Deutlich unter Börsenwert

Alitalia-Verwaltungsrat billigt Übernahmeangebot von Air France-KLM

16.03.2008 - 19:19 0 Kommentare

Der Verwaltungsrat der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia hat das sehr niedrige Übernahmeangebot von Air France-KLM einstimmig angenommen. Damit stimmte das Gremium auch den ausgesprochen harten Bedingungen der Offerte der französisch-niederländischen Airline zu, wie Alitalia am Sonntag mitteilte. Air France-KLM bewertet Alitalia-Aktien in seinem Angebot mit gerade einmal zehn Cent. Am Freitag war die italienische Gesellschaft noch für 53 Cent gehandelt worden. Deutliche Kritik an der Entscheidung übten Gewerkschaften. Sie müssen dem Angebot noch zustimmen, genauso die aktuelle und die künftige italienische Regierung.

Der anvisierte Vertrag sieht nach Angaben von Alitalia ein öffentliches Tauschangebot von Air France-KLM für 100 Prozent der Alitalia-Aktien vor. Dabei sollen je 160 Alitalia-Anteile gegen eine Air France-KLM-Aktie getauscht werden. Damit werden die Anteile von Alitalia mit zehn Cent bewertet. Zu Beginn der Übernahmeverhandlungen hatte Air France-KLM laut unbestätigten Presseberichten 0,35 Euro pro Alitalia-Aktie geboten.

Das Angebot von Air France-KLM sieht laut Alitalia den Abbau von rund 1600 der insgesamt etwa 11.000 Stellen bei der italienischen Fluggesellschaft vor. Die französisch-niederländische Airline fordert vom Finanzministerium in Rom zudem eine Kreditlinie, um eine Kapitalerhöhung zu ermöglichen. Weiterhin soll die staatliche italienische Beteiligungsgesellschaft Fintecna nach den Vorstellungen von Air France-KLM Anteile der Servicegesellschaft Alitalia Servizi übernehmen, die mit 8300 Angestellten unter anderem für die Verwaltung und Wartung zuständig ist. Die Marke und das Logo von Alitalia sollen erhalten bleiben.

Am Montag sollte sich die italienische Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi zu dem Angebot äußern. Wenn diese den Handel billigt, muss er noch von den italienischen Gewerkschaften und der EU-Kommission abgesegnet werden. Eine endgültige Entscheidung über den Verkauf des 49,9-prozentigen Alitalia-Anteils des Staates fällt jedoch erst die neue italienische Regierung, die aus den Parlamentswahlen Mitte April hervorgeht. Prodi tritt dabei nicht mehr an.

Die Gewerkschaften kritisierten die Entscheidung des Verwaltungsrats für das Übernahmeangebot. "Die Regierung liefert uns nackt den Verhandlungen mit Air France-KLM aus", sagte der Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes CISL, Raffaele Bonanni. Sie handele damit "zum Nachteil der Beschäftigten, der Infrastruktur und des allgemeinen Interesses" in Italien.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise. Pro Tag macht das Unternehmen rund eine Million Euro Verlust. Air France-KLM hatte seit Mitte Januar exklusiv mit der Regierung in Rom verhandelt.

Von: AFP
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