Nach Investoren-Rückzug

Alitalia vor Liquidation oder Verstaatlichung

19.09.2008 - 12:43 0 Kommentare

Der von der Regierung eingesetzte Alitalia-Insolvenzverwalter Augusto Fantozzi will nach dem Rückzug der Investorengruppe CAI bis zum Montag letzte Chancen für die schwer angeschlagene Fluggesellschaft ausloten. Gestern war der Rettungsplan der italienischen Investoren wie zuvor schon ein Übernahmeangebot der Air France/KLM am Widerstand von Gewerkschaften gescheitert. Nun könnte die Airline ihre Betriebserlaubnis verlieren - oder verstaatlicht werden.

Eine Alitalia-Maschine wird betankt. - © © AirTeamImages.com -

Eine Alitalia-Maschine wird betankt. © AirTeamImages.com

Ohne neues Rettungspaket dürfte der hoch verschuldeten Alitalia schnell das Geld ausgehen. Dabei ist vor allem die Treibstoffversorgung ein Problem für den Flugbetrieb. Die Ölgesellschaft Eni liefert der Airline bereits nur noch gegen Vorauskasse. Alitalia verliert täglich etwa zwei Millionen Euro. Der Flugbetrieb der Gesellschaft sei während des Wochenendes gesichert, hieß es in Rom. Anderen Experten zufolge könnte Alitalia noch zwischen zwei und vier Wochen fliegen.

Die italienische Flugaufsicht könnte dem Unternehmen aber auch bereits in den nächsten Tagen die Betriebserlaubnis entziehen, wenn nicht zeitnah ein neuer Rettungsvorschlag vorliege, berichten italienische Medien.

Italiens konservativer Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der die Rettung von Alitalia im Frühjahr zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht hatte, hatte die ablehnende Position der Gewerkschaften «selbstmörderisch» genannt. Nun muss sich die Politik etwas neues einfallen lassen, nachdem sie bereits eigens das Insolvenzrecht geändert und die Fluggesellschaft zum besseren Teil-Verkauf an die italienische Investorengruppe aufgespalten hatte.

Airline möglicherweise vor Verstaatlichung

Alitalia-Verwalter Fantozzi will nun vor allem nach möglichen Partnern für Alitalia suchen. Berlusconi soll sich für ein Zusammengehen mit der Lufthansa und Air France-KLM ausgesprochen haben. Die römische «La Repubblica» meinte am Freitag, Lufthansa könne die Fluggesellschaft noch vor der Pleite und Berlusconi vor einem politischen Desaster bewahren. Es gebe Kontakte auf hoher politischer und auf Unternehmensebene. Möglich sei auch, Alitalia für eine Übergangszeit zu verstaatlichen. Die Regierung hält zur Zeit einen Anteil von 49,9 Prozent an Alitalia

Am Donnerstag hatte die Investorengruppe CAI ihr Angebot für einen Rettungsplan zurückgezogen, weil es zu keiner Einigung mit den Gewerkschaften gekommen war. Die Investorengruppe habe den Kontakt allerdings nicht abgebrochen, hieß es. Der CAI-Rettungsplan sah den Abbau von 3250 der 20 000 Alitalia-Arbeitsplätzen vor. Nur drei der neun Alitalia-Gewerkschaften stimmten dem Rahmenplan zu. Die anderen machten Gegenvorschläge, die von den Investoren abgelehnt wurden. Die Gruppe wollte eine Milliarde Euro in eine neue Alitalia investieren.

Von: dpa, airliners.de
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