Alitalia beantragt neue Staatshilfen

10.10.2017 - 12:04 0 Kommentare

Die insolvente Alitalia bittet um neues Geld vom Staat: Dieser solle bis Ende April 2018 die Mitarbeiter bezahlen. Eigentlich soll im Verkaufsprozess um den Pleite-Carrier kommende Woche die Entscheidung fallen.

Blick aus einer A330 der Alitalia. - © © Alitalia -

Blick aus einer A330 der Alitalia. © Alitalia

Die insolvente Fluggesellschaft Alitalia hat die italienische Regierung offenbar gebeten, noch bis Ende April kommenden Jahres die Gehälter ihrer Mitarbeiter zu bezahlen. Dies berichten mehrere Medien. So soll der ehemalige Staatscarrier über November hinaus bis Ende April 2018 gestützt werden.

Die gewünschte Hilfe bezieht sich sowohl auf das Bodenpersonal als auch auf die Piloten und Kabinen-Crews. Neben den italienischen Ministerien müssen auch die Gewerkschaften den Antrag absegnen, da Alitalia die Mitarbeiter dann erneut in Kurzarbeit schicken will.

Nachdem die Airline im Frühjahr unter Sonderverwaltung gestellt worden war, gewährte der italienische Staat einen Kredit in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro. Zuletzt hieß es noch, dass dieser kaum angerührt worden sei und die Airline sich aktuell finanziell noch fast komplett selbst trage. Die italienische Luftfahrtbehörde erteilte Alitalia daraufhin eine unbefristete Betriebserlaubnis.

Kranich prüft "operative Synergien"

Indes geht der Verkaufsprozess in die finale Phase: Noch bis zum kommenden Montag (16. Oktober) können Interessenten verbindliche Angebote einreichen. Nachdem sich Ryanair kürzlich aus dem Bieterrennen zurückgezogen hat, gilt nun Lufthansa als Favorit für eine Übernahme.

Eine Delegation aus Deutschland sei laut eines Medienberichts in Rom, um Details zu koordinieren. Es gehe um "operative Synergien" wie etwa die Verknüpfung von Buchungssystemen. Lufthansa habe Interesse an einer größeren Anzahl an Flugzeugen.

Alitalia soll in zwei Losen verkauft werden. Das eine beinhaltet den Flugbetrieb einschließlich Flugzeugen und der Wartung. Der andere Teil beinhaltet die Bodenverkehrsdienste. Dabei haben die Verwalter auch Struktur- und Arbeitsplatzgarantien im Blick. Das scheint den Verkauf nicht zu vereinfachen.

Fälle von Alitalia und Air Berlin ähneln

Von anfangs 33 Bietern waren zuletzt nur noch ein knappes Dutzend übrig. Neben der Lufthansa Group, Ryanair und Easyjet wurden die US-Fonds Cerberus Capital und Greybull Capital als Bieter für Teile der insolventen italienischen Airline genannt. Im Rennen ist angeblich auch noch die chinesische Hainan Airlines.

In Deutschland ist Lufthansa aktuell neben Easyjet "bevorzugter Bieter" für eine Teilübernahme der Air Berlin. Genau wie Alitalia ist die deutsche Fluggesellschaft ein Teil der ehemaligen Etihad-Equity-Alliance - und hoch verschuldet.

Alitalia vs. Air Berlin
Vergleich wesentlicher Kennzahlen
Alitalia
Air Berlin
Passagiere
22,6 Millionen
28,9 Millionen
Flottengröße
108 Flugzeuge
115 Flugzeuge
Umsatz
3,7 Milliarden Euro
3,8 Milliarden Euro
Bilanzsumme
-600 Millionen Euro
-782 Millionen Euro
Negatives Eigenkapital
ca. 3 Mrd. Euro
ca. 1,5 Mrd. Euro

Die Angaben zu Finanzkennzahlen und Verkehrsaufkommen beziehen sich auf das Gesamtjahr 2016. Die Flottengröße basiert auf Daten vom September 2017. | Quelle: Unternehmen, CH Aviation

Doch während kartellrechtliche Probleme die Übernahme wesentlicher Bestandteile der Air Berlin durch Lufthansa in Deutschland verkomplizieren, gibt es in Italien andere Marktvoraussetzungen.

Andere kartellrechtliche Voraussetzungen

Im inneritalienischen Flugverkehr ist Alitalia mit rund 41 Prozent Marktanteil der Platzhirsch. In der Gesamtbetrachtung sieht das allerdings anders aus, denn insgesamt ist der Flag-Carrier in Italien nur Nummer zwei mit gerade einmal 20 Prozent Marktanteil. Die Nummer eins mit rund einem Viertel des Angebots ist Ryanair.

Die Lufthansa Group kommt in Italien aktuell auf gerade einmal vier Prozent. Hinzu kommt gegebenenfalls noch das Angebot der Lufthansa-Partnerairline Air Dolomiti. Die Regionalairline stellt allerdings nicht einmal ein Prozent des Sitzplatzangebots in Italien. Ohnehin ist der italienische Luftverkehrsmarkt auch insgesamt deutlich stärker fragmentiert als der deutsche.

Luftverkehrsmärkte Italien und Deutschland
Lufthansa Group Air Berlin Group Alitalia Ryanair Easyjet sonstige
Deutschland gesamt 48.2 12 0.3 6.7 2.9 29.9
Innerdeutsch 73.4 24.4 0 1.5 0 0.8
Italien gesamt 4 1.2 20.39 23.9 10.3 40.2
Inneritalienisch 0 0 41.4 30.5 8.2 19.9

Sitzplatzangebot im September 2017, Quelle: OAG/CH Aviation (Das Gesamt-Sitzplatzangebot in Italien ist zwar um rund ein Drittel kleiner (Sommer), Inneritalienisch werden allerdings sogar etwas mehr Sitzplätze angeboten als innerhalb Deutschlands.)

Damit gibt es für Lufthansa in Italien günstigere kartellrechtliche Voraussetzungen bei einer Alitalia-Übernahme, als bei der Übernahme zu Hause. Hier hat die Lufthansa Group nämlich bereits heute einen Marktanteil von knapp 50 Prozent insgesamt und 73 Prozent innerdeutsch. Auf vielen der meistbeflogenen innerdeutschen Routen droht mit der Übernahme wesentlicher Air-Berlin-Anteile daher ein Lufthansa-Monopol.

© dpa, Lesen Sie auch: Warum Air Berlin und Alitalia nur fast vergleichbar sind Hintergrund

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise. Nachdem die Mitarbeiter einen neuen Sparplan im Mai abgelehnt hatten, steht Alitalia seit dem Frühjahr unter staatlicher Sonderverwaltung. Alitalia ist wie die insolvente Air Berlin eine Beteiligung des Golf-Carriers Etihad.

Von: cs
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