hatte das Investorenkonsortium CAI sein Übernahmeangebot für Alitalia zurückgezogen, das als letzte Rettung für die marode Fluggesellschaft galt. Als Grund nannte CAI, dass die Mehrheit der betroffenen Gewerkschaften dem Übernahmeangebot nicht zugestimmt hatte. Der Plan sah die Streichung von 3250 Stellen vor.

Für Montag war ein Treffen von Vertretern der ENAC und Alitalia-Sonderverwalter Augusto Fantozzi geplant. Sollte es keine neuen Angebote und keine Aussicht auf eine Besserung der Finanzlage geben, wird die ENAC ein Verfahren zur Prüfung des Lizenzentzugs eröffnen. Fantozzi wollte am Montag eine Ausschreibung für den Verkauf der Fluglinie veröffentlichen. Die Ausschreibung werde am Montag auf der Unternehmens-Website und am Dienstag in großen in- und ausländischen Tageszeitungen stehen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Investoren sollen demnach ihre Angebote bis zum 30. September unterbreiten. Fantozzi sagte der Zeitung "Il Messagero", mit der Ausschreibung werde die Suche nach Investoren, die er seit langem betreibe, offiziell gemacht.

Der frühere linke Oppositionsführer und Ex-Außenminister Massimo D'Alema sprach sich für neue Verhandlungen zwischen Investoren und Arbeitnehmervertretern aus. "CAI und Gewerkschaften müssen ihre Verhandlungen wieder aufnehmen", sagte er "Il Sole 24 Ore". D'Alema schloss eine Übernahme durch ausländische Investoren nicht aus. Air France-KLM hatte bereits im April sein Übernahmeangebot zurückgezogen. Unter den möglichen Interessenten wird immer wieder die Lufthansa genannt. Die großen ausländischen Airlines seien mittlerweile aber nicht mehr an Alitalia interessiert, sagte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi. Alitalia stehe vor dem Aus.

Von: dpa, airliners.de
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